Gräfenberg
Stadtrat

Gräfenberg braucht zuviel Energie

Das Ziel, einzusparen, beschäftigt jetzt auch den Stadtrat. Er ließ sich das Energiekonzept der Südlichen Fränkischen Schweiz vorstellen.
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Das Biomasseheizkraftwerk in Gräfenberg: Über Möglichkeiten, den Energieverbrauch in der Stadt zu senken, beriet der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung.Petra Malbrich
Das Biomasseheizkraftwerk in Gräfenberg: Über Möglichkeiten, den Energieverbrauch in der Stadt zu senken, beriet der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung.Petra Malbrich

Energie und Klimaschutz sind die Schlagworte der vergangenen Monate. Als Bürgermeister Hans-Jürgen Nekolla (SPD) damit die Sondersitzung des Stadtrats einleitete, erinnerte er an die Zeit vor der Kommunalwahl. Schon damals hatten sich Stadt- und Gemeinderäte zusammengefunden, um Energieeinsparungen zu finden. Die Energieregion südliche fränkische Schweiz entstand dann mit den Mitgliedsgemeinden Gräfenberg, Hiltpoltstein, Weißenohe und Igensdorf.

Doch diese Treffen und die mit dem Klimaschutzmanager des Landratsamts reichten nicht aus, weshalb man beschloss, den Klimaschutz auf professionelle Füße zu stellen. Dazu wurde die Firma "Energievision Franken" mit ins Boot geholt. Deren Konzept stellte Ralf Deuerling vor. Eins vornweg: "Mit dem Energiekonzept sind wir nicht dort, wo wir hin wollen und müssen", meinte Nekolla. Er ist der Meinung, der Klimaschutz müsse von "unten" kommen, von jedem einzelnen Privatbürger, den Kommunen und Betrieben.

Weit über dem Zielwert

Wie die folgenden zwei Stunden zeigten, gibt es durchaus Einsparpotenzial. Zwei Tonnen pro Kopf gelten als verträglicher Wert. Im globalen Durchschnitt betrachtet liegt der Verbrauch derzeit bei 4,8 Tonnen pro Kopf. Eine Ausnahme ist Indien mit 1,9 Tonnen.

Doch wie sieht es bei den Mitgliedsgemeinden der Energieregion aus? Während Igensdorf mit 5,4 Tonnen relativ nahe am globalen Verbrauch liegt, sind Weißenohe mit 7,2 Tonnen und Gräfenberg mit 7,7 Tonnen weit drüber. Hiltpoltstein erreicht mit 8,3 Tonnen fast einen negativen Spitzenwert. Es besteht Handlungsbedarf und es gibt Möglichkeiten, das Ziel, zunächst den globalen Durchschnitt, zu erreichen.

Deuerling zeigte zunächst die Ist-Situation auf, unterteilte den Energieverbrauch in Strom, Wärme und Kraftstoffverbrauch. Gut dabei ist Gräfenberg bei der Stromerzeugung durch erneuerbare Energien, deren Anteil 87 Prozent beträgt. "Einen großen Anteil tragen die Photovoltaikanlagen, auch der Solarpark bei Guttenburg ist eingerechnet", sagt Deuerling. Dazu zwei Biogasanlagen und ein bisschen Windkraft. Bei Kasberg steht ein Windrad. Das Ziel für 2050 hat die Stadt Gräfenberg bereits erreicht. Auch was den Wärmebereich betrifft. Das Ziel der Regierung bis 2030 lautet 30 Prozent. Mit 28 Prozent ist Gräfenberg auch hier gut vertreten.

Aufholbedarf bei der Mobilität

Zumindest was den Strom betrifft, glaubt Matthias Striebich (Grüne), die Zahlen seien geschönt. Dann müsste jedes Haus auf dem Dach eine Anlage haben. So würde man den Ökostrom exportieren und "normalen" Strom kaufen.

Tatsächlich wurde von der Firma Energievision auch das bestehende Solarkataster angeschaut. Würden die Dächer mit Photovoltaik bestückt, könnte die Stromproduktion versechsfacht werden. Auch öffentliche Parkplätze könnten überdacht werden, zeigte Deuerling auf, wie andere Kommunen Flächen nutzen.

Großen Aufholbedarf hat die Stadt bei der Mobilität. Über 70 Prozent könnten durch die Verwendung von Elektromotoren gespart werden. "Es kommt jedoch drauf an, womit geladen wird. Mit Strom aus Kohlekraftwerken ist nichts gewonnen", erklärt Deuerling zur - Einsparung in diesem Sektor.

Lars Laufer (CSU) wollte wissen, ob bei dem Ergebnis der Einsparung bei Elektroautos auch der Herstellungsenergieverbrauch eingerechnet ist, was Deuerling bejahte. Betrachtet wurde dabei auch der Fuhrpark der Stadt. Die Fahrzeuge könnten durch Elektroautos ersetzt werden und vor allem der Bürgerbus. Natürlich müsste auch das Ladesäulenkonzept erweitert werden.

Matthias Striebich betrachtete es als Manko, dass die Förderung des öffentlichen Verkehrs außen vor blieb. "Wenn es so viele Elektroautos gibt, dass sie Kohlestrom benötigen, macht es keinen Sinn. Deshalb sollte man die Gräfenbergbahn berücksichtigen", betonte er.

Mehr Windräder möglich

Die Einsparung bei den Straßenlampen wird mit der Umstellung auf LED gerade angegangen. Bleiben die Nutzung von Holz und die Windkraft. In Gräfenberg wird bereits vier Mal mehr Holz benötigt, als Rohstoff nachwächst. Die bestehende Biogasanlagen sollen bleiben. Die Abwärme zu nutzen, wäre ein Ausbaupotenzial. Und was die Windenergie betrifft: Rein technisch betrachtet, könnten in Gräfenberg sechs Windräder, im gesamten Gebiet der Mitgliedsgemeinden der südlichen Energieregion insgesamt elf Windräder aufgestellt werden.

Faktisch ist es aber so, dass die Stadt eher befürchten müsse, dass die bestehende Anlage außer Betrieb genommen wird. "Die bestehende Anlage ist zu nah am Funkfeuer", sagt Deuerling. Und im Schutzradius der seismologischen Anlagen in Gräfenberg. Die Zusammenfassung des Energieberichts und Tipps, wie Energie in den unterschiedlichen Bereichen eingespart werden kann, sind in einer Broschüre nachzulesen, die an alle Haushalte verteilt wird.

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