Effeltrich

Für den Effeltricher Heimo Ertl ein "Einbruch ins Leben"

Heimo Ertl (69) war Professor für Literaturwissenschaften an der Universität Erlangen und hat 23 Jahre lang die katholische Akademie Caritas-Pirckheimer-Haus (CPH) geleitet. In den letzten 15 Jahren hat sich der in Effeltrich lebende Ertl auch einen Namen als Bildhauer gemacht. Im Interview spricht er über die Ausstellung "Perspektivenwechsel - Ave Maria - Die Verkündigung an Maria in modernen Kunstwerken", für die er nicht nur die Bronzeskulptur "Schrecksekunde" geschaffen hat; auch der Katalog der Ausstellung trägt die Handschrift Ertls.
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Kuratorin Sabine Maria Hannesen, Domkapitular Norbert Jung und Professor Heimo Ertl (v. l.) vor einem Werk Ertls, das auch als Titelbild den Ausstellungskatalog ziert. Foto: Matthias Hoch
Kuratorin Sabine Maria Hannesen, Domkapitular Norbert Jung und Professor Heimo Ertl (v. l.) vor einem Werk Ertls, das auch als Titelbild den Ausstellungskatalog ziert. Foto: Matthias Hoch

Ihre Skulptur zeigt die Verkündigung des Erzengels an Maria. "Schrecksekunde", warum der Titel?

Ertl: Der Gedanke, wie es der jungen Frau ergangen sein muss, wurde oft harmonisierend verbrämt. Man muss sich das vorstellen: Maria war jung und verlobt und dann ist sie schwanger. Das bedeutete damals ein Todesurteil, solche Frauen wurden gesteinigt... Wie sag ich das Josef? - Diesen Schrecken will ich darstellen und nicht eine hold lächelnde Maria.


Warum ereignet sich die Verkündigung in einem Kasten?

Der Kasten drückt zum einen das Beängstigende aus, Maria mit dem Rücken zur Wand. Der Kasten ist aber auch ein Sinnbild für unser engstirniges Denken. Der Engel durchbricht den Rahmen des engen Denkens und der Logik. Der Engel bricht von oben durch.
Diese Szene bedeutet einen Einbruch ins Leben - und in der Weltgeschichte. Unsere Zeitrechnung hat ab diesem Punkt eine Wende erlebt, einen Neuanfang.


Sie haben auch den Katalog zur Ausstellung redigiert. Was war Ihnen dabei wichtig?

Ich wollte Leute gewinnen, die spannend und verständlich schreiben. Die Artikel zeigen eine unkonventionelle Sicht und sind spannend geschrieben. Dadurch werden die Botschaften auch für Normalbürger verständlich.


Gefällt Ihnen alles, was in der Ausstellung zu sehen ist?

Mir gefällt auch nicht alles, muss es auch nicht. Aber es ist wichtig, sich auf die modernen Kunstwerke und ihre Formensprache einzulassen. Um es mit Paul Klee zu sagen: Man sollte dem Bild die Chance geben, dass es einen anspricht. Es ist gut, sich an den Bildern zu reiben und ratlos zurückzubleiben.

Öffnungszeiten

Die Ausstellung "Perspektivenwechsel - Ave Maria - Die Verkündigung an Maria in modernen Kunstwerken" ist bis zum 28. Juli im Diözesanmuseum Bamberg, Domplatz 5, Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr zu sehen, Ostermontag und Pfingstmontag geöffnet,

Katalog

Heimo Ertl, Sabine Maria Hannesen und Norbert Jung (Hg.), Persektivenwechsel. Ave Maria - Die Verkündigung an Maria in modernen Kunstwerken", Katalaog zur Sonderausstellung (= Band 24 der Veröffentlichungen des Diözesanmuseums), Bamberg 2013, Der Ausstellungskatalog (15 Euro) ist an der Museumskasse erhältlich.

Vortrag

Die Verkündigungsdarstellung im Lukas-Evangelium hat die späteren Marienbilder am nachhaltigsten geprägt. Seine bemerkenswerte Erzähltechnik hat dem Evangelisten den Beinamen "Marienmaler" eingebracht. Über das Thema "Selbstbewusst und kraftvoll - Maria in der Verkündigungsdarstellung bei Lukas" referiert Sabine Bieberstein, Studium der Kath. Theologie in Tübingen und Wien, am Dienstag, 9. April, um 19.30 Uhr im Dom pfarrheim (Domstraße) in Bamberg. Sie ist Professorin für Neues Testament und biblische Didaktik an der Kath. Universität Eichstätt-Ingolstadt.



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