Gößweinstein
Winter

Frühling in Gößweinstein

Der Frühling ist da, sagen die Meteorologen. Konrad Schrüfer hört lieber darauf, was seine Pflanzen ihm zuflüstern. Im Gewächshaus in Gößweinstein ist der Winter schon vorbei.
Artikel drucken Artikel einbetten
Konrad Schrüfer, Gärtner aus Gößweinstein, hat den Frühling in seinem Gewächshaus schon ständig vor der Nase. Fotos: Nikolas Pelke
Konrad Schrüfer, Gärtner aus Gößweinstein, hat den Frühling in seinem Gewächshaus schon ständig vor der Nase. Fotos: Nikolas Pelke
+7 Bilder
Rosig sind die Aussichten nicht. Trüb und größtenteils wolkig, sagt der Wetterbericht für heute voraus. Dabei beginnt heute eigentlich der Frühling, sagen zumindest die Meteorologen.



Im Glashaus von Konrad Schrüfer blühen trotzdem schon die ersten Blumen. Kinderspiel. In dem Gewächshaus in Gößweinstein haben es die Primeln mit sechs Grad auch schön warm. Naja, zumindest wärmer als die Zwiebeln unter dem Schnee draußen vor der Tür. "Heuer hat es bislang einfach zu wenig Licht gegeben", sagt Konrad Schrüfer und nimmt ein rotes Blümchen aus dem Meer aus Blumentöpfen heraus.
"Die fühlt sich momentan schon wohler", sagt der 56-Jährige und streichelt sanft das zarte Pflänzchen. "Man spürt, jetzt kommt der Frühling bald."

Vor der Tür ist vom Frühling noch nichts zu sehen. Schnee so weit das Auge reicht.
Ganz anders die Welt hinter den verglasten Scheiben. "Wenn man da so reinschaut, wie das alles schon so schön blüht, denkt man: Mensch Maier! Ist das schön, wenn es wieder rauswärts geht", erzählt der Gärtner aus Gößweinstein weiter, während eine junge Kundin mit blonder Mähne durch die Glastür wirbelt, mit Kennerblick bunte Frühlingsboten schnappt, einpackt, bezahlt und schneller als eine Primel wachsen kann, wieder hinauswirbelt. Die Pflanze und der Mensch sind beides Lebewesen. Und alles was lebt, braucht einfach Sonne, um gut drauf zu sein.

Der Frühling ist eine Gefühlssache
Vom offiziellen Frühlingsanfang will der Gärtner nichts wissen. "Der Frühling spielt sich einfach im Menschen selber ab." Kalender quasi uninteressant. Pusteblume nichts dagegen.
Wenn draußen schönes Wetter ist und die Sonne scheint: Dann sei beim Menschen einfach Frühling angesagt. Den Pflanzen, die er mitten in der Fränkischen Schweiz auf 4000 Quadratmetern unter dem Glasdach eigenhändig hochzieht, gehe es da nicht anders.

Gegen Läuse kommt der australische Marienkäfer zum Einsatz. "Bio" sind die roten und weißen Bellies aus Gößweinstein trotzdem nicht. Weil manchmal hilft auch kein Käfer mehr. Sprich manchmal muss gespritzt werden. "Aber die Blumen brauchen nicht herumgefahren werden. Der Kunde kommt direkt zu mir ins Gewächshaus oder zu meiner Frau Maria in den Laden direkt in Gößweinstein. Wir vermarkten alles selbst."
Den Pflanzen aus Gößweinstein geht es übrigens auch besser, als denen, die über die Autobahn aus dem Norden zu uns kutschiert werden. "Wir kultivieren unsere Pflanzen ungefähr ein Drittel länger, als Blumen aus Holland. Dadurch wird die Pflanze kräftiger und robuster."

Der Preiskampf macht dem Gärtner trotzdem zu schaffen. "Die Baumärkte und Gartencenter sind nicht das Problem." Die Discounter würden nicht nur die Preise kaputt machen.
Die Schönheit, die Liebe und das Gefühl würden eben auch auf der Strecke bleiben, wenn nur noch billig Trumpf ist. "Die Jungen kennen doch heute keinen Bäcker und keinen Metzger mehr, sondern nur noch den Supermarkt." Den Kopf in den Sand stecken will Schrüfer deshalb nicht. Der Gärtner setzt auf die Region und das Miteinander.

Besser ohne Ölscheichs
"Wir brauchen von den Ölscheichs kein Öl mehr zu kaufen." Das Gewächshaus wird seit drei Jahren mit fränkischem Holz beheizt. So bleibt das Geld in der Region. "Das ist ein gesunder Kreislauf. Man kommt sich auch menschlich wieder näher." Das sei ein bisschen so wie früher, wo der eine den anderen gebraucht habe.
Primeln, Vergissmeinnicht, Narzissen, Osterglocken, Hyazinthen - die Auswahl an Frühlingsblühern ist groß. Wenn an einem Haus ein paar Blümchen dran sind. Das wirke dann gleich ganz anders. Einladend und fröhlich eben. "Wo Blumen einen am Haus begrüßen, weiß man, da leben glückliche Menschen drinnen", findet zumindest der Gärtner aus Gößweinstein.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren