Kirchehrenbach
Justiz

"Gretchenfrage" vor Gericht: Urteil im Imbiss-Brand-Prozess gefallen

Wer war der Brandstifter des Imbisses in Kirchehrenbach? Der ehemalige Inhaber oder doch der jüngere Mitarbeiter? Es gab viele Mutmaßungen und Indizien, doch bis zum Ende keine Klarheit...
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Nach dem Imbiss-Brand in Kirchehrenbach erfolgte im Landgericht Bamberg die Urteilsverkündung. Symbolfoto: Nicolas Armer/dpa
Nach dem Imbiss-Brand in Kirchehrenbach erfolgte im Landgericht Bamberg die Urteilsverkündung. Symbolfoto: Nicolas Armer/dpa

Am siebten Verhandlungstag wurde gestern am Landgericht Bamberg das Urteil im Fall des Imbiss-Brandes in Kirchehrenbach gefällt. Der 41-jährige Imbissinhaber und sein 19-jähriger Mitarbeiter beschuldigten sich weiterhin gegenseitig, den Brand in einer Novembernacht gelegt zu haben, um Versicherungsbetrug zu begehen. Da sich, wie bereits berichtet, zwei Gasflaschen in der Nähe des Feuers befanden, herrschte zudem Explosionsgefahr des Wohngebäudes.

Tod in Kauf genommen?

Mehr Glück als Verstand" sollen die Angeklagten laut Staatsanwalt André Libischer gehabt haben. "Es war ein blanker Zufall, dass es nicht zur Explosion kam." Die zwei Syrer, die direkt neben dem Imbiss wohnen, hätte sogar sterben können. Er glaubt, dass eine Explosion im geringen Umfang beabsichtigt war. Für ihn ist klar: Der Imbissinhaber habe auf "finanziellen Druck" hin die Tat begangen. "Er ist der Initiator." Der Jüngere soll beim Brand lediglich Beihilfe geleistet haben.

Mit dem Obersatz "Familie kann man sich nicht aussuchen" beginnt Verteidiger Maximilian Glabasnia das Plädoyer. Sein Mandant, der 19-Jährige, habe im Gegensatz zum Älteren kein nachvollziehbares Motiv gehabt. Er soll unter extremen Druck gestanden haben, da er die Familie nicht vergraulen wollte und habe deshalb aktiv nichts dagegen unternommen. Glabasnia plädiert auf Freispruch.

Ebenfalls auf Freispruch seines Mandanten plädiert Verteidiger Christian Barthelmes. Die Geldnot des 41-Jährigen sei ein "Pseudomotiv". Auch sei die Tat vom eigentlichen Plan des Inhabers abgewichen, wonach sich der Brand erst einen Tag später ereignen sollte, weil dann alle Angehörigen außer Haus gewesen wären. Der Jüngere habe die Tag einfach selbst vollzogen. Für seinen Mandanten spricht auch, dass der 19-Jährige am Telefon zu seiner Tante sagte: "Ich sollte schnell nach Mazedonien gehen. Ich bin geliefert."

Als Erwachsener verurteilt

Richter Markus Reznik verkündet das Urteil. Die Angeklagten sind beide der versuchten besonders schweren Brandstiftung und versuchten Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie gefährlichen Körperverletzung in zwei Fällen schuldig. Der ehemalige Inhaber wird noch des Betrugs beschuldigt und muss mit einer Gesamtfreiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten rechnen.

Der 19-Jährige ist wegen Beihilfe zum Betrug schuldig gesprochen und muss eine Freiheitsstrafe von vier Jahren verbüßen. Obwohl er zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt war, wurde er nach dem Erwachsenenstrafrecht verurteilt, da es sich laut Reznik um eine "hochkriminelle Geschichte" handelt. Zudem hatte der Angeklagte in Mazedonien einen festen Beruf und Heiratspläne.

Beide müssen die Verfahrenskosten tragen und der Nebenklägerin 574 Euro Schadensersatz und 800 Euro Schmerzensgeld zahlen.

In den Plädoyers sei viel gemutmaßt worden, so Reznik. Letztlich ist die Kammer von den übereinstimmenden Angaben der Angeklagten ausgegangen. "Es steht fest, dass es einen gemeinsamen Tatplan gab." Und es gab keine Anhaltspunkte, dass groß davon abgewichen wurde.

Viele Indizien, wie die Kleidung der Angeklagten in der Tatnacht, die Jobsuche des Inhabers oder DNA-Spuren seien nicht aussagekräftig gewesen. Maßgeblich sei das Verhalten des Inhabers gewesen, der sofort 50 000 Euro von der Versicherung forderte. Dass dieser zuvor wusste, dass er daraus keine Barzahlung erhält, glaubt Reznik nicht. Er glaubt auch nicht, dass sich die Täter dem Explosionsrisiko bewusst waren. "Die ganze Tatdurchführung war in sich nicht clever und war für die oder den Täter brandgefährlich."

Entscheidend war auch, dass der Angeklagte nachts darauf gewartet habe, dass ein Nachbar Alarm schlägt. "Da war bekannt, was ablaufen sollte." Es stehe aber auch fest, dass der Jüngere "Panik geschoben und das Weite suchen wollte".

Letztlich sei es die Gretchenfrage, wen man glaubt, sagt Reznik. Da der Tatplan gemeinschaftlich geschlossen wurde, "kommt es nicht mehr darauf an, wer der tatsächlich Handelnde war". Die Tat ist beiden anzurechnen.

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