Forchheim
Hürden

Gartenschau darf Minigolfer nicht ausgrenzen

Die Landesgartenschau zeigt blumige Aussichten für Forchheim, birgt aber auch Dornen. Der Planungsausschuss befürchtet Probleme wegen der Einzäunungen.
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Die Freizeitanlagen auf der Sportinsel, wie beispielsweise der Minigolfplatz, müssen auch während der Gartenschau für alle Bürger frei zugänglich sein, fordern die Stadträte. Symbolfoto: TZ Fränkische Schweiz, Trykowski
Die Freizeitanlagen auf der Sportinsel, wie beispielsweise der Minigolfplatz, müssen auch während der Gartenschau für alle Bürger frei zugänglich sein, fordern die Stadträte. Symbolfoto: TZ Fränkische Schweiz, Trykowski
Stell Dir vor, Du willst mit Deinem Hund auf der Sportinsel Gassi gehen, oder Minigolf spielen, und stehst vor einem Zaun der Gartenschau - oder Du willst von Burk oder Buckenhofen über die Brücke am Altwasser in die Stadt radeln und musst durch einen Kasseneingang. Diese Befürchtungen wurden im Planungsausschuss laut, als Landschaftsarchitekt Volker Röhrs vom Berliner Büro Geskes-Hack den Masterplan für die Bewerbung zur Landesgartenschau 2026 skizzierte.


Die Sorgen sind nicht unbegründet: Denn das geplante Areal für die grüne Schau zieht sich durch die ganze Stadt - vom Kellerwald, über die Wallanlagen bis zur Sportinsel. Der größte Teil davon würde für zahlende Besucher eingezäunt werden. Denn die Durchführung der Gartenschau soll durch die Einnahmen aus Eintrittgeldern von 600 000 erwarteten Besuchern kostendeckend erfolgen. Dies zumindest sind die Prognosen von Stadtbauamtsleiter Rene' Franz, der die Kostenkalkulation vorlegte.


Die Schatten der Schau

Die Aufwendungen für die Durchführung sind allerdings nur die eine Seite - auf der anderen Seite der Medaille stehen Investitionen in sogenannte Ingenieurbauwerke (z.B. barrierefreie Rampen,Überführungen usw.) und Kosten für die Herstellung der Freianlagen. Da schluckte Stadtrat Markus Schmidt (CSU)als er bilanzierte, was auf die Stadt zukommt:"Wir müssen mit rund 18 Millionen Euro in Vorleistung gehen und am Ende bleiben, trotz Fördermittel, doch noch zirka sechs Millionen an der Stadt hängen". Schmidt erinnerte auch an die Kosten die zu stemmen seien für die vielen anderen offenen Baustellen der Stadt - von der Rathaussanierung, über den Kolpinghaus-Umbau bis zu den Königsbad-Reparaturen und den Instandsetzungsarbeiten an den Schulen. "Sollten diese Hausaufgaben nicht gemacht sein, dann bin ich nicht für die Investitionen in eine Landesgartenschau". Auch sein Fraktionskollege Holger Lehnard erklärte, dass er "Bauchschmerzen" bekomme, wenn er an die Millionen denke, die durch die Stadt vorfinanziert werden müssten.


