Forchheim
Nahverkehr

Haltestellen im Forchheimer Landkreis ab 2022 barrierefrei

Die meisten Busse im Landkreis Forchheim sind es schon - bis zum Januar 2022 sollen auch sämtliche Haltestellen frei von Barrieren sein. Die Grünen und die SPD sehen Defizite bei der Planung des Busverkehrs.
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Die meisten Busse im Landkreis Forchheim sind es schon - bis zum Januar 2022 sollen auch sämtliche Haltestellen frei von Barrieren sein. Foto: Archiv/Josef Hofbauer
Die meisten Busse im Landkreis Forchheim sind es schon - bis zum Januar 2022 sollen auch sämtliche Haltestellen frei von Barrieren sein. Foto: Archiv/Josef Hofbauer
Wie sich der Busverkehr in der Region künftig gestaltet, darüber gibt der sogenannte Nahverkehrsplan Auskunft. Doch über die Aussagekraft dieses Planes klafften am Montag die Meinungen der Kreisräte (im Ausschuss für Bau- und Verkehrsangelegenheiten) weit auseinander.

Verkehrsplaner Jürgen Frercks vom Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) hatte darauf hingewiesen, dass der Plan des Landkreises zuletzt 2004 aktualisiert worden war. Sprich: Die zehn Jahre alten Zahlen über Pendler und Fahrgäste haben demnach kaum noch einen Wert.

Der Nahverkehrsplan soll beispielsweise definieren, "was den Fahrgästen zuzumuten ist", sagt Frercks. Welche Orte werden angefahren? Wie weit müssen die Fahrgäste zur Haltestelle gehen? In punkto "Bedienungshäufigkeit" gelte die Regel, dass Orte über 200 Einwohner angefahren werden müssen.
Daher, so der VGN-Verkehrsplaner, sind zusätzliche Orte wie Haid, Mittelrüsselbach und Dorfhaus mit in den Fahrplan aufgenommen worden.

Eine grundlegende Veränderung ist im aktuellen Nahverkehrsplan vorerst nur als Absichtserklärung formuliert: Bis zum Januar 2022 soll "vollständige Barriere-Freiheit" an den Haltestellen herrschen. Die Grüne Kreisrätin Lisa Badum weigerte sich, den aktualisierten Plan zu beschließen. Es gebe zu viele offene Themen, "an denen wir arbeiten müssen". Vor allem diese beiden Fragen wollte Badum geklärt wissen: "Wie kriegen wir die Busse voll?" und: "Wie können wir das Verhältnis Öffentlicher Nahverkehr und Individualverkehr umkehren?"

Auch Reinhold Otzelberger (SPD) vermisste ein paar harte Fakten im Nahverkehrsplan: Klimapolitisch sinnvoll planen könne der Landkreis erst dann, wenn er wisse, "wie die Nutzer unser Angebot sehen". Otzelberger forderte entsprechende "Untersuchungen, damit wir wissen, wohin unser Geld fließt".

"Umsetzung ist etwas anderes"

Klaus Hummel, beim Landkreis für den Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) und die Schülerbeförderung zuständig, verteilte noch in der Sitzung die aktuellen Fahrgastzahlen von 2012.

Und Frithjof Dier (Fachbereichsleiter für Kommunale und Soziale Aufgaben) stellte klar: "Ein Nahverkehrsplan ist eine Richtschnur und legt Ziele fest. Die Umsetzung ist etwas anderes." Auch wirtschaftliche Erkenntnisse seien nicht Teil dieses Planes. Edwin Dippacher (CSU-Fraktionssprecher) sah in dem Plan eine "Richtlinie für die Ausschreibung". Als solche verdiene der Plan Zustimmung. Doch auch Dippacher vermisste "Details": Die Verzahnung mit den Buslinien der Nachbarlandkreise sei nicht ausreichend gelöst; und auch das Thema Barriere-Freiheit nicht.

Wie diese Freiheit finanziert werden soll, das sei noch völlig ungeklärt, sagte Klaus Hummel gestern unserer Zeitung. Über 1000 Haltestellen gebe es im Landkreis Forchheim. Sie frei von Barrieren zu machen, bedeute beispielsweise, die "Geh- und Begrenzungsflächen mit Leitlinien auszustatten". Auch bräuchten die Bordsteine "genormte Höhen", damit die Übergänge in die Niederflurbusse funktionieren.

Für die Umrüstung der Haltestellen werde es Fördermittel geben, sagte Klaus Hummel. Doch zur Finanzierung habe sich die Staatsregierung noch nicht geäußert. Klar sei nur: Die Regierung stehe hinter der Umsetzung. Dass die Haltestellen bis 2022 barrierefrei sein sollen, sei durch das neue Personen-Beförderungsgesetz des Bundes vorgegeben.
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