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Umwelt

Getränkehändler im Kreis Forchheim erklären: Deshalb sind Glasflaschen besser

Plastik ist in Verruf: Immer mehr Verbraucher kaufen Glasflaschen, was vor allem Getränkegroßfachhandel wie Getränke Ziegler bestätigen. Auch andere Gründe spielen eine Rolle. Doch die Glasflaschen haben auch Nachteile.
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Thomas Bauer  und seine Ehefrau Ilona vom Gräfenberger Getränkemarkt Bauer liefern den Kunden die Glasflaschen nach Hause. Foto: Petra Malbrich
Thomas Bauer und seine Ehefrau Ilona vom Gräfenberger Getränkemarkt Bauer liefern den Kunden die Glasflaschen nach Hause. Foto: Petra Malbrich

"Diese Woche im Angebot: Mineralwasser in Glasflaschen" oder "Jetzt auch wieder in Glasflaschen". Diese Werbetitel sind auf vielen Prospekten zu sehen und machen vor allem eins deutlich: Der Kampf gegen Plastik wird ernst genommen, das Verhalten der Verbraucher gelenkt und deren Wunsch, wieder Glas als Verpackung zu verwenden, erfüllt.

Gefruchtet haben die zahlreichen Bilder und Berichte über Tiere, die Plastikmüll schlucken oder sich darin verheddern und qualvoll verenden. Dass sich das Kundenverhalten geändert hat, bemerken auch die Getränkemärkte im Landkreis. "Es gibt zwei feste Fronten, doch die Tendenz geht in Richtung Glasflaschen", meint Christian Kurz, der Filialleiter des Getränkemarktes Fränky in Forchheim.

Vorteil: Plastik ist leichter

Die Kunden, die Getränke in Plastikflaschen kaufen, tun es einfach der Vorteile wegen. Getränkekästen mit Plastikflaschen sind nun einmal leichter zu tragen. Kurz selbst trinkt aus Glasflaschen. "Es schmeckt einfach anders", sagt er.

Umgestellt haben auch Thomas Bauer und seine Familie vom gleichnamigen Getränkemarkt und Getränkelieferservice aus Gräfenberg. Da er täglich viele Kästen zu den Kunden auf ihr Grundstück oder an die Kellertreppe trägt, wollte er es zu Hause ein bisschen einfacher haben und hat für sich die leichteren Plastikkästen entschieden. Doch auch bei ihm waren die zahlreichen Bilder über die Plastikfluten ausschlaggebend dafür, auf Glas umzusteigen. "Selbst bei den Joghurts", sagt er.

Auch am Kundenverhalten bemerke er die Tendenz "weg vom Plastik, hin zum Glas". Immer häufiger werden die Getränke in Glasflaschen verlangt. Weil Bauer nach Hause liefert, konnte er Kunden dazugewinnen, die vorher des Gewichts wegen Plastikflaschen im Supermarkt kauften.

Das veränderte Kundenverhalten kann in Zahlen benannt werden. Einen Überblick dafür gibt Nordbayerns größter Getränkefachgroßhandel "Getränke Ziegler" in Ottensoos, Kreis Nürnberger Land. In einem Umkreis von einhundert Kilometer beliefert Getränke Ziegler ausschließlich im Mehrwegbereich - dazu gehören auch die PET-Mehrwegflaschen - Getränkemärkte im Nordbayerischen Raum.

Im Landkreis Forchheim beliefert der Großfachhandel Ziegler vor allem die Fränky und Markgrafen Getränkemärkte, die Edeka und Rewe Supermärkte. "Plastik ist in Verruf", sagt Klaus Endres, der Geschäftsführer des Großfachhandels Ziegler. Auch der Verband des deutschen Getränkefachgroßhandels bemerke, dass die Glasgebinde mehr in den Vordergrund gerückt sind.

Glas ist geschmacksneutral

Die Gründe dafür seien vielschichtig, meint Endres. Angefangen beim Negativimage der Plastikflaschen bis hin zur Tatsache, dass Glas einfach die beste Verpackung für Mineralwasser ist, da geschmacksneutral. Einen weiteren Grund sieht Endres in den neuen "Individualflaschen und -kisten".

Mineralbrunnenbetriebe bieten inzwischen neue, hochwertige Flaschen und Kisten an. Damit sind die Produkte optisch attraktiver geworden und werden vom Kunden gerne gekauft. Klaus Endres hat das erste Quartal 2019 mit dem des Vorjahres verglichen. "Der Absatz von Mineralwasser im Glas ist um 16 Prozent gestiegen", sagt Endres.

Auch die Regionalität spielt bei Mineralwasser eine große Rolle. "Verbraucher greifen gerne zu regionalen Produkten", erklärt er. Das spiegelt sich vor allem in den Fruchtsäften wider. Zwar sei auch bei Säften der Trend in Plastikflaschen und Tetra-Packs gegeben, auch wegen eines günstigeren Preises, und ein Absatzsatzrückgang von Glasgebinden zu verspüren, "allerdings sind die Säfte von Regionalen weiterhin stabil. Hier haben vor allem große Marken Absätze verloren und verkaufen ihren Saft nicht mehr in Glas-Mehrweg", erläutert Endres.

Bei Bier hingegen gibt es keine Frage: "Hier ist das Glas gelebt", meint Endres.

Dennoch hat auch die gute Nachricht, dass vor allem bei den Mineralwassern die Verbraucher auf Glas umstellen, eine Kehrseite. Diese betrifft den Transport. "Durch das höhere Gewicht können nicht so viele Paletten transportiert werden", sagt Endres. In Zahlen ausgedrückt wären das statt der üblichen 34 Paletten mit PET-Flaschen nur noch 30 Paletten mit Glasflaschen.

Höhere Frachtkosten

Je nach Kastenart oder Inhalt passen 36, 40, 45 oder 60 Kisten auf eine Palette. "Im Falle der individualisierten Kisten sind es 45 Kisten", weiß Endres. Der Frachtpreis wird auf die Kisten umgerechnet, was letztendlich zu einer Erhöhung der Kisten führen würde und zu mehr Fahrten.

Trotzdem bevorzugt Endres das Mineralwasser in der Glasflasche. Es schmeckt besser und Glas bleibt die beste Verpackung für Lebensmittel.

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