Der Glanz des grünen Events

Stadtbauamtsleiter Rene' Franz hingegen schwärmte von den Vorteilen, die eine Landesgartenschau mit sich bringe: Dafür habe man eine barrierefreie Innenstadt, eine sanierte Regnitzbrücke sowie eine Aufwertung der Sportinsel, der Wallanlagen und des Stadtparks. Und der Leiter der Touristinformation, Nico Cieslar, schilderte die Vorteile mit Blick auf die zu erwartende Steigerung des des Fremdenverkehrs. Eine Veranstaltung, wie die Landesgartenschau, trage enorm zur Erhöhung des Bekanntheitsgrades von Forchheim bei. Dadurch komme auch mehr Frequenz in die Innenstadt. Davon profitierten Gastronomie und Handel. Die Investitionen würden sich nachhaltig bezahlt machen, zeigte sich Cieslar überzeugt.
Der stellvertretende CSU-Fraktionsvorsitzende Holger Lehnard zeigte sich weniger euphorisch hinsichtlich aller prognostizierten Vorteile: "Das kann sein - oder auch nicht", gab er zu bedenken. Man wolle jedenfalls nicht geprügelt werden von der Geschäftswelt, wenn sich die Erwartungen hinterher nicht erfüllen sollten. Bezüglich der geplanten Einzäunungen des Gartenbaugeländes auf der Sportinsel erinnerte Lehnard an die dortige Skaterbahn und Minigolfanlage: "Durch das abgegrenzte Areal schließen wir die Bürger von der Benutzung dieser Freizeiteinrichtungen aus." Außerdem müsse der Radweg zur "lila Brücke" uneingeschränkt befahrbar bleiben, forderte der CSU-Stadtrat.


Durchlässigkeit erforderlich

Auch Manfred Hümmer von den Freien Wählern unterstrich, wie wichtig die Durchlässigkeit für die Bürger sei: "Schulen, Spielplätze, Läden und die Gastronomie müssen auf Durchgangs-Korridoren erreichbar sein." Auch Freizeiteinrichtungen - wie beispielsweise die Kneipp-Anlage, die Skaterbahn der Minigolfplatz oder die Bastionsgärten - müssten kostenfrei benutzbar bleiben. Hümmer kritisierte zudem die mit 60 000 bis 80 000 Euro angesetzten Bewirtschaftungskosten für das Gelände nach der Gartenschau. Grundsätzlich sprach sich der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler allerdings für eine Landesgartenschau in Forchheim aus. Dem schloss sich auch Sabine Dittrich von den Grünen an, die ebenfalls die Wichtigkeit der Durchlässigkeit hervorhob.
Oberbürgermeister Uwe Kirschstein erklärte mit Blick auf die Bastionsgärten, dass solche ehrenamtlichen Angebote nicht in Konkurrenz zur Gartenschau stünden sondern Teil der Veranstaltung wären.


Baumwipfel-Pfad überm Kellerwald?

CSU-Fraktionsvorsitzender Udo Schönfelder dämpfte euphorische Erwartungen mit dem Hinweis, dass die Chance auf einen Zuschlag für Forchheim, angesichts von Mitbewerbern wie Schweinfurt und Amberg, als eher gering einzustufen seien. Wenn die Gartenschau aber auf den Weg gebracht werde, dann primär für den Bürger und erst sekundär für den Tourismus. Auf keinen Fall dürften Spielplätze beeinträchtigt werden - indes sollte der Kellerwald intensiver eingebunden werden. Da gehen die Visionen des CSU-Fraktionsvorsitzenden hoch hinaus, bis hin zu einem Baumwipfel-Pfad oder einer Kellerberg-Seilbahn.
Um Anwohnern einen Ausgleich für Unannehmlichkeiten zu bieten, schlug Ludwig Preusch (FW)
vor, an diese Leute kostenlose Dauerkarten zu vergeben. Dem schloss sich auch Josua Flierl (CSU) an. Oberbürgermeister Uwe Kirschstein betonte, dass man in der Detailplanung diesbezüglich gefordert sei, Lösungen zu finden.
Als gute Nachricht bilanzierte Reinhold Otzelberger (SPD): "Der Kellerwald wird nicht eingezäunt." Man habe sich wegen des nachhaltigen Nutzens bewusst für eine innerstädtische Gartenschau ausgesprochen. Es gebe zwar gewisse Einschränkungen während der Bauzeit - dafür aber bekomme man eine nachhaltige Aufwertung der Flächen zur öffentlichen Freizeitnutzung. Was die Finanzierung betreffe, relativiere sich die Kostensumme durch die Verteilung auf verschiedene Haushalte. Am Ende sprach man sich einstimmig dafür aus, den Masterplan für die Gartenschau und die Bewerbungsunterlagen einzureichen - und war spätestens bis zum 29. Juni.


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