Eggolsheim
Landwirtschaft

Gülle-Gegner in Eggolsheim schlägt Alarm

Während ein Landwirt aus Eggolsheim das Grundwasser in Gefahr sieht, halten der Bauernverband und das Amt für Landwirtschaft das Düngen für unproblematisch.
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Transporter auf den Feldern bei Eggolsheim haben Argwohn erregt: Hier werde Gülle aus den Niederlanden ausgebracht, mutmaßte ein Landwirt. Foto: Barbara Herbst
Transporter auf den Feldern bei Eggolsheim haben Argwohn erregt: Hier werde Gülle aus den Niederlanden ausgebracht, mutmaßte ein Landwirt. Foto: Barbara Herbst
Verärgert meldete sich ein Landwirt aus Eggolsheim bei unserer Zeitung: Die Felder in der Region seien ohnehin überdüngt. Und nun würden sie auch noch mit Gülle aus den Niederlanden überschüttet. Auslöser der Klage waren "nagelneue Tanklastzüge mit Bamberger Kennzeichen", die der Landwirt in Weigelshofen beobachtet hatte. Die Gülle werde vermutlich per Schiff über den Bamberger Hafen angeliefert und dann in der Region ausgebracht, so die Spekulation des Landwirtes.


Keine Gülle im Hafen

Dieter Heberlein, Geschäftsführer beim Bildungswerk des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), hält sowohl die Kritik am Düngen, als auch die Klage über die Gülle-Importe für unberechtigt. "Wenn ich mir Mineraldünger sparen könnte, würde ich auch Gülle aus den Niederlanden nehmen", sagt Heberlein. Gleichzeitig bezweifelt er jedoch, dass es diese Transporte wirklich gibt: "Ob das Sinn macht, die Gülle so weit zu transportieren? Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das jemand antut und dann müsste er auch noch das Schiff reinigen."
Das bestätigt Bayernhafen-Sprecherin Elke Wechsler. "Das habe ich noch nie gehört. Solche Transporte halte ich schon wegen der Geruchsbelästigung für ausgeschlossen." Nach Rücksprache mit dem Hafenmeister in Bamberg betont Wechsler: "Noch nie" sei in den letzten Jahren ein Schiff im Hafen registriert worden, das Gülle transportiert hätte.
Die viehstarken Regionen in den Niederlanden exportierten zwar Gülle, weiß Dieter Heberlein. Aber wohl direkt in die Nachbarregionen. Davon abgesehen: Das Düngen abzulehnen, ist aus Sicht des BBV-Geschäftsführers widersinnig: "Jeder Landwirt, der eine Förderung haben will, muss eine Düngebedarfsberechnung machen und dokumentieren, welchen Nährstoffbedarf er für welche Frucht benötigt."
Den verärgerten Landwirt aus Eggolsheim überzeugen solche Argumente nicht: "Bei uns liegt viel im Argen, was nicht verboten ist", sagt er. Die Nitrate, die über das Düngen in den Boden geschwemmt würden "sind ein wahnsinniger Kostenfaktor, weil das Wasser wieder gereinigt werden muss". Dem widerspricht Heberlein: Dank der Düngeverordnung sei das Thema "ganz strikt geregelt, es gibt keine Möglichkeit der Überdüngung". Und auch Waltraud Dümmler vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Bamberg widerspricht. Die neue Düngeverordnung (seit 2017) werde kontrolliert, sagt die Pflanzenbaufachberaterin: "Es läuft gut mit den Nährstoffbilanzen, die Landwirte sind diszipliniert und sensibilisiert im Umgang mit dem Stickstoff." 60 Kilo Gesamtstickstoff und 30 Kilo Ammonium-Stickstoff pro Hektar seien erlaubt.


Ross und Reiter nennen

Überprüft werden die oberfränkischen Äcker vom Fachzentrum Agrarökologie in Bad Staffelstein (eine Außenstelle des Landwirtschaftsamtes Coburg). Zum einen gebe es Zufallsstichproben, sagt Waltraud Dümmler. "Aber auch wenn jemand anruft und Ross und Reiter nennt", werde die Behörde tätig.
Was angebliche Gülle-Importe betrifft, weist die Pflanzenbaufachberaterin auf zweierlei hin. Erstens: "In der Region Eggolsheim gibt es definitive keine Gülle aus den Niederlanden"; die Landwirte seien wegen der hiesigen Biogasanlage gut versorgt. Zweitens: Die sogenannte "Verordnung zur Inverkehrbringen von Wirtschaftsdüngern" halte jede Gülle-Lieferung von A nach B fest. "Wer Gülle transportiert, muss per Lieferschein dokumentieren, was er mitführt. Das wird überprüft. Sowohl Anlieferer als auch Abnehmer sind registriert."
Den Argwohn des Landwirtes aus Eggolsheim kann Waltraud Dümmler dennoch nachvollziehen: "Die Gülle-Ausbringung in den riesigen, 30 Kubikmeter fassenden Zubringerfässern, das macht die Leute skeptisch, daher kommen dann auch die Mutmaßungen." Doch sei es mittlerweile üblich, die Gülle über große Lieferketten herbeischaffen zu lassen, weiß die Fachberaterin aus Bamberg. "Die Maschinenringe bieten diese Auslieferungen an."


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