Forchheim
Archäologie

Hat man in Forchheim die Pfalz gefunden?

Bald sind die Archäologen mit Graben fertig. Die Auswertung der Funde wird dauern. Trotzdem gab es Erstaunliches zu berichten.
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Schicht um Schicht haben sich die Archäologen der Bamberger Grabungsfirma ReVe unter dem Rathaus in Forchheim vorgearbeitet. In etwa einer Woche ist Schluss damit. Ab dann werden sie nur noch baubegleitend Ausschau nach weiteren Fundstücken halten. Was aber bis jetzt schon zu Tage gefördert wurde, kann sich durchaus sehen lassen.

Am Donnerstag präsentierte Claus Vetterling die bisherigen Funde zahlreichen Interessierten. Allzu viel Neues konnte er zwar nicht berichten, allerdings war der Einblick in den abwägenden Prozess archäologischer und historischer Forschung mehr als spannend.

"Jetzt ist es nur eine Momentaufnahme", sagte Vetterling. Der gesamte Grabungsbericht, der voraussichtlich an die 700 Seiten lang sein wird, ist allerdings erst in etwa einem halben Jahr zu erwarten. Dennoch gab Vetterling schon mal einen Einblick in die Hypothesen, an denen sein Team sich die Köpfe zerbricht.

Ist sie es, oder ist sie es nicht?

Haben die Grabenden unter dem Rathaus nun die Pfalz - einen von mehreren Regierungshöfen im Reich - gefunden oder nicht? Schwierig zu sagen, nicht mit letzter Sicherheit zu entscheiden, aber nicht unwahrscheinlich. So in etwa kann man den Vortrag Vetterlings dahingehend zusammenfassen.

Manches deutet aber durchaus darauf hin.

Dazu muss der Forscher die Verbindungslinien zwischen kleinsten Fundstücken, Mauer-, und Treppenresten aus dem Forchheimer Rathaus und überlieferten Handschriften sowie Vergleichen mit anderen Gebäuden aus der Zeit ziehen. Anhand einer Analyse der Balken, die mit der äußeren Umfassungsmauer verbunden waren, kann man die Entstehung dieser Gebäudeteile auf das Jahr 1402 datieren. Die meisten Fundstücke sind aber älter. Das Spannende ist nun, was innerhalb dieser Umfassungsmauer in der Zeit passiert ist, bevor diese gebaut wurde.

Nach und nach legten die Forscher in 25 Zentimeter hohen Schichten ein Kellergewölbe frei. Anfangs führte eine breite Steintreppe hinab. Etwa 100 Jahre später wurde daraus eine Wendeltreppe. Allerdings wurde der Keller mit dem Bau um 1402 verfüllt. Offen ist also die Frage, warum man eine Treppe zu einem verschütteten Keller gebaut hat. "Daran rätseln wir noch", sagt Claus Vetterling.

Spielzeug und Schreibgriffel

Das ist nicht das einzige Rätsel, vor dem die Archäologen stehen. Sie haben nämlich noch zwei Mauern freigelegt, die neben zwei großen Quadern eine Art Nische oder Durchgang schaffen, aber einfach irgendwann enden. Was hat es mit diesen auf sich?

Eine Theorie ist, dass es sich dabei um die Überreste einer Brücke handelt. Der vorgefundene Boden sei sehr feucht gewesen. Möglicherweise befand sich an dieser Stelle ein Tümpel oder Seitenarm der Wiesent.

Hinzu kommt, dass eine der Mauern gebogen ist, was herausragend für diese Zeit ist. Das weise auf einen Sakralbau oder einen Brunnen hin. Zu den architektonischen Besonderheiten des karolingischen und ottonischen Pfalzbaus gehören nun ebenfalls runde Mauern.

So schließt sich für Vetterling gleich die Frage an, was es außer Kirche und Pfalz noch sein könnte? Nicht viel, zumal sich die Hinweise weiter verdichten.

Denn es konnte ein Innenhof ausgemacht werden. Dieser Bereich muss seit frühester Zeit von den Gräbern im Umfeld abgeriegelt gewesen sein, denkt Vetterling laut nach. Diese Einfriedung könnte also ein besonderer Bereich gewesen sein.

Unter den Fundstücken befinden sich zudem vor allem Gegenstände, die auf eine gehobene Gesellschaft hindeuten. Schreibgriffel aus Silber waren nur für jene wenigen notwendig, die schreiben konnten.

"Die Wahrscheinlichkeit steigt, dass wir uns im Umfeld der Pfalz befinden", sagt Vetterling, aber auch: "Das ist jetzt ihnen überlassen, ob es die Pfalz ist, oder nicht." Bis die bisher 150 Kisten an Funden ausgewertet sind, wird es noch etwas dauern. Sicher aber ist, dass die Funde zurück an die Stadt gehen. Möglichst bald sollen sie den Forchheimern zugänglich gemacht werden.

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