Gräfenberg
Zugverkehr

Gräfenbergbahn: Online-Petition geht durch die Decke

Um eine Generalsanierung der Gräfenbergbahn zu erreichen, wird an vielen Fronten gekämpft. Eine probeweise Online-Petition hat sich verselbstständigt.
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Zugausfälle auf der Gräfenbergbahn Screenshot: privat
Zugausfälle auf der Gräfenbergbahn Screenshot: privat
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Gabi Kiss ist nicht die einzige, der es mit der Gräfenbergbahn (Nürnberg-Nordost - Gräfenberg) reicht. Den inzwischen zur Normalität gewordenen "Wahnsinn", bis ihr Sohn die fünfte Klasse der Schule in Nürnberg erreicht, schilderte die Mutter aus Heroldsberg (Kreis Erlangen-Höchstadt) in einem mehrseitigen Schreiben mit vielen Beispielen. Diese persönlichen Erlebnisse sind Teil eines Beschwerdeschreibens, das sie an viele Stellen schickt. "Ich bin bis zum Vorstand der Bahn gegangen", sagt Kiss, die sich in den vergangenen Wochen intensiv über die Zuständigkeiten für Züge und Schienen informiert hat. Auf Facebook hat sie andere Betroffene ermutigt, ihrem Beispiel zu folgen. Das Schreiben, in dem die einzelnen Personen nur ihre eigenen Erfahrungen einsetzen müssen, und einen ganzen Berg voll Adressen können die Betroffenen von ihr erhalten.

50 Betroffene meldeten sich

"Etwa 50 Leute haben sich gemeldet", berichtet Kiss. Sie meint, dass es immer mehr werden, die an der gleichen Front kämpfen. Da ist auch der Gräfenberger Grünen-Stadtrat Matthias Striebich, der am 5. November, eine Online-Petition gestartet hat, die auf Facebook die Runde macht. " Ich hatte die Petition zuerst einmal nur versuchsweise online gestellt, weil ich das vorher auch noch nicht gemacht habe, und dann, weil es gerade gepasst hat, als Kommentar zu den aktuellen Verspätungen verlinkt. Jetzt hat sich das etwas verselbstständigt, weil es fast von selbst ständig mehr Unterschriften werden. Das Thema brennt gerade der ganzen Region auf den Nägeln", erzählt Striebich. Ein Blick auf die Online-Petition: Innerhalb der kurzen Zeit haben bereits 675 Leute diese Petition an den Bayerischen Landtag unterzeichnet. Die Zahl wächst ständig, der offizielle Start mit einem Pressetermin wird verschoben.

Elektrifizierung und Ausbau

"Generalsanierung, Elektrifizierung und Ausbau der Gräfenbergbahn" lautet die Überschrift der Petition. "Die Petition zielt auf Lösungsansätze ab, nicht nur aufs Lamentieren. Kurzfristig müssen die Mängel im Zuge einer Generalsanierung behoben werden und nicht immer wieder an einzelnen Symptomen herumgedoktert werden", fordert Matthias Striebich, "mittelfristig ist der Ausbau mit Elektrifizierung und Halbstundentakt notwendig." Durch die Elektrifizierung würde nicht nur Elektromobilität gefördert, sondern es seien durch die höhere Beschleunigung auch mehr Haltestellen und gleichzeitig kürzere Fahrtzeiten möglich. Von den 1960er Jahren an bis in die 90er Jahre hinein galt die Gräfenbergbahn als Stilllegungskandidat. Inzwischen ist der Erfolg der Gräfenbergbahn nach ihrer Wiederbelebung zählbar. "Über 5000 Fahrgäste fahren täglich mit. Busse sind keine Alternative, das sieht man am Schienenersatzverkehr, wo die Busse regelmäßig im Stau stehen und fast doppelt so lange brauchen wie der Zug", findet Stadtrat Striebich. Er fürchtet zugleich, dass die Bahn Fahrgäste verliert, weil die Menschen derzeit sehr genervt seien. Das kann Gabi Kiss bestätigen. Nicht nur, dass die Bahn nicht kurzfristig ausfällt, auch der Schienenersatzverkehr sei nur mangelhaft geregelt. Oft stünden die Kinder da, es komme weder Bus noch Zug. An anderen Tagen sei von fünf oder zehn Minuten Verspätung die Rede, aus der dann 40 Minuten würden. Oder die Busse, die als Schienenersatzverkehr unterwegs sind, seien überfüllt. Ein Fahrer habe einige Schüler aus dem Bus geschickt und sie am Straßenrand stehen lassen. Solche und andere Schilderungen der Betroffenen mehren sich, und dementsprechend auch der Unmut gegen die Bahn. "Wir Eltern fahren inzwischen prophylaktisch mit zum Bahnsteig", erklärt die Heroldsbergerin. Komme wieder kein Zug und kein Bus, würden einfach vier Schüler ins Auto gesteckt und in die Schule gefahren. "Wir kommen dann natürlich zu spät zur Arbeit", erklärt Kiss. "Die Bahn wird seit 15 Jahren kontinuierlich kaputtgespart", behauptet Kiss. Das sieht auch Matthias Striebich so, der darauf zählt, die 5000 für die erfolgreiche Petition benötigten Unterschriften zu erreichen. "Die Gräfenbergbahn ist das Rückgrat einer nachhaltigen Mobilität in der Region und nicht mehr wegzudenken", betont Striebich.

Der Zugverkehr rollt "uneingeschränkt"

Der Zugverkehr auf der Gräfenbergbahn rollt laut Pressemitteilung der Bayreuther/Forchheimer Bundestagsabgeordneten Anette Kramme (SPD) wieder uneingeschränkt. Rund vier Millionen Euro wurden demnach in den vergangenen zwölf Monaten in die Schieneninfrastruktur investiert, unter anderem in Brückenbauarbeiten und die Beseitigung von hitzebedingten Schäden.

Dies habe die Parlamentarische Staatssekretärin Anette Kramme vom Konzernbevollmächtigten der DB für den Freistaat Bayern, Klaus-Dieter Josel, erfahren. Neben einem laufenden Brückenneubau wird vor allem in die Hangsicherung investiert. Außerdem wurde die Leit- und Sicherungstechnik, insbesondere die Ansteuerung der Bahnübergänge, neu aufgesetzt.

Seither sei die Zahl der technischen Störungen, so Josel, deutlich zurückgegangen. Mittelfristig werde die DB bis ins Jahr 2020 in der Infrastruktur der Gräfenbergbahn weitere rund zehn Millionen Euro investieren, insbesondere für den Neubau/Ersatz zweier Bahnbrücken.



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