Geschwand
Bürgerversammlung

Funkmast bei Geschwand: Spagat zwischen Krebsrisiko und Unterversorgung

Gegen einen geplanten Funkmast der Telekom auf der Höhe zwischen Geschwand und Bärnfels regt sich erheblicher Widerstand der Bürger.
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Marcus de Ridder Foto: Franz Galster
Marcus de Ridder Foto: Franz Galster
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Nach einer Zusammenkunft auf Einladung der Initiative "Besorgte Bürger von Geschwand" vor einigen Tagen lud jetzt auch die Gemeinde Obertrubach zu einer außerordentlichen Bürgerversammlung in das Sportheim von Geschwand ein. Als Fachreferenten waren Karin Erhardt, zuständig für Funknetzausbau der Deutschen Telekom, und Marcus de Ridder vom Landesamt für Umwelt (LFU) vor Ort.

Mit einem Schreiben vom 9. April 2018 hatte die Telekom der Gemeinde ihre Absicht mitgeteilt, wie Bürgermeister Markus Grüner (CSU) berichtete. Am 14. Juni wurden 18 Gemeindebürger der Initiative im Rathaus vorstellig, nachdem sie von der Absicht erfahren hatten. Am 12. Juli lud die Initiative zu einer Aussprache mit Jörn Gutbier als Referenten. Er ist Vorstandsvorsitzender der Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation Diagnose-Funk und kommt aus Herrenberg bei Stuttgart.


Mangelnde Funkversorgung

Auch am Infoabend der politischen Gemeinde herrschte rege Beteiligung. Grüner stellte klar, dass der Turm nicht gebaut werde, wenn er nicht gewollt sei. Zunächst versuchte Karin Erhardt klarzumachen, warum ein Funkturm an dieser Stelle geplant ist. Es gebe seit Jahren regelmäßig Beschwerden wegen mangelnder Funkversorgung. Mit dem neuen Mast würden Bärnfels, Leimersberg und Kleingesee besser versorgt.

Die schwierigen topographischen Gegebenheiten und Zersiedelungen führten zur Einschränkung in der Versorgung. Ziel ist die Versorgung mit dem Standard "LTE 800". "Warum mehr, wir sind schon versorgt", warf ein Bürger ein. Bereits hier ließen die Reaktionen die überwiegende Ablehnung der Zuhörer erkennen.


Erhöhte Strahlung der Handys

Erhardt verwies im Gegenzug aber eher auf die Endgeräte, also Handys, die nahe am Körper sind. Ein schwacher Empfang erhöhe automatisch die Strahlung des Handys.

Umfangreich versuchte Marcus de Ridder das Thema Strahlung zu erläutern. Die Einhaltung der Grenzwerte sei durch das Standortbescheinigungsverfahren gesichert, meint er. Er erklärte die unterschiedliche Wirkung von nicht-ionisierender und ionisierender Strahlung.

"Was ist, wenn man ein ganzes Leben bestrahlt wird?", fragte ein Zuhörer. Er bemängelte, dass die Forschung elektromagnetischer Felder von Lobbys betrieben werde. De Ridder gab zu, dass in der Tat zu wenig Gelder des Staates zur Verfügung stünden.

Die Strahlung, das Krebsrisiko, ist die große Sorge der Bürger. "Ich werde nie sagen, es ist schädlich oder nicht. Ich kann die Unschädlichkeit nicht beweisen, aber wahrscheinlich ist es so", gab Ridder unumwunden zu. Dies brachte ihm glatt den Vorwurf ein, die Forschung erfolge auf dem Rücken der Menschen. Auch er sehe das Restrisiko eher bei Endgeräten. "Je geringer die Leistung vom Funkturm, desto mehr Leistung am Kopf", sagte er.


Handy mal abschalten

Freilich könne man den Gebrauch persönlich beeinflussen. "Handys kann man abschalten, den Funkturm nicht", war denn auch die Reaktion aus dem Publikum. "Man stirbt am Krebs und nicht am Funkturm", meinte ein Zuhörer.

Die Initiative "Besorgte Bürger von Geschwand" zeigte dann noch den Film "Mobilfunk, die verschwiegene Gefahr", der auf die Krebsgefahr einging. "Die physikalische Berechnung ist gut, die biologische ist eine ganz andere Frage", meinte dazu Stefan Rupprecht von der Initiative. Mit Grenzwerten könne man ganze Völker täuschen.

Zur Sprache brachte ein Zuhörer die "Naila-Studie", in der angeblich eine Steigerung der Krebsrate bis zu 300 Prozent in zehn Jahren festzustellen ist, die Langzeitwirkung eben. Hingewiesen wurde in der Diskussion auf die Gefahren der Handynutzung bei Kindern: je jünger, desto verhängnisvoller.

Weitere Vorwürfe gingen Richtung Unterdrückung von Informationen und Überwachung der Bürger. Ein Zuhörer wollte das alles nicht stehen lassen und sagte: "Dann gebt doch gleich alle eure Handy ab, die Telekom macht kein Geschäft mehr und das Thema hat sich erledigt."


Fragebogen entscheidend

Insgesamt verlief die Versammlung unter Betrachtung eines komplizierten Themas mit vielen Diskussionsbeiträgen und Sorgen sachlich ab. "Eine intakte Dorfgemeinschaft ist mir wichtiger als eine flächendeckende Handyversorgung", betonte Bürgermeister Markus Grüner. Im Herbst, eventuell gleichzeitig mit den Landtagswahlen, haben die Bürger der betroffenen Ortschaften mit einem Fragebogen das letzte Wort. Erst nach dieser Auswertung wird der Gemeinderat seinen Beschluss fassen. Die Deutsche Telekom sicherte der Gemeinde zu, keinen Funkmast gegen deren Willen zu errichten.
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