Gräfenberg
Eisenbahn

Geld für weitere Sanierung der Gräfenbergbahn fehlt

Der Gräfenberger Bahnhof war Treffpunkt für eine Zwischenbilanz zur Sanierung der Gräfenbergbahn. 20 Millionen Euro kostet die Sanierung eines Stellwerks. Das Geld fehlt.
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Treffen am Bahnhof in Gräfenberg Foto: Petra Malbrich
Treffen am Bahnhof in Gräfenberg Foto: Petra Malbrich
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Die Gräfenbergbahn hat Berühmtheit erlangt. Sogar eine eigene Website haben Bahnverantwortliche eingerichtet, nicht nur, weil sie ein für die Einwohner der an der Strecke liegenden Orte zu einem attraktiven Verkehrsmittel geworden ist, sondern auch aufgrund der vielen Störungen, die durch mangelnde und fehlende Infrastruktur entstanden sind. Über die Störungen und anstehende Maßnahmen wird auf der Internetseite regelmäßig informiert. Die Bahnüberführungen werden gerade erneuert. Das ist die dritte Maßnahme, die zu einem Fünf-Stufen-Plan der Sanierung gehört. Der Plan war auch Inhalt der Petition, die dem Landtag vorliegt. "Der allgemeine Protest hat zu dem Fünf-Stufen-Plan geführt, wovon 2,5 Stufen schon abgearbeitet wurden. Wir nehmen wohlwollend zur Kenntnis, dass die Sanierung nicht nur auf dem Papier stehen bleibt", sagte Gräfenbergs Bürgermeister Hans-Jürgen Nekolla (SPD) in Richtung der Verantwortlichen der Deutschen Bahn am Treffpunkt Gräfenberger Bahnhof.

Landtagsabgeordnete vor Ort

Dorthin hatte der Forchheimer Landtagsabgeordnete Sebastian Körber (FDP) eingeladen, um über den Fortschritt des Sanierungsplans, eine mögliche Elektrifizierung - der fünfte Punkt auf dem Plan - und deren Finanzierung zu sprechen. Neben dem Petent Matthias Striebich (Grünen-Stadtrat) waren auch die Bürgermeisterin Ille Dölle (FW) aus Eckental, die Landtagsabgeordneten Michael Hofmann (CSU/Forchheim), Tessa Ganserer (Grüne/Nürnberg-Nord), Alexandra Hiersemann (SPD/Erlangen) und Josef Schmid (CSU/München-Pasing) sowie die Grünen-Kreisrätin Barbara Poneleit, Christian Weber (FW) und der Gräfenberger Stadtrat Jürgen Theiler (GBL) vor Ort. Mit dem Schienenverkehr in Gräfenberg ging es 1886 los (Strecke Erlangen - Gräfenberg). Mit der Sekundärbahn ist seit 1908 die Schienenverbindung nach Nürnberg gegeben. Die Bahn stand kurz vor Schließung der Strecke, als eine Initiative in den späten 1990er Jahren Erfolg hatte und die Gräfenbergbahn revitalisiert wurde. 27 Millionen Euro standen für die Sanierung zur Verfügung. Vieles blieb unerledigt.

Stellwerk in Heroldsberg

"Die Versäumnisse der Komplettsanierung holen uns jetzt ein", meinte Nekolla. Vor allem das Stellwerk in Heroldsberg ist das große Problem. "20 Millionen Euro für die Erneuerung des Stellwerks sind nicht da", fasste Nekolla seine Informationen zusammen. In zwei Jahren soll dieses Bauwerk laut dem Fünf-Stufen-Plan saniert sein, in den nächsten acht bis zehn Jahren soll die Bahn elektrifiziert werden. An der Finanzierung der Sanierungen sind die Gemeinden (aus den Landkreisen Forchheim und Erlangen-Höchstadt sowie die Stadt Nürnberg) zu einem Drittel beteiligt. Das Stellwerk bereite massive Probleme, gibt Karl-Heinz Holzwart, Vertreter des Bahn-Konzerns DB, zu. Für die Finanzierung gebe es einen festen Weg, der gegangen werden müsse. Das könne auch zu Verzögerungen führen. Für die Finanzierung deuteten auch die Minister Hilfe an. So beschäftigte sich der Freistaat intensiv mit der Gräfenbergbahn, wie Stefan Schell, der Referatsleiter des Bauministeriums, betonte. Die Qualität der Linie sei nicht akzeptabel, was an der Infrastruktur liege. Dafür sei nicht der Freistaat zuständig, sondern die Deutsche Bahn. Der Staat erwarte, dass die Bahn einen attraktiven Zustand schaffe. Dennoch könnten Gelder gegeben werden. Allerdings habe der Staat dabei ganz Bayern im Blick. "Überall in Bayern ist eine Gräfenbergbahn", meinte Schell und verwies auf einen hohen Investitionsstau. Wie viel Geld in den Töpfen sei, würde sich erst 2020 zeigen. "Wir hoffen, dass wir Geld zur Verfügung stellen können", sagte Schell. Doch auch enorme Erhöhungen der Baukosten würden eine Gefahr in sich bergen, und andere Strecken seien dringender zu sanieren. "Es wird nicht den Riesentopf geben", meinte Schell. Ein weiteres Problem sei, dass ausführende Firmen fehlen. Diese Firmen fehlten ebenso den Gemeinden, machte Eckentals Bürgermeisterin Ille Dölle deutlich. Auch die Kommunen hätten Aufgaben zu lösen, müssten Kitaplätze schaffen, egal, ob die Kommunen über die finanziellen Mittel verfügen oder Firmen erreichbar seien.

Klimadebatte

Dölle malte jedoch ein anderes Bild: "In der Klimadebatte möchten viele Menschen einen funktionierenden Nahverkehr. Die Städte kollabieren und können keine Autos mehr aufnehmen", klagte Dölle. Die Gräfenbergbahn samt Finanzierung dem Betreiber zu überlassen, sei nicht das richtige Mittel. "Es wird sich irgendwann kein Betreiber mehr finden, weil die Infrastruktur nicht vorhanden ist", schimpfte der Landesabgeordnete Michael Hofmann (CSU). Auch die DB bekam Hiebe. Dass die Technik für das Stellwerk nicht mehr zur Verfügung stünde, wisse die Bahn sicher schon lange. "Hat die DB überhaupt Interesse, dass der Schülerverkehr betrieben wird?", fragte Hofmann. Er unterstrich Alexandra Hiersemanns Forderung, einen Zeitpunkt für die Stellwerksanierung zu nennen.

Schülerbeförderung

Dass sich die Bahn mit der Schülerersatzbeförderung nicht gerade mit Ruhm bekleckert habe, dem stimmte Holzwarth zu. Die Bahn möchte nun zuerst das volle Vertrauen der Kunden gewinnen. Mit der bundesweit einmaligen Internetseite für die Gräfenbergbahn sei ein Anfang getan. Die Arbeiten seien mit Rücksicht auf die Schülerbeförderung in den Ferien angegangen worden.

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