Gößweinstein
Energieversorgung

Großes Interesse an Nahwärmenetz in Gößweinstein

Ein Biomasseheizkraftwerk könnte den gesamten Hauptort Gößweinstein mit Nahwärme versorgen. Kommune, Kirche und möglichst viele Privatleute müssten sich aber ans Netz anschließen.
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Sehr gut besucht war die Bürgerversammlung  zur Energiewende in Gößweinstein  im  Hotel "Stempferhof"    Foto: Thomas Weichert
Sehr gut besucht war die Bürgerversammlung zur Energiewende in Gößweinstein im Hotel "Stempferhof" Foto: Thomas Weichert
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Auf großes Interesse stieß die erste Bürgerversammlung zur Energiewende im Markt Gößweinstein im voll besetzten Saal des Tagungshotels "Stempferhof". Der Ingenieur und Architekt Alexander Schrammek von der Energieagentur Nordbayern stellte dabei das vom Markt Gößweinstein in Auftrag gegebene Energiekonzept für eine ökologisch und ökonomisch sinnvolle Nahwärmeversorgung durch ein Biomasseheizkraftwerk für den gesamten Hauptort der Marktgemeinde vor. Der Energieberater Dominik Bigge vom Landratsamt Forchheim sowie Christian Letalik vom Verein Centrales Agrar-, Rohstoff-, Marketing- und Energie-Netzwerk (Carmen) standen den Bürgern anschließend Rede und Antwort. Zwei Dinge standen am Ende des Abends fest: Zum einen steht man mit einer Nahwärmeversorgung in Gößweinstein noch ganz am Anfang, zum anderen kann noch niemand sagen, wie hoch die Kosten für jeden Hausbesitzer werden, der sich dazu entschließt, ans Netz anzuschließen. Für die Gemeinde Gößweinstein besteht jedoch schon jetzt dringender Handlungsbedarf, weil die bereits geplante Schulsport- und Veranstaltungshalle einmal beheizt werden muss. Und dafür kommt nur erneuerbare Energie in Frage. Bürgermeister Hanngörg Zimmermann (BMG) würde sich freuen, wenn sich möglichst viele Gößweinsteiner Privathausbesitzer, Gastronomen und Geschäftsleute an dem Projekt beteiligen. Denn je mehr sich beteiligen, desto günstiger wird es für den Einzelnen.

Viele müssen mitmachen

Ob dieses Großprojekt verwirklicht werden kann, hängt aber vor allem auch davon ab, dass der Markt und die Kirche alle ihre Gebäude daran anschließen. Zimmermann signalisierte zwar, dass die Gemeinde und die Kirche mitmachen wollen, legte sich aber noch nicht fest. "Wenn die Großen nicht mitmachen, wird es nichts, und wenn nur jeder Zehnte von Ihnen mitmacht, wird es auch nichts", brachte es Christian Letalik auf den Punkt. "Kommune und Kirche müssen mitmachen, damit es wirtschaftlich wird", betonte Letalik. Es geht dabei etwa um 300 Haushalte, die in Gößweinstein angeschlossen werden könnten. Schrammek zählte die Vorteile auf. Mit einem Nahwärmenetz werde auf einen heimischen Energieträger mit nachwachsenden Brennstoffen umgestiegen, die -neutral seien. Investitionskosten jedes Anschlussnehmers für einen neuen Heizkessel, einen Brenner und Tankanlagen fallen ebenso weg wie die jährlichen Wartungs- und Kaminkehrerkosten. Einen Tank- und Heizraum braucht man nicht mehr. Dies bedeutet Raumgewinn im Haus. Weiterhin sei die Wirtschaftlichkeit der Anlage durch den Wärmelieferungsvertrag kalkulierbarer als bei einer Ölheizung. Denn die Kapriolen wie beim Ölpreis werde es nicht geben. Hackschnitzel unterlägen nicht diesen Schwankungen wie Öl oder Gas und seien aktuell auch die günstigste Brennstoffart. Auch die Wertschöpfung für die Heizenergie bleibe vor Ort, weil Landwirte aus der Region die Hackschnitzel liefern, und die Energieeffizienz einer zentralen Anlage sei einfach weitaus höher. Eine bestehende Solaranlage könne außerdem in die Wärmeversorgung eingebunden werden und vorhandene Holz- und Pelletsöfen können ebenfalls weiter betrieben werden. Auch brauche man im Haus keinen Warmwasserspeicher mehr.

Fragebögen

Bigge sieht für ein Nahwärmeversorgungsnetz in Gößweinstein ein großes Potenzial. Zunächst müsse anhand von Fragebögen jedoch der Ist-Zustand ermittelt und geprüft werden, wie viele Interesse haben mitzumachen. Erst dann könne ein Energienutzungsplan für Gößweinstein erstellt werden, anhand dessen man sieht, ob ein Nahwärmenetz tragbar ist oder nicht. Erst dann gibt es auch konkrete Zahlen, was der Anschluss und was die Wärme kostet. Bigge geht davon aus, dass dies bei einer zweiten Bürgerversammlung zu diesem Thema Anfang nächsten Jahres bekannt sein wird.

Skepsis und Zustimmung

Es gab zwar einige skeptische Fragen, der Tenor der meisten anwesenden Bürger war jedoch pro Nahwärmenetz. Im Zeitraum vom 17. bis 20. und vom 23. bis 27. September werden nun Mitarbeiter der Energieagentur Nordbayern alle Haushalte in Gößweinstein aufsuchen, um mit den Hauseigentümern vor Ort weitere Fragen zu Thema Nahwärmeversorgung zu klären. In einem zweiten Schritt werden anhand dieser Datenerhebung dann die detaillierten finanziellen Rahmenbedingungen berechnet. Der Markt Gößweinstein will jedenfalls Vorbild in Sachen Energieeinsparung und Umweltschutz werden. Deshalb wird auch die komplette Straßenbeleuchtung auf die LED-Technik umgestellt. Laut Bürgermeister Zimmermann werden dadurch jährlich 170.000 Kilowattstunden Strom beziehungsweise 91,7 Tonnen eingespart.

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