Forchheim
Festschrift

Herder-Gymnasium Forchheim erinnert an visionären Schulpatron

Die Schüler und Lehrer des Herder-Gymnasium in Forchheim haben dem Namensgeber Johann Gottfried Herder eine über 70-seitige Schrift gewidmet. Der Geburtstag des Dichters, Philosophen und Theologen jährt sich zum 275. Mal - seine Gedanken sind hochaktuell.
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Johann Gottfried Herder als Kunstcollage vor dem Schuleingang: Das Cover des Forchheimer Büchleins, das Johann Gottfried Herder gewidmet ist. Repro: Ronald Heck
Johann Gottfried Herder als Kunstcollage vor dem Schuleingang: Das Cover des Forchheimer Büchleins, das Johann Gottfried Herder gewidmet ist. Repro: Ronald Heck
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Seit 1984 trägt das Gymnasium in der Luitpoldstraße seinen Namen. Seit 35 Jahren ist das älteste Gymnasium im Landkreis Forchheim als Herder-Gymnasium bekannt. Der Name war in ganz Bayern noch nicht vergeben.

Zum 275. Geburtstag Johann Gottfried Herders, der neben Goethe, Schiller und Wieland zu den großen Denkern der Weimarer Klassik zählt, hat der pensionierte Deutschlehrer Friedbert Stühler mithilfe einiger Schülerinnen und Schüler ein Büchlein geschrieben, gestaltet und herausgegeben. Im Interview mit Friedbert Stühler wird deutlich, wie Herder die Schüler noch immer inspiriert und wie aktuell Herders Gedanken heute sind.

Herr Stühler, Sie haben zum Herder-Jubliäum eine Festschrift zusammen mit den Schülern herausgebracht. Wie kam es dazu und wie war die Arbeit?

Friedbert Stühler: Seit vielen Jahren gibt es an der Schule die Herder-Ecke mit Textdokumenten, Bildern und Diashow, die von Schülerinnen und Schülern mitgestaltet wurden. Zum 275. Geburtstag unseres Schulpatrons in diesem Jahr wollten wir ihn mit einer Festschrift würdigen. Im ersten Teil des reich bebilderten Buches geht es um die Biografie, um die Lebenshaltung und auch um die politische und philosophische Position Herders in der sogenannten Weimarer Klassik des 18. Jahrhunderts.

Der zweite Teil steht unter dem Motto: "Herder und Wir": von der Namensgebung 1984 bis zur bestehenden Herder-Ecke heute. Da haben sich Schülerinnen und Schüler kreativ mit seiner Person beschäftigt mit fiktiven Interviews, Bildern und Collagen. Und ich konnte auch auf den Fundus der Herder-Ecke zurückgreifen. Dafür kann ich mich bei vielen bedanken. Feinarbeit im Layout, Internet-Recherchen und Sicherung der Bildrechte waren abschließend nötig. Im dritten Teil gibt es noch einige ausgewählte Hinweise zur Wirkung von Herder auf zwei große Philosophen der Gegenwart.

Warum sollte Ihrer Meinung nach Johann Gottfried Herder für die Herder-Gymnasiasten von Bedeutung sein?

Unser Schulpatron war nicht nur Theologe, Literat und Philosoph, sondern er setzte sich als "Bildungsminister" in Weimar auch für Schulreformen ein, was in der Festschrift ausführlich dargestellt wird. In seinen berühmten "Briefen zur Beförderung der Humanität" feiert er die Fortschritte durch den Buchdruck als "großes Geschenk" der Wissensverbreitung und spricht von einer "Tuba der Sprache". Damit nimmt er schon wörtlich die "Youtube-Kommunikation" vorweg! Er streitet für "ungebundene Freiheit" des Wortes und wendet sich gegen die "Anonymie" (Anonymität) im öffentlichen Meinungsaustausch.

Als Kulturphilosoph beschreibt er die Vielfalt der Kulturen und Völker, erkennt den Eigenwert aller Nationen an und verweist gleichzeitig immer wieder auf das einigende Band der Menschengattung. So leistet er mit seinem Werk einen großen Beitrag zur Völkerverständigung. Unsere Schülerinnen und Schüler haben deshalb auch in witzigen Collagen Herder als "Philosoph von Welt" dargestellt. Als Gymnasium mit dem Prädikat "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" sehen wir uns in der Tradition von Herder gut aufgehoben.

Was fasziniert Sie besonders an Johann Gottfried Herder? Ist er auch heute noch aktuell?

Neben seinen anspruchsvollen Verwaltungsämtern für Kirche und Schule in Weimar hat er unzählige Werke und Briefe hinterlassen. Sorgen um seine Familie (acht Kinder) und finanzielle Engpässe gehörten zu seinem Alltag. Man muss sich wundern über seine Ausdauer und seine Standhaftigkeit gegenüber feudalen Zuständen, Neidern und Konkurrenten. Herder war ein streitbarer und auch eigensinniger Denker.

Er hat viele Anregungen für andere Denker Schriftsteller - unter anderem auch für Goethe - gegeben und er blieb beharrlich seiner aufklärerischen Hauptidee treu: Die Menschheit soll sich zur Humanität entwickeln und darf nicht in Brutalität zurückfallen. Welch eine Mahnung für unsere Zeit! Wieder zu entdecken ist Herder auch als Mitbegründer der Anthropologie. Er knüpft dabei an Aristoteles und an Rousseau an. Er sieht - wie in der Epoche der Aufklärung typisch - den Menschen nicht nur als vernunftbegabtes Wesen, sondern immer auch als Geschöpf der Natur und vor allem als soziales Wesen, das der Gemeinschaft bedarf.

Die Fragen stellte Ronald Heck

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