Forchheim
Wirtschaft

Für Seniorchefs ist das Loslassen nicht immer einfach

Warum älteren Unternehmern die Übergabe der Firma oft schwer fällt und wo sie in Forchheim Hilfe und Unterstützung finden.
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Reinhard Wolf, Matthias Keefer und Anastasia Buglov führen Beratungen im Landratsamt durch.Carmen Schwind
Reinhard Wolf, Matthias Keefer und Anastasia Buglov führen Beratungen im Landratsamt durch.Carmen Schwind

Es ist ein heikles Thema für manche Senioren: die Übergabe ihres Unternehmens an einen jüngeren Nachfolger. Denn oft handelt es sich hierbei um ihr Lebenswerk. Und die Firmenchefs fühlen sich häufig noch nicht zu alt, um an einen Jüngeren abzugeben.

"Da stecken viele Emotionen drin", meint auch Matthias Keefer, Leiter des Referats Wirtschaftsförderung und Existenzgründung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Oberfranken. Er rät, sich schon frühzeitig Gedanken über einen möglichen Nachfolger zu machen. "Üblicherweise schaut man erst in der Familie, ob es da jemanden gibt, der das machen kann oder will", erklärt Keefer. Es sei heutzutage nicht mehr so wie früher, dass derjenige, der übrig bleibt, das Unternehmen übernehmen muss.

Diskrete Plattformen

Finde sich niemand in der Familie, müsse sich der Unternehmer öffnen und bekannt machen, dass er einen Nachfolger sucht. "Da kann Gerede aufkommen. Und das kann sich negativ auf die Firma auswirken", weiß Keefer aus Erfahrung. Deshalb gebe es diskrete Plattformen, auf denen Unternehmer nach Nachfolger suchen können.

"Und umgekehrt können Junge hier suchen, die zwar einen Betrieb führen aber keinen gründen, sondern einen vorhandenen übernehmen wollen", ergänzt Reinhard Wolf, der Beratungen für die Aktivsenioren Bayern durchführt.

Eine dieser Plattformen ist der Nachfolger-Club der Industrie- und Handelskammer. Sowohl Übergeber als auch interessierte Übernehmer können sich an den Nachfolger-Club wenden und sich in einer vertraulichen Datenbank registrieren, auf die nur die Mitglieder Zugriff haben. "Da muss viel ausgefüllt und eine Vertraulichkeitserklärung unterzeichnet werden", erläutert Matthias Keefer. Reinhard Wolf hält das für eine gute Möglichkeit für junge Leute, denn eine Existenzgründung sei immer schwierig. Bei einem bestehenden Unternehmen dagegen kenne man den Markt, die Finanzlage und die Ressourcen.

Einmischen nicht sinnvoll

Er beschreibt auch, dass sich in den Fällen einer familiären Nachfolge, der Senior oft nicht aus den Geschäften heraushält. "Häufig können die Väter nach der Übergabe nicht loslassen", sagt auch Anastasia Buglov von der Wirtschaftsförderung am Landratsamt Forchheim. "Oder der Vater will eine zu hohe Rente", ergänzt Reinhard Wolf und erzählt von einem Fall, in dem sich der Junior das nicht leisten konnte, weil er kräftig in das Unternehmen investieren musste.

"Ja, das Loslassen ist das Wichtigste bei einer Unternehmensübergabe", sagt Matthias Keefer, denn der Nachfolger muss das Unternehmen so gestalten können, wie er das für richtig hält. Auch er kennt Fälle, da wollte der Junge mehr in Digitalisierung investieren und verstärkt soziale Medien nutzen, während der Vater nichts von diesen Neuerungen hielt. "Manchmal vergessen die Senioren auch, dass sie in jungen Jahren das Unternehmen ebenfalls vom Vater übernommen haben und dass es da auch Probleme gab. Das wird manchmal verklärt", gibt Keefer zu bedenken.

Das "Prince-Charles-Syndrom"

Reinhard Wolf erklärt seinen Kunden in den Beratungen, dass Junge einfach andere Ideen haben, die oft auch gut sind. Heutzutage müsse man andere Techniken und Vertriebskanäle nutzen, um bestehen zu können. Mit Matthias Keefer und Anastasia Buglov führt er regelmäßig Beratungen zur Unternehmensnachfolge und -sicherung im Landratsamt in Forchheim und Ebermannstadt durch.

"Man kann dem Senior ja anbieten, dass er im Hintergrund mitmachen darf. Aber das Sagen hat nach der Übergabe der Junior", sagt Reinhard Wolf und Matthias Keefer ergänzt: "Da spielt sich manchmal das Prinz-Charles-Syndrom ab. Der Senior fragt sich, kann der Junior das überhaupt."

Wichtig sei, dass man sich Beratung von Fachleuten hole. Das seien Steuerberater, aber auch die Profis der IHK, der Wirtschaftsförderung oder der Aktivsenioren. "Je besser man die Nachfolge vorbereitet, umso besser funktioniert sie dann", so Matthias Keefer.

IHK-Leitfaden zur Unternehmensnachfolge

Rechtzeitig überlegen, wer wann Nachfolger werden soll. Ein Unternehmensprofil erstellen mit Firmen- und Finanzdaten, Unternehmensstruktur, Investitionsbedarf und Informationen zur Übergabe.

Den Wert des Unternehmens ermitteln.

Eine Notfallmappe erstellen mit allen Vollmachten, Versicherungsunterlagen, Passwörtern, Verträgen und dem Testament.

Wenn kein Nachfolger vorhanden ist, Interessentensuche einleiten über eine entsprechende Plattform oder ein Unternehmensforum.

Steuerliche Optimierungen durchführen.

Sich um Altersversorgung und Vermögenssicherung kümmern.

Verhandlungen führen und Verträge gestalten.

Das Unternehmen übergeben.

Den jeweils aktuellen Termin für Beratungen zu Existenzgründung, Unternehmensnachfolge und -sicherung am Landratsamt Forchheim finden Interessierte online unter der Adresse

www.lra-fo.de. Vorherige Anmeldung erforderlich bei der Wirtschaftsförderung unter Telefon 09191/86-1021 oder per E-Mail an: Wifoe@Lra-Fo.de.

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