Heroldsbach
Jahreskonzert

Großes Kino beim Heroldsbacher Musikverein

Die Heroldsbacher spielten über drei Stunden lang "Sounds of Cinema" vor vollem Haus. Am Ende hieß es Abschied nehmen von Bernhard Schleicher, der das Orchester in zwei Jahrzehnten zu dem gemacht hat, was es ist.
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Beim Jahreskonzert des Musikvereins Heroldsbachprivat
Beim Jahreskonzert des Musikvereins Heroldsbachprivat

Wenn ein Konzert lange vor seinem Termin ausverkauft ist, kann man davon ausgehen, dass es sich um ein besonderes Ereignis handelt. Und tatsächlich sprengte das Konzert des Heroldsbacher Musikvereins mit dem Titel "Sounds of Cinema" alle Dimensionen.

Kaum fasste die Bühne alle mitwirkenden Musiker. Die Vorstellung dauerte mehr als drei Stunden, die gebotene Qualität war überwältigend.

Nach der Begrüßung durch die Vereinsvorsitzende Diana Werner eröffnete das große Blasorchester unter Leitung von Bernhard Schleicher den Abend mit einem Hit der Filmmusik, nämlich der packenden Vertonung von Hans Zimmer zu "Fluch der Karibik 3". Einleitend erzählte ein kleiner Frauenchor die Vorgeschichte, dann hörte man Kettenrasseln - die Piraten sangen zu ihrer eigenen Hinrichtung, bevor das Blasorchester mit rasenden Triolen einsetzte und die Illusion von Angst und Schrecken vermittelte. Über dem tiefen Blech erhob sich ein klagendes Solo der Oboe (Jessica Ponner), bevor das Stück in einem rasanten Höllenritt endete.

Dramatische Geschichte

Das zweite Stück des Abends "The Man in the Iron Mask" hatte die dramatische Geschichte vom gefangenen Bruder des Sonnenkönigs Louis XIV. zum Thema. Die Musik enthält barocke Anspielungen wie etwa einen Menuett-Satz. In diversen Varianten eines verhältnismäßig schlichten musikalischen Motivs kamen die Klangfarben der verschiedenen Instrumentengruppen sehr schön zur Geltung. Im dritten Stück fühlte man sich als Zuhörer an die katastrophalen Umstände beim Untergang der "Titanic" im Jahr 1912 erinnert.

Anschließend kam der Nachwuchs zum Zuge. Das Juniororchester spielte drei Stücke in wesentlich kleinerer Besetzung, aber nicht minder engagiert, unter der Leitung von Hans-Jürgen Lorenz. Besonders gut kam der "River Kwai March" von Malcolm Arnold aus dem berühmten Film von 1957 an, bei dem das Publikum zum Mitpfeifen aufgefordert war. Mit dem gemeinsamen Stück aller drei Orchester "Don't stop believin'" von Steve Perry verabschiedete man das Publikum in die Pause.

Die "Kleinen" auf der Bühne

Danach durften die "Kleinen" auf die Bühne: Das Schülerorchester präsentierte unter der Leitung von Stefanie Gößwein drei mitreißende Stücke, den "Captain America March", "The Soldier and the Princess" sowie die eindringliche Melodie zu "Mission Impossible" mit dem auffälligen 5/4-Takt. Hier zeigte sich die hervorragende Nachwuchsarbeit des Vereins, die gute rhythmische Schulung, die gediegene Instrumentalausbildung.

Das Finale wurde vom großen Blasorchester bestritten: Heinz Briegel hat sechs unvergessene Tonfilmschlager aus den Jahren 1930 bis 1950 in einem wunderbar nostalgischen Medley "So schön wie heut'" zusammengeführt. Man schwelgte in Melodien wie "Liebling, mein Herz lässt dich grüßen" bis "Belami". Es folgten "Lilo und Stitch" mit Anklängen an Elvis Presley, die irisch anmutenden Klänge zu "How to train your Dragon" sowie von Phil Collins "Two Worlds", besser vorstellbar unter "Tarzan und Jane". Gerade beim letzten Stück bestach die tolle Percussion. Als Zugabe gab es - mit Originalbesetzung - den "Typewriter".

Verdienste gewürdigt

Hier hätte der Abend zu Ende gehen können, wenn der ergreifendste Teil nicht noch bevorgestanden hätte: Es hieß Abschied nehmen von Bernhard Schleicher, der das große Orchester in den zwei Jahrzehnten unter seiner Leitung zu dem gemacht hat, was es ist. In einer bewegenden Rede wurden seine Verdienste gewürdigt, seine Suche nach der Balance zwischen Disziplin, Qualität und Humor, sein Griff nach den Sternen, der zum Beispiel zum Deutschen Musikfest nach Osnabrück geführt hatte.

Mit einer Lichterprozession der Jüngsten, einem selbstverfassten Loblied und einem Blumenstrauß wurde Bernhard Schleicher, der mit seiner Frau im Kinosessel Platz genommen hatte, von den Musikern gebührend verabschiedet. Ein unvergesslicher Abend in cinemascopischer Überlänge.

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