Hiltpoltstein
Obstbau

Kreis Forchheim: Glyphosat in Obstbauversuchsanlage - Rodung droht

In der Obstbauanlage des Landkreises Forchheim in Hiltpoltstein wird es einen Kahlschlag geben. Der Verpächter einer Teilfläche fordert wegen des Einsatzes des Pflanzenschutzmittels die Rückgabe seines Geländes.
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Ein Teil der Versuchsanlage mit Apfel- und Kirschbäumen Foto: Petra Malbrich
Ein Teil der Versuchsanlage mit Apfel- und Kirschbäumen Foto: Petra Malbrich
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In den nächsten Tagen wird in der Obstversuchsanlage in Hiltpoltstein die Säge angesetzt. Rund 150 Bäume müssen gerodet werden. Dem Landratsamt Forchheim wurde die Pacht für die 2,8 Hektar Fläche, die in zwei Bereiche geteilt ist, gekündigt.

Zu diesem Schritt sah sich Alois Stenglein gezwungen. Wenn es nach ihm geht, müssen auch die anderen 150 Bäume auf der zweiten Teilfläche gerodet werden. Die Kündigung hat er geschrieben, nachdem ihm mehrmals Gerüchte zu Ohren gekommen waren, dass auf seiner Fläche Spritzmittelversuchsreihen durchgeführt werden, auch mit Glyphosat.

Schädlingsbekämpfungsmittel

Dass in der Landwirtschaft zwischendurch kupferhaltige Mittel und auch Schädlingsbekämpfungsmittel verwendet werden, ist dem Hiltpoltsteiner Landwirt bekannt. Damit war er auch einverstanden, als er vor 45 Jahren die Fläche bis 2024 an den Landkreis verpachtet hatte. Doch ganze Versuchsreihen und auch noch mit Glyphosat, dafür ist Stenglein das Risiko zu groß. Er fordert, die Fläche so zu übergeben, wie er sie dem Landkreis überlassen hatte - als Ackerfläche.

"Wenn ich die Fläche nach Ende des Vertrags erneut verpachten möchte, würde vielleicht eine Bodenprobe verlangt werden", erklärt Stenglein. Oder er wäre in der Pflicht, die Fläche vor erneuter Verpachtung zu sanieren. Dazu müsste er finanziell in Vorleistung gehen. Das Beispiel eines Neuendettelsauer Landwirts ging ihm nicht mehr aus dem Kopf. Diesem Landwirt war Ähnliches passiert, mit Folgen bis zum finanziellen Ruin. Alois Stenglein wollte deshalb rechtzeitig die Reißleine ziehen und kündigte zum 1. September das Pachtverhältnis.

Bäume aus Südtirol

Das Landratsamt streitet die Versuche mit Pflanzenschutzmitteln, auch mit Glyphosat, nicht ab. Auf einer der Flächen stehen teils zehn Jahre alte Apfelbäume, die aus Südtirol stammen. Landrat Hermann Ulm (CSU) erklärt: "Auf dieser Fläche wurde stark reduzierter, normaler Pflanzenschutz mit zugelassenen Mitteln betrieben. Der Zustand des Bodens ist also unbedenklich. Diese Sorte aus Südtirol wurde dem Landkreis nur zu Beobachtungszwecken zur Verfügung gestellt und ist lizenziert; das bedeutet, die Bäume dürfen nicht weitergegeben oder vermehrt werden, somit müssen die lizenzierten Bäume aus Südtirol leider gerodet werden."

In der Obstversuchsanlage würden Überdachungsversuche, Sorten- und Unterlagenversuche mit Süßkirschen, Apfel- und Birnensorten durchgeführt sowie neue Sorten getestet. An der Optimierung des modernen Kirschenanbaus werde unter der Berücksichtigung der speziellen Klima- und Anbaubedingungen in der Fränkischen Schweiz gearbeitet. Diese wissenschaftlichen Versuche dienen als Grundlage, um die Obstbauern in der Region zu Sorten- und Unterlagenfragen für Extensiv- und Intensivanbau, zu Anbausystemen, Bodenpflege und Düngung sowie zum Pflanzenschutz und neuen Verarbeitungsmethoden zu beraten, lässt das Landratsamt verlauten.

Versuche für Alternativen

"In diesem Zusammenhang werden auf den landkreiseigenen Flächen auch Versuche mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln, zu denen auch Glyphosat im Moment noch zählt, durchgeführt. Zudem werden Versuche durchgeführt, um für die Obstbauern Alternativen für Glyphosat ab 2022 zu finden", erläutert Landrat Hermann Ulm.

Auf der anderen Teilfläche stehen alte Kirschbäume, und diese möchte das Landratsamt eigentlich nicht roden - Alois Stenglein schon. Vor 45 Jahren sind dort gut 50 alte Kirschsorten mit je drei Bäumen gepflanzt worden, um den Gen-Stamm zu erhalten.

"Die sehr alten Kirschbäume stellen ein Art Baummuseum dar. Die Fläche hat biotopähnlichen Charakter, seit Jahren wurde dort kein Pflanzenschutz verwendet", beteuert Landrat Hermann Ulm.

Doch genau das ist für Stenglein der feine Unterschied. "Es ist kein Biotop, und die derzeitige Bepflanzung wird nicht als Streuobstwiese anerkannt. Entsprechend sind hohe Unfallversicherungsbeiträge zu zahlen, auch wenn niemand die Bäume abernten würde", behauptet Stenglein,

Bäume "sind am Absterben"

Deshalb möchte er die Bäume nicht mehr auf der Wiese haben. "Die Bäume sind ohnehin am Ende. Man könnte noch einmal Reiser abnehmen, doch die Bäume sind fast am Absterben", sagt Stenglein. Die vielen Schnitte durch die Versuche hätten die Lebensdauer verkürzt, es hängen ohnehin nur noch wenige Früchte an den Ästen.

Wenn das Landratsamt nicht rodet, müsste er die Bäume fällen. Auch diese Kosten kann und will der Rentner nicht tragen, weshalb er die Fläche wieder als Acker- oder Wiesengrund zurück haben möchte. Landrat Ulm versprach, wegen der alten Bäume noch mit dem Hiltpoltsteiner Landwirt zu verhandeln. Bis jetzt habe sich, so Alois Stenglein, noch niemand gemeldet. Wie die Verhandlung ausgeht, wird sich an der Anzahl der gefällten Bäume zeigen.

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