Gräfenberg
Stadtrat

Freibad Gräfenberg belastet den Haushalt der Stadt

In Gräfenberg brechen die Gewerbesteuereinnahmen ein. Das Defizit durch das Freibad beträgt 83 000 Euro.
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Links neben dem Betriebsgebäude des Freibads ist die neu errichtete Stützmauer zu sehen. Foto: Petra Malbrich
Links neben dem Betriebsgebäude des Freibads ist die neu errichtete Stützmauer zu sehen. Foto: Petra Malbrich
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Irgendwann ist das Ende der Fahnenstange ist erreicht. Zwar hat die Stadt Gräfenberg viele Schulden abgebaut. "Doch wir müssen wieder jede Maßnahme überprüfen, ob sie notwendig ist, sonst sind wir in zwei Jahren wieder auf dem Stand von vor 15 Jahren", warnt Kämmerer Ernst Steinlein.

Das war die Nachricht, die der Stadtrat erst verdauen musste. Es herrscht zwar eine verbesserte Finanzsituation. Die Stadt muss deshalb aber mehr Kreisumlage zahlen und bekommt weniger Schlüsselzuweisungen, erläuterte Bürgermeister Hans-Jürgen Nekolla (SPD).

Gut 500.000 bis 600.000 Euro würden somit von Haus auf fehlen. Dem gegenüber stehen enorme Ausgaben. Die Rate für den Kindergarten wird fällig. Und die Gemeindeverbindungsstraße von Kasberg nach Neusles sowie die aktuellen Bauarbeiten am Verwaltungsgebäude schlagen ein. "Zwar bekommen wir 940.000 Euro Zuschuss, obwohl es für die Verwaltung normalerweise keine Zuschüsse gibt. Trotzdem muss die Stadt Gräfenberg zwischen 400.000 und 500.000 Euro selbst zahlen", sagte Nekolla.

Massive Prombleme

Massive Probleme bereitet auch der Einbruch bei den Gewerbesteuern. 1,4 Millionen Euro waren es im vergangenen Jahr, heuer sind es 350.000 Euro weniger. Auf der Einnahmeseite fallen somit insgesamt 400.000 Euro weg. Die komplette Zuführung in Höhe von 461.000 Euro geht für die Tilgung drauf, für den Vermögenshaushalt ist nichts mehr übrig. Die Stadt muss wieder einen Kredit aufnehmen. 1,5 Millionen Euro setzt der Kämmerer an, denn es sind auch neue Aufgaben dabei. Die Baugebiete "West III" und das in Thuisbrunn - dort vor allem hohe Erschließungskosten aufgrund des steinreichen Bodens - lassen Steinlein von Mehrkosten von 600.000 Euro sprechen - inklusive Umstellungen der Straßenbeleuchtung.

In der Finanzplanung könnten noch die beiden Bäder aufschlagen, wenn keine Zuschüsse fließen. Für das Hallenbad wurde bereits ein Zuschuss zugesichert. Beim Freibad sieht es anders aus. Bürgermeister Nekolla berichtete von der Mitteilung durch die CSU-Bundestagsabgeordnete Silke Launert (Wahlkreis Bayreuth/Forchheim), dass Gräfenbergs interkommunale Bewerbung mit Streitberg und Egloffstein für die Freibädersanierung nicht berücksichtigt werden konnte. Die Freibadangelegenheit habe man jedoch bei einem Treffen dem bayerischen Umweltminister Thorsten Glauber (FW) in die Hand gedrückt.

Ein Blick in den Haushalt der Stadt zeigt 25.000 Euro, die für Spielplätze vorgesehen sind. Angesichts der finanziellen Lage wollte Hans Derbfuß (CSU) die Summe auf die jährlich vorgesehenen 5000 Euro reduziert haben. Jedoch wurden bei den Tüv-Prüfungen auf dem Spielplätzen viele Geräte für unsicher befunden und ausrangiert. Um ein "dauerhaftes" Spielgerät nach und nach erwerben zu können, wurde mehr Geld in den Haushalt gestellt. Mit 15.000 Euro längerfristig schlug der Grüne-Stadtrat Matthias Striebich einen Mittelweg vor. Er fragte zudem, ob die Aufwendungen für die Stadträte nicht erhöht werden müssten, da öfter getagt werde.

8181 Besucher

Neben diesen kleineren Posten ist mit dem Freibad ein großer finanzieller Brocken zu finanzieren. Das Bad schrieb mit 83.000 Euro ein massives Defizit, wie Kämmerer Ernst Steinlein aufzeigte. Es wurde viel Geld in die Hand genommen, um das Bad zu renovieren. Die Ein- und Ausnahmen vor und nach der Renovierung hat Steinlein gegenübergestellt. In dem extrem guten Sommer vergangenes Jahr haben 8181 Besucher eine Abkühlung im Gräfenberger Freibad gesucht. Dafür sind die Personalkosten gestiegen: 40.000 Euro zahlt die Stadt. Drei Personen sind im Freibad beschäftigt. Um 50 Prozent erhöht haben sich die Kosten für Chemikalien. 16.000 Euro muss die Stadt dafür ausgeben. Am meisten aber schlägt der Wasserverbrauch durch. Dieser hat sich seit der Wiedereröffnung vervierfacht. "Es ist nicht das Wasser. Das kommt von der Sperberquelle und kostet uns nichts", erklärte Nekolla. Aber mehr als 19.000 Euro Kosten entstehen durch Kanalgebühren.

Die Stadt müsse täglich eine gewisse Menge an Frischwasser zugeben, um die Trihalogenmethane (THM) im erlaubten Bereich zu halten. Auch die Badegäste würden angehalten, vor dem Schwimmen zu duschen, damit weniger Schmutz ins Wasser gelange.

Viel frisches Wasser benötigt

Für Hans Derbfuß (CSU) ist es nachvollziehbar, denn aufgrund des heißen Sommers musste man durch das Frischwasser auch die Wassertemperaturen - teils 25 Grad - drücken. Sein Parteikollege Lars Laufer (CSU) glaubt hingegen, dass sich an den Kosten nichts ändern werde. "Weniger Wasserzufuhr aufgrund des Wetters bedeutet auch weniger Einnahmen", zeigte Laufer auf.

"Wir werden ein öffentliches Bad nie mit einer schwarzen Null betreiben können", meinte Nekolla. Der Bürgermeister regte an, den Preis für Einzelkarten um 50 Cent zu erhöhen. Die Mehrheit der Räte sprach sich für eine Erhöhung aus, da damit auch die Verbesserungen gewürdigt würden. Die Einzelkarte für Erwachsene kostet dann drei Euro, die für Jugendliche zwei Euro, ab 17 Uhr zwei Euro und einen Euro für die jungen Badegäste.

Die Freibadsaison soll am 11. Mai beginnen.



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