Pretzfeld
Tradition

Hausbraufassen in Pretzfeld: Zuhause wird das Bier im Fass vollendet

Bei Nikl-Bräu in Pretzfeld fand am Freitag das erste Hausbraufassen statt: Das Bier kann bei der Brauerei in Fässern abgeholt und Zuhause zum Reifen gelagert werden. Jedes Fass bekommt so seinen eigenen Geschmack.
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Braumeister Mike Schmitt (Mitte) füllt das erste Hausbraufass ab.Foto: Carmen Schwind
Braumeister Mike Schmitt (Mitte) füllt das erste Hausbraufass ab.Foto: Carmen Schwind

Am vergangenen Freitag war es endlich soweit: Braumeister Mike Schmitt aus Pretzfeld füllte beim Nikl-Bräu das erste Hausbraufass ab. "Da geht es mir einfach um den Spaß. Jeder kann hier Bier in ein Fässchen abfüllen lassen und daheim so lagern, dass sein Bier dann schmeckt, wie er es haben möchte", erklärte Schmitt den Gästen aus Mainz und Rüsselsheim, die interessiert zuschauten und sich die Erklärungen anhörten.

Jeden ersten Freitag im Monat von 14 bis 20 Uhr können Interessierte nun unangemeldet Bier für Zuhause abfüllen lassen. "Wir haben Holzfässer hier. Die kleinsten sind zehn Liter, damit man sie auch im Kühlschrank lagern kann, denn nicht jeder hat daheim noch einen Felsenkeller" erläuterte der Braumeister.

Selbst investiert

Er erzählte seinen Zuhörern, dass er beim Bau der Brauerei alte Bücher gefunden hatte, in denen Daten zu früheren Hausbraufassen aufgelistet waren: "Da musste selbst ich schmunzeln, denn drei Brüder und eine Schwester, die Augusten, hatten in einem Jahr von Januar bis März 1303 Liter Bier gefasst." Da waren sich alle einig, dass man früher mehr Bier getrunken haben muss.

Über eine Crowdfunding-Aktion wollte Schmitt das Geld für Fassreiniger, Fassfüller und Holzfässer zusammenbringen. Das hatte allerdings nicht geklappt, weshalb er selbst investierten musste.

Den ersten Gästen erzählte er, dass die Landwirte früher Getreide zum Brauen gaben, denn damit konnten sie sich Steuer für ihr Bier sparen. Das Bier wurde in Holzfässer gefüllt und in Felsenkellern gelagert. "Das mit der Steuerersparnis ist nicht mehr, aber es ist eine Gaudi, denn man hat sein eigenes Bier" sagte Schmitt.

Er erklärte, dass am Fass eine Spundschraube angebracht wird, mit der man den Druck und damit den Gärungsprozess und die Art des Bieres beeinflussen kann. Wenn zum Beispiel kein Druck im Fass ist, erhält man ein stilles Bier.

"Früher hat man gesagt, dass dreimal ein Gebet über das Bier gesprochen werden muss, dann könne man es trinken. Das bedeutete, dass es drei Sonntage, also drei Wochen lang, gelagert werden sollte", berichtete der Braumeister. Man könne es aber früher trinken, dann schmecke es eher süß. "Man kann experimentieren. Und wenn man es raus hat, kann man das eigene Bier auch in Bügelflaschen abfüllen", so Schmitt.

Die Männer sind begeistert

"Stimmt es, dass die Kohlensäure Geschmacksträger ist?", fragte Ralf Mentzer aus Mainz nach, was Schmitt bejahte. "Wenn man Genuss-Biertrinker ist, ist das eine wunderbare, klassische Variante, denn ich kann mein Bier so trinken wie ich will", freute sich Mentzer. Matthias Wolf aus Mainz-Bischofsheim hatte ein wenig Sorge wegen der Lagerung, aber Mike Schmitt konnte ihn trösten, da es auch die kleinen Fässer für den Kühlschrank gibt.

Peter Lux, ebenfalls aus Bischofsheim, freute sich über das ungespundete Bier und zeigte Mike Schmitt am Handy ein Bild vom Mainzer Spundkäse: "Das müsste doch gut harmonieren!" Sein Freund Jörg Wetzel aus Rüsselsheim ist begeistert von der Fränkischen Schweiz und den vielen kleinen Brauereien mit den unterschiedlichen, leckeren Biersorten. "Und jetzt lebt da wieder eine Tradition auf und man kann mit eigenem Bier experimentieren, das ist wirklich klasse", meinte er. Michael Belgartt, der aus Mainz stammt, aber in Freising lebt, nickte: "So was unterstützt die Regionalität."

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