Forchheim
Demonstration

Globaler Klimastreik in Forchheim: Hunderte Schüler und Erwachsene gehen auf die Straße

Auch in Forchheim demonstrierten am Freitag hunderte Teilnehmer für den Klimaschutz. Am Donnerstag veranstalteten die Organisatoren bereits eine Mahnwache.
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Vom Le-Perreux-Platz aus zog der Demonstrationszug mit etwa 300 Teilnehmern zum Paradeplatz.Sabine Weidinger
Vom Le-Perreux-Platz aus zog der Demonstrationszug mit etwa 300 Teilnehmern zum Paradeplatz.Sabine Weidinger
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Am Anfang stehen ganz grundlegende Fragen. "Wo stellen wir das Zelt eigentlich auf?" Etwa zehn Organisatoren der Forchheimer "Fridays for Future"-Gruppe (FFF) haben sich am Donnerstagabend auf dem Paradeplatz getroffen, um mit einer Mahnwache am Abend vor dem globalen Klimastreik auf diesen aufmerksam zu machen. Gemeinsam bieten sie dabei allen Interessierten die Möglichkeit, eigene Plakate für die Demo zu malen oder über den Klimawandel ins Gespräch zu kommen.

Den jungen Aktivisten ist es ernst. Denn wer will, kann zudem am Veranstaltungsort übernachten. Drei Zelte stehen am frühen Abend bereits auf dem Paradeplatz, um Wind und Temperaturen an die null Grad zu trotzen. "Die Mahnwache ist eigentlich als Reinfeieraktion geplant", erklärt Lena Kiermaier, eine der Organisatorinnen der FFF-Gruppe. Die 15-Jährige geht in die zehnte Klasse des Ehrenbürg-Gymnasiums (EGF). Seit Anfang des Jahres hat sie sich intensiv mit dem Thema Klimaschutz beschäftigt und ist der Forchheimer "Fridays for Future"-Gruppe beigetreten. Die Mahnwache am Donnerstagabend habe außerdem den Vorteil, dass sie nicht während der Schulzeit stattfinde, wie von vielen kritisiert, so Kierrmaier.

"Wir finden es wichtig, dass ein Gespräch zwischen uns und den Politikern entsteht", begründet sie ihr Engagement. Deshalb haben die Organisatoren bereits mehrere Podiumsdiskussionen mit Politikern organisiert, beispielsweise beim Etzerdla-Festival kürzlich auf Burg Feuerstein.

Sobald ein großer Pavillon aufgebaut ist, machen sich die Schwestern Sophia, Amelie und Linnea gleich daran, ein Plakat zu gestalten. Zu dritt bemalen die Schülerinnen ein großes Schild, auf dem eine hechelnde Erdkugel zu sehen ist. Obendrüber zu lesen, in roter Farbe: "I'm hot!" Mutter Claudia Borrmann ist auch mit dabei. Sie findet es gut, dass ihre Kinder und deren Generation gerade aktiv werden. Im Moment passiere in der Politik noch zu wenig für den Klimaschutz, ist sie der Meinung. "Ich hoffe, es kommt etwas an."

Vom Kultusministerium gab es Anweisungen

Steine in den Weg gelegt hatte den Schülern für die Demo am darauffolgenden Tag kurzfristig das Kultusministerium. Laut dem bayerischen Kultusminister Michael Piazolo hätten die jeweiligen Schulleiter zu gewährleisten, dass die Schulpflicht eingehalten wird. Karlheinz Schoofs, der Direktor des EGF, hat sich bereits in den Sommerferien mit den anstehenden Klimaaktivitäten seiner Schüler beschäftigt. Denn er ist sicher, dass die Bewegung auch in Zukunft weitergehen wird. Eigentlich wollte er es wie im vergangenen Jahr handhaben. Dabei konnten Eltern ihre Kinder einmalig vom Unterricht befreien. Wer sein Kind nun trotz Anweisung von oben trotzdem befreien lassen wolle, übernehme die volle Verantwortung, sagt er. "Ich werde sie nicht am Schultor aufhalten."

Der Schulleiter versuche deshalb, den Streikwillen der Schüler mit pädagogischen Maßnahmen zu verknüpfen. Mitte Oktober soll am EGF eine Woche der Gesundheit und der Nachhaltigkeit stattfinden, bei der sich die Schüler gezielt mit Fragen des Umweltschutzes auseinandersetzen sollen. Mit genau den Gedanken also, die die FFF-Aktivisten bereits nach außen tragen. Schoofs erwarte deshalb von denjenigen, die lieber zur Demo statt in den Unterricht gehen, sich in dieser Projektwoche stark zu engagieren. "Man muss mit den Schülern im Gespräch bleiben und eine Lösung finden", meint er.

Zahlreiche Demonstranten vor Ort

Trotz Anweisungen des Kultusministeriums kommen am Freitagvormittag um zwölf Uhr rund 300 Schüler und Eltern mit zahlreichen selbst gestalteten Plakaten zum Le-Perreux-Platz. Von dort aus zieht der Demonstrantenzug Richtung Paradeplatz. Vorher halten die Organisatoren sowie die Gruppe "Parents for Future" noch einige Ansprachen, in denen sie ihre Anliegen deutlich machen: "Wir fordern, dass in der Politik mehr Austausch mit Wissenschaftlern stattfindet", benennt Lena Kiermaier einen der Beweggründe. Es gehe vordergründig außerdem viel zu oft um die Frage, wie politische Entscheidungen die Wirtschaft fördern können.

Für viele Schüler, die sich trotz möglicher Konsequenzen für den Klimastreik am Freitag entschieden haben, dürfte wohl gelten, was der Zehntklässler Ben Schanda am Donnerstag während der Mahnwache äußert: "Uns wurde gesagt, wir müssen in der Schule alles nacharbeiten. Den Klimaschutz kann ich aber nicht nacharbeiten."

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