Muggendorf
Spurensuche

Goethe und die falsche Unterschrift von Muggendorf

Enttäuschung in der Fränkischen Schweiz: Ein vermeintlicher Eintrag Johann Wolfgang von Goethes in einem Muggendorfer Gästebuch erweist sich als Fälschung. War der Dichterfürst aber dennoch in der Region unterwegs?
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War Johann Wolfgang von Goethe, jener Geheimrat aus Weimar und Deutschlands wahrscheinlich größter Dichter, jemals in der Fränkischen Schweiz? Die Frage ist auch im 264. Geburtsjahrs Goethes nicht zweifelsfrei zu beantworten. Sicher ist bislang nur, dass Goethe drei ausgedehnte Studienreisen ins Fichtelgebirge unternommen hat.

August Sieghardt ist wohl der bekannteste Reiseschriftsteller der Fränkischen Schweiz. In einem Aufsatz zum 100. Todestages des Goethes schrieb Sieghardt im Jahr 1932 unter anderem: "Um keine Illusionen aufkommen zu lassen, Altmeister Goethe (...) hat die Fränkische Schweiz nie gesehen."

Nicht viel später revidierte Sieghardt diese allerdings Aussage wieder. Nachzulesen ist die Kehrtwende in Sieghardts Goethe-Aufsatz im bekannten Fränkische Schweiz-Buch. Im August 1936 habe er, so schreibt Sieghardt, Post von Franz Paul Christoph von Seckendorf bekommen.
Darin habe Seckendorf versichert, dass Goethe mindestens zweimal in seinem Schloss in Unterleinleiter zu Gast gewesen war. Das könne er mit "einem Packen Briefe von Goethe" auch beweisen.

Leider fielen die Briefe einem Feuer zum Opfer, sodass der schriftliche Nachweis bis heute fehlt. Für Sieghardt, der in seinem Fränkische Schweiz-Buch nie Zweifel an der Richtigkeit von Seckendorfs Angaben hegte, war auch die Aussage des Erlangers Kunsthistorikers Herbert Paulus von Bedeutung.

1953 schrieb Paulus in einem Brief an Sieghardt lapidar: "Die Frage, ob Goethe im Schloss zu Unterleinleiter gewesen ist, muss ich bejahen." Paulus listete in dem Brief zahlreiche Beweise auf, die seine These stützen sollten. Schließlich teilte noch ein gewisser Hans Rhomberg Sieghardt mit, "dass er in den 80er Jahren (des 19. Jahrhunderts) in der Wirtschaft Seiller in Tüchersfeld den handschriftlichen Eintrag Goethes in einem Fremdenbuch gefunden habe".
Auch dieses Buch - es soll auch einen Eintrag von Reichskanzlers Bismarck enthalten haben - ist verschwunden.

Im gleichen Haus? Niemals!

Noch vorhanden ist dagegen der Gästebucheintrag Goethes im Fremdenbuch des Hotels Goldner Stern in Muggendorf.

Im vergangenen Jahr stand der Eintrag im Mittelpunkt einer Sonderausstellung des Fränkische-Schweiz-Museums zum Thema" 200. Jahrestag des Namens Fränkische Schweiz".

Zu sehen war der Eintrag Goethes und darunter, in etwas kleinerer Schrift, der Namenszug von Jean Paul. Ein Aufschrei ging damals durch die Fachwelt: Goethe und Jean Paul am gleichen Tag im gleichen Haus? Niemals!
Die das sagten, hatten recht. Der Gästebucheintrag schaffte es aber immerhin noch nach Frankfurt ins Goethehaus.

Derzeit ist dort der Eintrag bei der Ausstellung "Namenlose Empfindung" zu besichtigen. Die Ausstellung befasst sich mit dem Verhältnis zwischen Goethe und Jean Paul beschäftigt.
Dort in Frankfurt haben Fachleute Goethes Muggendorfer Eintrag genau unter die Lupe genommen. Das Ergebnis der Untersuchung ist niederschmetternd. Goethes "Unterschrift ist eindeutig gefälscht", heißt es dazu im Ausstellungskatalog.

Was die Unterschrift von Jean Paul anbetrifft, stehen die Dinge ein wenig besser: "Es könnte die Schrift von Jean Paul sein. Auch hätte er auf seiner Fahrt von Nürnberg nach Bayreuth am 7. September 1824 durchaus Gelegenheit gehabt, im Goldnen Stern Halt zu machen, schreiben die Experten im Katalog.
Dann wäre immerhin bewiesen, dass Jean Paul, der heuer seinen 250. Geburtstag feiert, tatsächlich in der Fränkischen Schweiz war. Nun kommt aber Johann Schrenk ins Spiel. Er behauptet 2005 in seinem Aufsatz "Goethes Reisen in Franken", dass der große Dichter 1788 auf der Rückreise von Italien nach Weimar in Forchheim Einkehr gehalten hat. Schrenk schreibt: "Am Morgen des 16. Juni verließ Goethe Nürnberg und kam nach Erlangen, wo sich Goethe nach Sophie von Egloffstein erkundigte."
Noch am Vormittag erreichte Goethe nach der Darstellung Schrenks mit seiner Gesellschaft Forchheim, "wo sie eine Brotzeit für 30 Kreuzer einnahmen". Ist er das also? Der hieb-und stichfeste Beweis, dass Goethe in der "Fränkischen" war? Man mag es glauben, wenngleich der schriftliche Nachweis auch hier nicht mitgeliefert wird. In den Anmerkungen bezieht sich Schrenk lediglich auf die "14. Seite der Reiserechnung von Christoph Kayser".
Gründe genug, der Fränkischen Schweiz einen Besuch abzustatten, hätte Goethe aber so oder so bestimmt gehabt. Neben Sophie und noch mehr Julie von Egloffstein kannte er auch den Kanzler Friedrich von Müller aus Kunreuth sehr gut.
Caroline von Aufseß überließ ihm zudem nachweislich für einige Monate ihren bequemen Lehnstuhl, als Goethe sich krank fühlte.
Der Duzfreund Goethes, Karl Ludwig Knebel, weilte 1797 einige Tage in der Fränkischen Schweiz und schwärmte Goethe im gleichen Jahr auf der Fahrt von Nürnberg nach Bamberg vor: "Was diese Gegend wirklich zu einem heiligen Aufenthalt macht, ist die Menge der kostbaren Höhlen und Grotten, die beinahe jede Felsengruppe jedes einzelnen Berges verschließt."
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