Gräfenberg
Umwelt

Grün ohne Gift in Gräfenberg

Pestizide dürfen in der Stadt Gräfenberg nicht mehr verwendet werden. Auch die Einwohner und Landwirte sollen dafür sensibilisiert werden.
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Für die Pflege der kommunalen Flächen nimmt die Stadt schon seit Jahren keine Pestizide mehr. Bauhofmitarbeiter Erwin Schmidt (Foto) und seine Kollegen mähen sie und entfernen das Unkraut anders. Foto: Petra Malbrich
Für die Pflege der kommunalen Flächen nimmt die Stadt schon seit Jahren keine Pestizide mehr. Bauhofmitarbeiter Erwin Schmidt (Foto) und seine Kollegen mähen sie und entfernen das Unkraut anders. Foto: Petra Malbrich
Kein Gift mehr in der Stadt Gräfenberg. Das ist der Wunsch der Grünen und der SPD, die mit ihrem Antrag auf eine "pestizidfreie Stadt" eine Aktion des Bunds Naturschutz unterstützen möchten.

"Wir schaffen für die Nachwelt eine giftfreie Kommune. Ich finde es gut, wenn sich die Menschen Gedanken machen, ob sie das eine oder andere Unkraut nicht stehen lassen", begründet Elisabeth Meinhardt (SPD). So sollen künftig auf allen kommunalen Flächen keine Pflanzenschutzmittel mehr eingesetzt werden. Auch Dienstleister, die für die Stadt Flächen pflegen, und das eigene Kommunalunternehmen verpflichtet sich dann, auf Pestizide zu verzichten. Werden kommunale Flächen für eine landwirtschaftliche Nutzung neu verpachtet, darf ebenso kein Pflanzenschutzmittel verwendet werden. Dass die Gräfenberger über die Bedeutung der Biodiversität informiert werden und ihnen im Gegenzug Möglichkeiten des giftfreien Gärtnerns gezeigt werden, versteht sich von selbst.


Mit Augenmaß

"Auch wenn man nicht gleich einen Marienkäfer holt, muss nicht jede einzelne Blattlaus mit der chemischen Keule bespritzt werden. Es gibt andere Möglichkeiten", sagte Bürgermeister Hans-Jürgen Nekolla. Das zu erklären und zugleich die Bedeutung kleiner Blühflächen für die Bienen und Wildbienen zu zeigen, sei deshalb notwendig. "Wir müssen uns Gedanken über die Gifte machen", stimmte Werner Wolf (FW) zu, zweifelt aber an der Umsetzbarkeit. "Ein Landwirt wird sicher gewisse Pestizide verwenden", meinte Wolf. Ob man diesen Landwirten dann auch Entschädigung zahle, wie einem Pächter, der im Wasserschutzgebiet auf Dünger verzichten müsse, wollte Wolf auch geklärt haben, bevor es zu einem Schaufensterbeschluss werde.

Ähnlich sah es Hans Derbfuß (CSU). "Pestizid im Stadtgebiet auszubringen, ist ohnehin seit Jahren verboten", sagte Derbfuß. Zudem hätten die Mitarbeiter eine Sachkundeprüfung gemacht und würden Pestizide nur bei Problemfällen einsetzen. Konrad Hofmann (FW) wies noch auf die Wälder hin.


Ausnahmen

Wie wolle man dort verfahren, wollte er wissen und nannte den Borkenkäfer als Stichwort. "Da gibt es nur die Lösung, die Baume herauszuholen und zu spritzen", sagte Hofmann. Er forderte deshalb ein bewusstes Umgehen mit den Giften, doch "man ist irgendwann gezwungen, etwas einzusetzen".

Solche Ausnahmesituationen sollten geklärt werden. Ein Blick ins Internet sagte aber auch zum "Schlagwort Borkenkäfer im Landkreis Forchheim", dass es andere Möglichkeiten gibt. Das mechanische Abrinden, das durchaus maschinell funktioniere, nannte Antragsteller Matthias Striebich (Grüne) als Beispiel.

Dass es Ausnahmesituationen gebe, stimmte auch Heiko Kracker (GBL) zu. Aber: "Wir haben eine Vorbildfunktion für die Privatleute." Und wegen fehlender Pachteinnahmen, sollten die Flächen nicht mehr an den Landwirt gebracht werden, macht sich Striebich kaum Sorgen.

Wer einen Neuvertrag abschließe, müsse sich daran halten. "Ich kenne viele Imker, die sich freuen, eine Fläche für ihre Bienen pachten zu können", sagte Striebich.


Mechanisch aufrüsten

Bürgermeister Nekolla unterstrich, dass die Kommune ohnehin nur in seltenen Ausnahmen in geringem Maß Pestizide verwende. Dann müsse man eventuell Geräte anschaffen, um rationeller zu arbeiten.

Die Diskussion um die Ausnahmesituationen hingegen konnte er nicht nachvollziehen. "Das Freibad wurde geschlossen wegen des chemischen Zeugs, das wir wissentlich verspritzen und dafür auch noch Geld ausgeben!" Mit drei Gegenstimmen entschied der Stadtrat, dass Gräfenberg eine pestizidfreie Kommune wird.


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