Leutenbach
Jahrestag

Georg Kanzler: Geistlicher von höchstem Ansehen

Am 14. Mai ist der 125. Geburtstag von Georg Kanzler. Er war als Pfarrer, Heimatkundler und Kulturpreisträger des Fränkische-Schweiz-Vereins sehr bekannt.
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Georg Kanzler sprach bei der Übergabe der Dietersberg-Ruine an die Bevölkerung im September 1973 das Schlussgebet und den Segen.Archiv
Georg Kanzler sprach bei der Übergabe der Dietersberg-Ruine an die Bevölkerung im September 1973 das Schlussgebet und den Segen.Archiv
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Georg Kanzler erfreute sich in Leutenbach und Umgebung größter Beliebtheit. Er war katholischer Priester und prägte 40 Jahre lang als Ortspfarrer von Leutenbach das gesellschaftliche und vor allem das kulturelle Leben mit.

"Wir verlieren in dem Verstorbenen einen Heimatfreund, der durch seine poetischen Werke seine fränkische Heimat und insbesondere die Gemeinde Leutenbach und sein geliebtes Moritzkirchlein einer besonderen Beachtung zugeführt hat", schrieb Max Schleifer in seinem Nachruf auf den prominenten Pfarrer.

Im feierlichen Requiem in der Leutenbacher Pfarrkirche anlässlich seines Todes lobte Dekan Joseph Pieger aus Ebermannstadt besonders den Priester und Seelsorger Georg Kanzler: Es sei nicht wichtig, was er als Geschichtsforscher geschaffen hat, obwohl man dafür dankbar sein müsse. Entscheidend sei, was er in über 40 Jahren als Kurat in Weingarts und Pfarrer in Leutenbach gesät hat.

Max Schleifer, der den beliebten Geistlichen gut kannte, erinnert sich weiter, dass Kanzler 1975 eine Operation sehr gut überstanden hätte, in den letzten Monaten aber doch vom nahenden Tod gezeichnet gewesen sei. Mit letzter Kraft hätte er seinen letzten Gottesdienst gefeiert, hätte auch sein letztes Werk als Schriftsteller abschließen können, das sich unter dem Titel "Geliebter Berg" zurzeit im Druck befindet.

Fritz Preis, 1975 Hauptvorsitzender des Fränkische-Schweiz- Vereins, hatte Mitstreiter gefunden, die bereit waren, das Werk von Kanzler zu vollenden. Der Verleger Karl Glock und der Zeichner Georg Hetzelein halfen mit, das Werk zu vollenden, erinnert sich Preis rückblickend. "Noch einmal bat er um einen Besuch", schrieb Preis und weiter: "Er wartete auf eine Mitteilung, ob das neue Buch den Freunden übergeben werden kann. Als ich ihm sagte, dass wir, die Freunde, das übernehmen würden, überstrahlte das vom Tod gezeichnete Gesicht ein letztes zufriedenes Lächeln." Kanzler starb am 27. September 1975 in Leutenbach.

Der Werdegang

Geboren wurde Georg Kanzler am 14. Mai 1894 als Sohn eines Bamberger Postassistenten. Nach der schulischen Ausbildung in Bamberg trat er 1914 in das erzbischöfliche Priesterseminar ein und wurde 1915 zum Militärdienst eingezogen. 1917 fand die Priesterweihe statt, 1922 erlangte er den Doktortitel der Theologie. 1923 war er Assistent am Priesterseminar, von 1930 bis '35 Kurat in Weingarts und schließlich ab 1936 Pfarrer der Gemeinde Leutenbach.

Viele Auszeichnungen

Eine ganze Reihe von Ehrungen bekam er im Laufe seiner Dienstjahre. Zu seinem 80. Geburtstag ist ihm das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen worden und am Moritzberg wurde eine Erinnerungstafel am Felsen angebracht. Der Fränkische-Schweiz-Verein verlieh ihm als erstem Träger schon im Jahr 1966 den Kulturpreis für sein schriftstellerisches Schaffen.

Kanzler war Ehrenmitglied des Leutenbacher Gesangvereins, der freiwilligen Feuerwehr, des Krieger- und Militärvereins, der Landwehr und des Sportvereins. Er ist Gründungsmitglied und Ehrenmitglied des Fränkische-Schweiz-Vereins (FSV), Ortsgruppe Leutenbach.

1985, anlässlich seines zehnten Todestages, wurde der Dr.- Kanzler-Wanderweg durch die FSV-Ortsgruppe Leutenbach eröffnet. Der Weg führt von der Dorfmitte nach St. Moritz, über Seidmar zum Schwarzholz und zurück. Viele Tafeln mit Gedichten aus dem Band "Stilles Tal" stehen am Wegrand und erinnern an ihn. Außerdem enthüllte die Pfarrei Leutenbach eine Gedenktafel an der Moritzkirche und ehrte damit zusätzlich ihren langjährigen und hoch geschätzten Pfarrherrn an seinem 90. Geburtstag. Auf der Tafel steht unter anderem Folgendes: "Als Seelsorger war er dem pilgernden Volk Gottes, als Dichter der geliebten Fränkischen Schweiz und ihren Menschen in Treue verbunden." Am 1. April 1993 widmete ihm der Gemeinderat Leutenbach im Vorgriff auf seinen 100. Geburtstag eine Straße, den Dr.-Kanzler-Weg in der Verlängerung der Raiffeisenstraße, hinauf in Richtung St. Moritz, zu seinem Lieblingsplatz.

Schriftenauswahl von Kanzler

"Der Burgkaplan" (1949). Die Erzählung spielt im 15. Jahrhundert. Ort der Handlung ist die Burg auf dem Burgstein, ferner St. Moritz, das Walberla und die umliegenden Ortschaften.

"Spätsommerleuchten" (1952). Die Novelle handelt vom Aufenthalt des Dichters Joseph Viktor von Scheffel in Gößweinstein. Dazu schlüpft Kanzler in die Rolle des bekannten Schriftstellers und beschreibt seine fiktiven Erlebnisse.

"Der wandernde Maler" (1972). Kanzler schildert den Besuch des Dresdner Malers Ludwig Richter in der Fränkischen Schweiz im Jahr 1837 aus der Sicht des Künstlers (mit originalen Illustrationen des Malers Richter).

"Geliebter Berg" (1976). August Graf von Platen besucht mit Studenten und Freunden den Berg der Franken. Kanzler beschreibt auch hier die Menschen und das Brauchtum wieder aus der Sicht des Reisenden selbst.

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