Forchheim
Uhrenumstellung

Gedanken zur Zeitumstellung

Sommer-Zeit, Winter-Zeit: Eine Stunde wird uns an diesem Wochenende geschenkt. Das gibt uns Zeit, mit dem Kulturreferenten Dieter George ein paar Augenblicke über die Zeit nachzudenken.
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Dieter George nimmt sich Zeit in seinem Büro in Forchheim, über  die Zeit zu sprechen. Foto: Nikolas Pelke
Dieter George nimmt sich Zeit in seinem Büro in Forchheim, über die Zeit zu sprechen. Foto: Nikolas Pelke
Hektik ist seine Sache nicht. Trotzdem muss auch er manchmal auf die Uhr schauen. In seinem Büro im Rathaus hat Dieter George dann gleich drei Zeitmesser zur Auswahl. Der schnellste Weg ist der Blick auf sein Handgelenk.
"Diese Uhr hab ich zum 60. Geburtstag bekommen", erzählt George, öffnet den Verschluss des Lederbandes und legt seinen Chronometer vorsichtig auf seinen Schreibtisch. Wenn der Kulturreferent von Termin zu Termin eilen muss, erinnere ihn das Motiv an das Wesentliche. Gemach! Gemach! "Beim Blick auf das Ziffernblatt mit der 600 Jahre alten Kaiserpfalz relativiert sich die Hektik in Alltag und Beruf", erzählt George. Im Schatten der Jahrhunderte findet George seine Gelassenheit.

Der Zeiger Gottes


Blickt er durch die gusseisernen Fenstergitter aus seinem Büro hinauf zum Kirchturm von St. Martin, rückt der nächste Chronograph in sein Blickfeld. Es ist früher Nachmittag. Kurz vor drei. Und George wäre nicht George würde er jetzt nicht tiefer über die Zeit nachdenken. "Ja, wem die Stunde schlägt...", sagt er versonnen beim Blick auf die Zeiger der Zeit des Gotteshauses. George ist ein Mann der Kultur, der Kunst, der Oper. "Die Zeit ist ein sonderbares Ding", zitiert George nun den Monolog der Marschallin aus der berühmten Oper "Der Rosenkavalier" von Richard Strauss. "Wenn man so hinlebt, ist sie rein gar nichts.
Aber dann auf einmal, da spürt man nichts als sie: sie ist um uns herum, sie ist auch drinnen ... da rieselt sie ... Lautlos wie eine Sanduhr." Lautlos springt jetzt auch der große Zeiger von St. Martin auf die XII. Der kleine Zeiger zeigt auf die III.

Aber aus den Tiefen des Rathauses sind sieben Glockenschläge zu hören. George sitzt hinter seinem Schreibtisch und zählt: "Sieben Schläge. 15 Uhr." Sehen kann George die Rathaus-Uhr von seinem Büro nicht. Aber hören und verstehen tut er sie gut. Vier Schläge für die volle Stunde. Drei Schläge für die Zeit. Cogito ergo sum: 15 Uhr. Wohl nicht Schläge, aber vielleicht Hiebe hat George für ein anderes Zeit-Projekt bekommen: den Zeit-Brunnen am Bahnhofsplatz.

Zeit-Brunnen tickt nicht richtig


Offiziell wurde der Brunnen im März 2003 von Dieter George im Namen des Heimatvereins Forchheim der Stadt Forchheim übergeben. Die Wartenden sollte der Brunnen zum Nachdenken über die Zeit im Allgemeinen anregen. Aber nicht nur das. Dem Reisenden sollte der Brunnen auch die Tageszeit verraten. Der Künstler Harald Winter hat im Zusammenspiel von Wasser und Stein die Uhr geschaffen.

Zeit als Wasser im Fluss, der stetig den Stein höhlt. "Eine Metapher für die Ewigkeit", sagt George. Das mit der Ewigkeit war beim Zeit-Brunnen dann allerdings so eine Sache. Schon nach einem Jahr tickte die Brunnen-Uhr nicht mehr richtig. "Die Magnetventile sind immer ganz schnell verstopft", berichtet Klaus Bartosch vom Bauhof. Als Schuldigen hat er einen großen Laubbaum im Verdacht. Schon seit 2004 habe es immer kleinere Probleme mit dem Uhr-Brunnen gegeben. Denn wenn ein Ventil in der Ablaufsteuerung nicht funktioniere, breche das ganze Zeit-Brunnen-System zusammen. Die Zeit plätschert dann ziellos dahin und der Reisende steht ratlos da.

Die "Brunnen-Uhr" sollte nie mit der Präzision des sprichwörtlichen Schweizer Uhrwerks laufen. Die Kunst ist frei und funktioniert nicht sklavisch wie ein mechanisches Uhrwerk. Nur alle fünf Minuten schoss eine Wasserfontäne in dem Himmel, um im Duett mit zwölf Granit-Säulen die ungefähre Zeit anzuzeigen. Aber die Uhren ticken mittlerweile sowieso anders. Noch nicht am Samstagmorgen. Aber wenn Sie am Sonntag in ihr Brötchen beißen beherrscht sie uns wieder, die Winterzeit, mit ihrem dunklen Takt. Griechen-Gott Chronos hat um drei Uhr in der Nacht das Uhrwerk eine Stunde zurückgestellt. Das kann man verzeihen. Eine Stunde mehr Schlaf. Gut dem Dinge. Früher war die Winter die Normalzeit. "Laue Sommernächte gibt es erst, seit Kanzler Schmidt die Sommerzeit eingeführt hat" , erinnert sich George, der wie sein Zeit-Brunnen wohl nicht in kleinkarierten Sekunden denkt. Er hofft, dass der Zeit-Brunnen im Frühjahr den Reisenden wieder zum Nachdenken über die Zeit animiert. Vor dem nächsten Frost mottet der Bauhof das Kunstwerk aber erstmal ein.

Für George ist die Zeit nun reif ein spannenderes Thema anzuschlagen: Tristan und Isolde. Die Oper von Richard Wagner. Da spielt die Zeit keine und die Liebe die Rolle. Soll die Uhrzeit doch ticken wie sie will. Entscheidend ist der Augenblick.

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