Forchheim
Grabpflege

Friedhofsgärtner für private Gräber im Kreis Forchheim - neues Geschäftsmodell?

Friedhofsgärtner, die sich um private Gräber kümmern, gibt es im Landkreis Forchheim nicht. Das könnte eine Marktlücke sein.
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Gerda  Schmidt und gießt und pflegt das Grab ihrer Angehörigen noch selbst.  Foto: Petra Malbrich
Gerda Schmidt und gießt und pflegt das Grab ihrer Angehörigen noch selbst. Foto: Petra Malbrich

Die lang anhaltende Trockenheit macht nicht nur den Pflanzen in den Gärten und der Landwirtschaft zu schaffen, auch die Blumen auf dem Friedhof schreien laut nach Wasser. Die Friedhofsgärtner sind am "Gieß-Limit", teilte deshalb die Gesellschaft für Friedhofsgärtner mit Sitz in Bonn in einer Pressemitteilung mit. Spezielle Friedhofsgärtner scheint es im Landkreis Forchheim nicht zu geben. Zwar hat die Stadt Forchheim Friedhofsmitarbeiter, die sich um die Ehren-, Helden- und Stiftungsgräber kümmern - und dazu gehört auch das Gießen. Aber Privatleute müssen sich selbst um die Grabstätten kümmern. "Wir sind öffentlicher Dienst, wir dürfen uns nicht um private Gräber kümmern", sagt Herbert Fuchs, Leiter des Friedhofsamtes in Forchheim. Und auch Pfarrvikar Joseph Chechott von St. Martin in Forchheim verneint: Einen Friedhofsgärtner gebe es in der Pfarrei nicht. Die Leute kümmern sich selbst um die Gräber ihrer Angehörigen. Doch genau die private Grabpflege wird für die Angehörigen immer beschwerlicher, wenn nicht sogar unmöglich. Da ist die 73-jährige Erika M., die keinen Führerschein hat. Das Grab ihres Mannes befindet sich auf dem vier Kilometer entfernten evangelischen Friedhof. Die Straßen sind recht bergig und die Frau ist nicht gut zu Fuß.

Zehn Euro im Monat

Das Grab ihres Mannes könnte sie nicht gießen und schon gar nicht täglich, wie es diese lang anhaltende Trockenheit fordert, wenn nicht ein Mann aus dem Ort solche Dienste übernehmen würde. Zehn Euro gibt sie ihm pro Monat, in den Frühjahrs- und Sommermonaten, egal wie oft ein Gießen notwendig ist.

Gärtnerei bietet Dienst an

Eine feste Preisvereinbarung hat die Gärtnerei Betz aus Forchheim für die Grabpflege, die sie anbietet. Je nach Wunsch und Vereinbarung gehört auch das Gießen dazu. "Heuer mussten wir täglich raus", sagt Gertrud Dittrich, die Mit-Chefin von Blumen-Betz. Wer keinen Bekannten hat, der das Blumengießen übernimmt, lässt das Grab durch professionelle Gärtner pflegen. An die örtlichen Gärtnereien werden dann diese Aufträge von Privat vergeben. Zahlenmäßig sind die Aufträge für die Grabpflege im Vergleich zu den vergangenen Jahren bei Blumen-Betz gleichgeblieben. Trotzdem ist eine andere Tendenz erkennbar.

Gräber werden aufgelöst

"Immer mehr Gräber werden aufgelöst, die Zahl der Urnenbestattungen steigt, und auch das anonyme Grab im Friedwald", sagt Dittrich. Noch hält die mittlere und ältere Generation an der Grabpflege fest, an der Erdbestattung mit Blumen auf dem Grab. Den Trend hin zu leicht pflegenden Gräbern kann Igensdorfs Bürgermeister Wolfgang Rast (IU) verstehen und glaubt deshalb, dass der Friedhofsgärtner hier im Landkreis durchaus ein Thema werden könnte. "Es ist eine Marktlücke, die sich auftut", meint Rast. Denn abgesehen davon, dass viele ältere Leute oft nicht mehr die körperliche Kraft dazu haben, die Gräber zu versorgen, fehle die junge Generation. "Die Kinder ziehen weg, die Alten sterben", sagt Rast dazu.

Aus eigener Erfahrung

Er spricht aus eigener Erfahrung. Die Kinder leben beruflich bedingt etliche hundert Kilometer weit entfernt. Für seine Frau und sich selbst hat er sich längst für eine Urnenbestattung entschieden. Wer sollte das Grab hier pflegen? Aus diesem Grund würden viele Gräber verkommen, wenn keine Angehörigen mehr da sind. Die Hinterbliebenen, entfernte Verwandte, haben oft keinen Bezug zum Verstorbenen. Warum also ein Grab pflegen von einem Menschen, zu dem es keine Verbindung gibt? Und noch etwas hat sich verändert: die Einstellung zur Grabpflege. "Früher haben die Menschen ihre Angehörigen auch über den Tod hinaus gepflegt", sagt Dittrich. Viele Menschen verbinden das tägliche Gießen oder das Anpflanzen des Grabes nach Jahreszeit oft als Pflicht, als Arbeit, die einfach noch erledigt werden muss. Ob sich die Bestattungskultur wieder ändert, wenn es Friedhofsgärtner gibt, ist damit nicht beantwortet. Jedoch scheint das im Privatbereich Erfolg zu haben. Sonst wären die anderen Friedhofsgärtner diesen Sommer nicht am Limit, wie die Gesellschaft für Friedhofsgärtner mitteilte.



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