Forchheim

Gewalt auf Forchheimer Annafest: Bierkrug ins Gesicht geschlagen und Polizisten verletzt

Obwohl er weiß, dass er sich bei zuviel Alkoholkonsum nicht unter Kontrolle hat, hat ein 28-Jähriger auf dem Annafest 2018 erst einem Jugendlichen einen Bierkrug ins Gesicht geschlagen und danach weiter bei der Polizei randaliert.
Artikel drucken Artikel einbetten
Ein 28-Jähriger hat auf dem Annafest 2018 einen Jugendlichen mit einem Bierkrug in das Gesicht geschlagen. Foto: Josef Hofbauer/Archiv
Ein 28-Jähriger hat auf dem Annafest 2018 einen Jugendlichen mit einem Bierkrug in das Gesicht geschlagen. Foto: Josef Hofbauer/Archiv

"Stark alkoholisiert, uneinsichtig, aggressiv." So beschreibt ein Polizist den Angeklagten, der es auf dem Annafest 2018 heftig übertrieben hat. Weil dieser erst einem Jugendlichen mit einem Bierkrug einen Zahn abgebrochen und die Lippe blutig geschlagen hat und dann auch noch Polizisten verletzt und beleidigt hat, musste sich gestern der Angeklagte aus dem Landkreis Forchheim vor dem Amtsgericht verantworten.

Wegen seiner Vorstrafen und weil er die Tat noch unter Bewährung begangen hat, konnte der 28-Jährige auf kein mildes Urteil hoffen: Amtsrichterin Silke Schneider verurteilte den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten.

In der Zelle aufgewacht

Er selbst könne sich an "absolut nichts erinnern", sagt der heute 28-Jährige. Spontan sei er an jenem Tag mit einem Kumpel aufs Annafest gegangen. "Wir wollten uns einfach einen schönen Abend machen", sagt er. Auf dem Neder-Keller habe er ein paar Maß getrunken - "fünf, sechs oder sieben". "Dann war die Stimmung gut und es war alles cool. Auf einmal bin ich in der Ausnüchterungszelle aufgewacht", sagt der Angeklagte. Doch bis er dort landete, stellte er einigen Schaden an.

Das erste Opfer des Betrunkenen war ein heute 17-jähriger Jugendlicher aus Ebermannstadt. Der war zur gleichen Zeit auf dem Keller und hatte im Gedränge Bekannte entdeckt, zu denen er wollte, um sie zu begrüßen. Im Zeugenstand schildern zwei Bekannte des Opfers, dass der 17-Jährige den Angeklagten "ganz normal gefragt hat", ob er an ihm vorbei dürfe. Doch der Angeklagte wich nicht zur Seite. Der 17-Jährige habe dann noch einmal "deutlich" seine Bitte wiederholt. Und dann den Halbliter-Bierkrug ins Gesicht bekommen.

Die Folgen: Ein abgebrochener und ein angeknackster Schneidezahn. Die Platzwunde an der Lippe musste genäht werden. Was für alle Beteiligten auf den ersten Blick ersichtlich war: Der Angeklagte war "sehr betrunken". 2,03 Promille hatte er intus.

Faustschlag gegen Polizisten

Nach der Attacke hat der Sicherheitsdienst die Polizei alarmiert. Als ein Polizist den Ausweis des Angeklagten sehen wollte, versetzte dieser ihm einen Faustschlag gegen den Brustkorb, kurz bekam er keine Luft mehr. Zwei weitere Polizisten brachten den Randalierer dann zu Boden und fesselten ihn. Beim Polizeifahrzeuge beleidigte der Angeklagte die Polizisten mit unflätigen Beschimpfungen.

Auf dem Weg zur Polizeiinspektion Forchheim spuckte der 28-Jährige dann im Auto herum, weshalb die Polizisten ihm eine sogenannte Spuckhaube anlegten. Danach versuchte er noch, einer Polizistin einen Kopfstoß zu verpassen.

"Ein Zeitraum, in dem er sich aufgeführt hat wie sau", bringt es Staatsanwalt Ralph Zenger auf den Punkt. Verminderte Schuldfähigkeit infolge des Alkoholkonsums und das bereits gezahlte Schmerzensgeld an die Opfer sehe er nicht als Gründe, um das Urteil zu mildern. Er forderte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten. Ganz anders sah das der Verteidiger des Angeklagten. Er forderte ein Jahr und zehn Monate auf Bewährung.

Drei Einträge stehen im Strafregister des Angeklagten, besonders verhängnisvoll für ihn ist der letzte aus dem Jahr 2015: Damals ist er betrunken Auto gefahren und hat sich dann mit der Polizei angelegt. Drei Jahre auf Bewährung hat er dafür bekommen. "Es wurde ihm klar gemacht, dass das seine letzte Bewährung ist", betont Richterin Schneider.

Bereits Schmerzensgeld gezahlt

Doch diese Chance hat er nach seiner Randale auf dem Annafest vertan. Schneider verurteilte den 28-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten. Zugute sei dem Angeklagten gekommen, dass er sich bei seinen Opfern entschuldigt und bereits einen Täter-Opfer-Ausgleich geleistet hat. Dem 17-Jährigen hat er 4000 Euro Schmerzensgeld und die Anwaltskosten gezahlt, der Polizist, dem er gegen den Brustkorb geschlagen hat, hat 300 Euro Schmerzensgeld bekommen.

Beim "Brückla" hat der Angeklagte außerdem an einem Anti-Gewalt-Training teilgenommen. Ein Suchtberater habe ihm erklärt, dass er "Quartals-Trinker" sei. "Ich habe für mich eingesehen, dass Alkohol Gift für mich ist", sagt der Angeklagte. Doch diese Einsicht kommt für den 28-Jährigen nun zu spät.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren