Mittelehrenbach
Tag der offenen Brennereien

Geistreiches und Süßes

13 Betriebe nahmen heuer an der Aktion teil.
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Hans Schmidt vom Biohof ist stolz auf seinen neuen Cidre Foto: Franz Galster
Hans Schmidt vom Biohof ist stolz auf seinen neuen Cidre Foto: Franz Galster
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Als Ernst Jürgen Dahlmann aus Mittelehrenbach als Vorsitzender des Tourismusvereins Rund ums Walberla einst den Tag der offenen Brennereien erfand, ahnte er vermutlich auch nicht, welch ein gewaltiger Selbstläufer dies werden würde. 13 Brennereien und drei Brauereien nahmen dieses Jahr wieder teil. Das Gebiet erstreckt sich zwischen Gosberg, Thuisbrunn und Pretzfeld.

Früh am Sonntagmorgen machen sich die Wanderer und sonstigen Besucher aus allen Richtungen auf den Weg. So wie Peter aus Forchheim mit seiner Gruppe, den wir früh schon auf dem Peterhof in Ortspitz treffen. Mit zwei Taxibussen haben sie sich hierher auf den höchsten geografischen Punkt der Wanderung fahren lassen. Man sitzt im sonnigen Hof bei bester Laune und genießt Geistreiches. Anschließend geht es bergab zu den übrigen offenen Höfen. "Sonst fingen wir unten an. So herum ist es bequemer", sagt Peter und hebt das Gläschen. Der Führerschein ist ja vernünftiger Weise nicht in Gefahr.

Schnäpse, Liköre und Küchla

Drinnen tummeln sich die Gäste an der langen Theke, testen Schnäpse und Liköre. Weiter unten in Mittelehrenbach gibt es fünf Brennereien, drei nehmen an der Aktion teil.

Gleich am Eingang der Brennerei Singer versammelt sich eine Gruppe junger Leute aus Erlangen. Sie sind mit dem Auto gekommen. "Es gibt ja auch Alkoholfreies", sagen sie. Offensichtlich ist der Fahrer sinnvoller Weise vorbestimmt. Daneben bieten drei junge Damen Leckeres an. Die fränkischen Küchla dürfen nicht fehlen.

Aus Coburg kommt Ulla, bereits zum siebten Mal. Die tolle Natur, das Wandern und in Verbindung mit attraktiven lokalen Produkte faszinieren sie. "Und ich habe hier nie jemanden gesehen, der betrunken war", sagt Ralph nebenan.

Stimmung und Wandern

Dies ist in der Tat eine Feststellung, die das Fest umso schöner macht. Die Stimmung steht ganz vorne dran und das Wandern von Station zu Station. Andreas kam mit neun Personen aus Thüringen angereist. Zuerst war er allein. Aber die Gruppe wächst. Seit 2006 macht er das. "Die Leute kommen und freuen sich einfach, lieben die Begegnung", sagt er voller Überzeugung und gibt zu erkennen, dass er sich gerade als Thüringer mit Akzent hier gut aufgenommen fühlt. Allein die "Rundreise" bei der Brennerei Singer mit den hochwertigen Produkten könne Stunden dauern. Auf der Hauptstraße warten aber auch noch weitere Höfe. So wie der Waldenhof, wo Traktoroldtimer schon die Kinder anlocken oder der Biohof Willibald Schmidt. Er offeriert neben dem reichhaltigen Angebot aus dem Obstbau auch einen neuen Cidre und einen neuen Schaumwein und ist natürlich sehr gespannt, wie diese angenommen werden.

Apfelsortenausstellung

Am Hofeingang wartet eine vielfältige Apfelsortenausstellung aus Kunden. Es gibt unter anderen Quitten und Birnen. "Fast alles, was man hier sieht, ist hier gewachsen", betont er den lokalen Charakter.

Ähnlich gelagert ist die Situation beim Feesenhof in Weingarts, dessen Schwerpunkt neben der Brennerei auf dem Obstbau liegt. Georg Beutner ist gerade dabei, an seiner Brennerei den Vorlauf vom Mittellauf zu trennen. Der Mittellauf ist das Herzstück des künftigen Produktes. Vor- und Nachlauf sind bestenfalls für die Industrie zur Verarbeitung geeignet. Der Feesenhof ist bereits gut besucht.

Beutner beobachtet, dass das Interesse der Besucher an diesem Tag sich mehr verlagert auf den gesellschaftlichen Teil, den Konsum, das Zusammensein. Aber auch das ist ja das Ziel.

"Die Krüge hoch", klingt es einem auch entgegen bei der Edelbrennerei Heilmann in Gosberg. Der Hof ist brechend voll.

Günstige Verkehrsanbindung

Die günstigen Verkehrsmöglichkeiten mit Bus und Bahn mögen dies zusätzlich unterstützen. Das fränkische Schäuferla hat hier schon Kultcharakter, die Besucher stehen Schlange an.

Selbstgemachtes Sauerkraut, Steaks und Bratwürste ergänzen die Verpflegung, sind besondere Stärken. Aber auch edler Geist ist im Angebot. "Das Wetter ist ideal, da sind wir sehr zufrieden, sagt Hans Heilmann. Aber der Stress ist auch immens, sagt er. Und man meint, es ihm anzusehen.

"Hallo guten Morgen Deutschland", klingt es von der Blaskapelle Blechhulza entgegen, die in Pretzfeld im Hof des Nikl-Bräu aufspielen. Vier Führungen mit je 20 Personen gibt es an diesem Tag. Brennerei und Brauerei stehen auf dem Programm. Bier aus dem Eichenholzfass gibt es hier künftig jeden Samstag als neue Attraktion. Gegenüber drängeln sich die Leute bei der Edelbrennerei Haas.

Die Reise kann noch weiter gehen. Das Fränkische Genießerland macht seinem Namen wieder einmal alle Ehre. Sein Ruf geht längst weit über die Bayerischen Grenzen hinaus.

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