Forchheim
Mundart

Herbstabend mit Tränen in den Augen

Reinhold Schmitt und die Frankenauer gestalteten für den Hospizverein einen vergnüglichen Herbstabend in der Gereonskapelle.
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Fränkisch rot-weiß: Mundartdichter Reinhold Schmitt trägt vor und wird von den Frankenauern begleitet. Fotos: privat
Fränkisch rot-weiß: Mundartdichter Reinhold Schmitt trägt vor und wird von den Frankenauern begleitet. Fotos: privat
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Die Begleitung Schwerstkranker und Sterbender und die Unterstützung bei der Verarbeitung von Trauer gehören zu den Aufgaben des Hospizvereins für den Landkreis Forchheim, die von engagierten Mitgliedern ehrenamtlich geleistet wird. Kein einfacher Dienst, der dennoch mit Freude und starker innerer Zuwendung geleistet wird. Vielleicht gerade deshalb verlief eine Lesung mit Musik "Fröhlich fränkisch in den Herbst" im Kulturraum Gereonskapelle so vergnüglich, zu der der Hospizverein seine Mitarbeiter und Unterstützer eingeladen hatte.

Vorsitzender Dieter Belohlavek begrüßte die Zuhörer, die den Kulturraum fast bis auf den letzten Platz füllten, darunter auch die stellvertetende Landrätin Rosi Kraus (CSU). Er betonte, dass es ein Bedürfnis gewesen sei, den Mitarbeitern für ihren oft nicht einfachen Einsatz mit einem heiter umrahmten Herbstausklang zu danken. Seinen Dank lenkte er weiter auf die Akteure des Abends, den Forchheimer Mundartdichter Reinhold Schmitt und seine musikalischen Begleiter von den Frankenauern. Zur gelungenen Abrundung trug die Pausenbewirtung bei: Damen des Hospizvereins hatten ein Imbiss-Büfett gezaubert, das auch professionellen Ansprüchen gerecht geworden wäre.

"Grod oo waafn"

Viele Zuhörer und Liebhaber der fränkischen Mundart hatten Tränen in den Augen. Lachtränen. Reinhold Schmitt verspürte echte Heimspielathmosphäre und lief zu großer Form auf. Schälte Charakteure aus seinen Büchern, die jeder kennt, ließ sie philosophieren, spintisieren, Erkenntnis gewinnen oder einfach nur "grod oo waafn".

Eine Mücke im Dezember wird zum Elefantenproblem: In der "Weihnachdsmuggn" kann sich nur ein Engel verbergen. Eine "Zeggngzanga" verliert dann ihren Sinn, wenn sich im Gras partout kein Zeck in der Wade verbeißen will. Augenzwinkernd nimmt Schmitt sich und seine Zuhörer (gereifte Generation) auf den Arm, wenn man im Sessel sitzend seine Schlappen nicht findet ("dann könnerts sei, dass du in der falschen Wohnung bist") und wenn einer, der seine Frau Schneggla und Spootz nennt, dies nicht aus Leidenschaft tut, sondern immer dann, wenn ihm deren Name nicht einfällt.

"A schlechda Zeit" (die gar nicht so schlecht war, weil die Kinder die Straße noch für sich hatten) - daran konnten sich die Zuhörer gut erinnern, als Reinhold Schmitt in seinen Erinnerungen blätterte. Als man auf dem Fahrrad des Vaters "Durchstecker" fuhr und die Geschichte vom Storch, der die Kinder bringt, einer ernüchternder Erkenntnis wich.

Die Lust zu tanzen

In seiner Mundart hat auch die Melancholie des Herbstes Platz. Aber "solang die Sunna scheind" kommt man da gut durch. Schmitt meint die innere Sonne, und das traf genau die Stimmung des Abends. Bei den Zuhörern wie beim Hospizverein. Die Frankenauer spielten mit Klarinette/Saxophon, Akkordeon und Kontrabass vom Kanapeegalopp über die Fuchsgrabenpolka bis zu den Donauwellen schwungvolle Kerwas- und Tanzbodenmusik. Wäre Platz gewesen, hätte so mancher einen Dreher oder Walzer gewagt.


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