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LKR Forchheim
Tag der Verkehrssicherheit

Hier kracht es im Landkreis Forchheim besonders oft

Dass es gefährlich ist, betrunken Auto zu fahren, wissen alle. Doch die meisten Unfälle haben ganz andere Ursachen. Wir haben uns im Landkreis Forchheim auf die Strecke begeben und die Gefahrenpunkt im Video festgehalten. Polizei und Fahrlehrer analysieren die Unfallschwerpunkte.
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Testfahrt mit Fahrlehrer: Wir sind die Unfallschwerpunkte im Landkreis abgefahren. Fotos: Barbara Herbst
Testfahrt mit Fahrlehrer: Wir sind die Unfallschwerpunkte im Landkreis abgefahren. Fotos: Barbara Herbst
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Einen Unfall zu verursachen, ist eigentlich ganz einfach. Man muss nur einmal kurz nicht aufpassen, in Gedanken versunken sein oder unvorsichtig rückwärts fahren. Allerdings gibt es durchaus äußere Faktoren, die Unfälle begünstigen. Entsprechend öfter kracht es dann meist auch an diesen neuralgischen Punkten.
1606 Unfälle gab es im vergangenen Jahr im Dienstbereich der Polizei Forchheim, zwei Drittel davon passierten allein in der Königsstadt. Und obwohl Alkohol am Steuer immer im Fokus der Öffentlichkeit steht, sprechen die Zahlen eine andere Sprache: Tatsächlich waren nur vier Prozent der Unfälle auf Trunkenheit zurückzuführen, die häufigste Unfallursache (27 Prozent) war dagegen die Vorfahrtsverletzung.

Natürlich können diese Unfälle prinzipiell überall passieren. Doch es gibt Strecken und Stellen im Landkreis, an denen es besonders oft kracht.
Und dafür gibt es Gründe. "Es mag banal klingen, aber besonders gefährlich sind Großparkplätze bei Einkaufsmärkten", sagt Hartmut Demele, Verkehrsexperte der Polizei Forchheim. "Viele haben hier Probleme beim Rangieren, weil sie die Länge ihres Fahrzeuges nicht richtig einschätzen." Außerdem wird auf Parkplätzen viel rückwärts gefahren - ein zusätzliches Risiko.


Abbiegen am Kersbacher Kreuz

Im Stadtgebiet Forchheim ist außerdem das Kersbacher Kreuz ein neuralgischer Punkt. "Hier passieren besonders viele Auffahrunfälle auf den Rechtsabbiegerspuren", erklärt Demele. Der Grund: Wer auf der Rechtsabbiegerspur ganz vorne ist, steht fast parallel zur Straße und muss sich extrem nach links drehen, um überhaupt zu sehen, ob die Straße frei ist. Der Fahrer dahinter dagegen kann die Kreuzung gut einsehen. Die Folge: Wenn der zweite vor dem ersten Fahrer in der Spur sieht, dass die Straße frei ist, kann es zu Auffahrunfällen kommen.

Anders sieht es an der Kreuzung Hans-Böckler-Straße/Willy-Brandt-Allee aus. Hier passieren die meisten Unfälle nachts - weil dann die Ampel außer Betrieb ist. "Die Leute haben sich einfach an die Ampel gewöhnt und wissen dann plötzlich nicht, wie sie sich verhalten sollen, wenn sie aus ist", sagt Demele. Wer keine Vorfahrt hat, muss sich hier vorsichtig in die Kreuzung tasten. "Aber die meisten wissen schon gar nicht, bis wohin sie vorfahren müssen, um zu gucken." Wenn dann noch zusätzlich der Verkehr auf der Willy-Brandt-Allee zu schnell fließt, hat ein kreuzendes Fahrzeug fast keine Chance, problemlos die Straße zu kreuzen.

Und auf der Willy-Brandt-Allee fahren nachts viele zu schnell, wie Demele weiß. Kurioserweise liegt das ausgerechnet an einer Ampel, die nachts dauerhaft auf Grün geschaltet ist - die an der Einfahrt zum Globus. "Wenn die Leute auf diese Ampel zufahren, werden sie immer schneller, damit sie noch bei Grün drüberkommen", berichtet der Hauptkommissar.


Gefühlte Vorfahrt?

Aber auch im Landkreis gibt es zahlreiche Strecken, auf denen sich eine Unfallstelle an die andere reiht. In Neunkirchen am Brand etwa kracht es überdurchschnittlich oft an der Kreuzung Erlanger Straße/Henkerstegstraße - obwohl die Vorfahrt durch Schilder klar geregelt ist. Eigentlich. Denn: "Die Leute übersehen einfach das Stop-Schild. Weil die Straße so breit ist und übersichtlich scheint, gehen sie einfach davon aus, Vorfahrt zu haben", erklärt Josef Metzner, Forchheimer Kreisvorsitzender des Landesverbands der bayerischen Fahrlehrer. Nur: Eine "gefühlte Vorfahrt" gibt es eben nicht.

Auf der Strecke von Sigritzau nach Gosberg ist fast alle paar Meter schon ein Unfall passiert. "Hier wurden wegen der vielen Unfälle Geschwindigkeitsbegrenzungen eingeführt", erläutert Demele. Nur erhöhen eben diese Beschränkungen nun auch den psychologischen Druck auf die Autofahrer: "Besonders viel passiert auf dem Abschnitt, bei dem Tempo 80 erlaubt ist. Weil das eben die einzige Möglichkeit ist, etwa einen Traktor zu überholen", sagt der Polizist. Und die nutzen die Autofahrer - auch, wenn es riskant ist.

Die Strecke zwischen Effel-trich und Neunkirchen hat es in sich aufgrund der vielen Senkungen und Kuppen. Dies in Verbindung mit der kurvigen Streckenführung macht die Straße unübersichtlich.

Doch Demele hat auch gute Nachrichten: Bevor in Kauernhofen der Kreisverkehr gebaut wurde, passierten hier 18 Unfälle in gerade einmal drei Jahren. "Mit dem Kreisel hat sich die Situation massiv entschärft", sagt Demele. Kein Wunder: Eine Kreuzung bietet rein rechnerisch 32 Möglichkeiten, einen Unfall zu bauen. In einem Kreisverkehr sind es gerade mal acht.

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