Gräfenberg
Karneval

Gräfenberger Weiber nehmen Abschied vom Fasching

Nach 45 Jahren ist Schluss. Die Gräfenberger Weiber haben zum letzten Mal des Bürgermeisters Amtszimmer gestürmt.
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Mit dem Weiberfasching in Gräfenberg ist es demnächst vorbei. Foto: Petra Malbrich
Mit dem Weiberfasching in Gräfenberg ist es demnächst vorbei. Foto: Petra Malbrich
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Es hat sich "ausge-gräwei-t". Zum letzten Mal haben die lustigen Hausfrauen von Gräfenberg mit ihrem Schlachruf "Gräwei" das Verwaltungsgebäude gestürmt, zum letzten Mal haben sie Bürgermeister Hans-Jürgen Nekolla (SPD) die Krawatte abgeschnitten und zum letzten Mal die Schlüsselgewalt übernommen. Auf eines haben sie heuer verzichtet: dem Bürgermeister die Leviten zu lesen. Nach 45 Jahren nehmen die Gräfenberger Weiber Abschied. Den Grund nennen sie in ihrem gereimten Gedicht: "Jahr für Jahr zogen wir durch die Straßen, doch das Interesse war zum Schluss nur noch in Maßen." Während in anderen Orten die Straßen gefüllt sind, vermissen die Gräfenberger Weiber das Interesse. "An Weiberfasching sind die Straßen wie leer. Die Leute rennen davon, wenn sie uns sehen, als würden wir sie essen", sagt Rosemarie Heinisch, Ex-Stadträtin und Gräfenberger Weiberurgestein, die mit Bürgermeister Hans Nekolla begonnen und bei dessen Sohn Bürgermeister Hans-Jürgen Nekolla als lustige Hausfrau aufhört.

Leiterwagen als Feuerwehr

Angefangen hat das närrische Treiben am Weiberfasching vor 45 Jahren. Fünf Frauen hatten einen Leiterwagen als Feuerwehr mit einer Spritze dekoriert. So zogen sie durch die Gassen und ins Rathaus. Von Jahr zu Jahr schlossen sich mehr Frauen an. Dann entschieden die lustigen Hausfrauen, immer als Hexen aufzutreten. Immer war ein Wagen dabei, meist ein Traktor mit Anhänger, auf dem ein brisantes Thema hervorgehoben und damit die Gräfenberger Politik auf die Schippe genommen wurde: das Gräfenberger Freibad, Gräfenberg, der Pleitegeier, der Fünf-Seidla-Steig und natürlich die Bürgermeisterwahl. Die Gräfenberger Hausfrauen waren erfinderisch und all die Jahren brachten sie Tadel und manchmal auch Lob in Reimform dar. Ebenso vielfältig wie die Faschingsthemen waren die Kostüme der Hausfrauen. Mal machten sie als "Knastis" den Marktplatz unsicher, dann waren sie als Clowns unterwegs, stürmten als Schlotfeger des Bürgermeisters Amtszimmer, als Mülleimer, als Bauarbeiter, als Schulkinder, Schlümpfe, Badenixen, Mexikaner oder gar als geballte Flower-Power.

Gereimte Kritik

Die gereimte Kritik an der Gräfenberger Politik wurde im Amtsblatt gedruckt und auf Handzetteln verteilt. Das Interesse der Bürger daran war groß. Aber nicht mehr an den Weibern selbst, wenn sie über den Marktplatz zogen. "Viele der jungen Frauen haben Kinder und können nicht weg, andere müssen im Geschäft bleiben. Einige sagten dann bei der letzten Besprechung, dass sie definitiv aufhören", erklärt Heinisch. Es war dann der mehrheitliche Beschluss, den Weiberfasching nicht fortzuführen. Doch sang- und klanglos verschwinden wollten die Frauen dann nicht, sondern sich nach 45 Jahren Weiberfasching anständig verabschieden. Zum letzten Mal schmückten sie ihren Wagen und stürmten die Treppen zu Bürgermeister Nekollas Amtszimmer. Er bedauert das sehr, gibt auch zu, dass so manches Mal die Leviten gelesen werden mussten. "Aber ich habe mich auch über das Lob gefreut", sagt Nekolla, der einen Geschenkkorb mit selbst gemachten Waren erhielt. Die Vorschulkinder des Gräfenberger Kindergartens warteten bereits, denn auch sie sind immer mit von der Partie beim lustigen Rathaussturm. Auch die Kinder haben Faschingslieder einstudiert, führten diese mit viel Begeisterung und Liebe vor und schlossen sich der Polonaise an, mit einem dreifach donnernden "Gräwei, Gräwei, Gräwei!"

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