Forchheim
Betrugsmasche

Frau Freitas droht mit Festnahme

Er wollte nur antike Möbel bei E-Bay verkaufen. Doch dann nahm der Handel für einen Forchheimer Unternehmensberater bedrohliche Dimensionen an...
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Was als harmloser E-Bay-Handel begann, endete für einen Forchheimer damit, dass er bedroht wurde.  Symbolfoto: Inga Kjer/dpa
Was als harmloser E-Bay-Handel begann, endete für einen Forchheimer damit, dass er bedroht wurde. Symbolfoto: Inga Kjer/dpa
Erst klang alles ganz harmlos: "Danke für deine Antwort, ich interessiere mich für den Kauf der Möbel." Mit diesen Worten reagierte eine gewisse Maria Freitas auf das Angebot eines Forchheimers, der am 4. August versucht hatte, über die Internet-Plattform E-Bay drei "antike Möbelstücke" zu verkaufen. Einen Intarsien-Schrank, einen Schreibtisch, einen Eichenschrank. Für die drei Teile wollte der 70-jährige Unternehmensberater 2400 Euro haben.

Es beginnt ein E-Mail-Austausch zwischen dem Forchheimer Anbieter und der Interessentin, die angibt, in Schottland zu leben und die Möbel für ihr Haus in Portugal zu kaufen. In zwar miserablem Deutsch, aber für den Unternehmensberater durchaus nachvollziehbar, versucht Maria Freitas den Preis herunterzuhandeln. Am 7. August fragt sie: "Also, was ist der letzte Preis, den Sie bereit sind zu verkaufen." Der Anbieter nennt 2000 Euro als letztes Angebot. Der E-Bay-Handel scheint perfekt, zumal die Frau aus Schottland auch zusagt, eine Spedition zu schicken und für die Transportkosten selbst aufzukommen.


Betrugsabsichten werden deutlich: Der Ton verschärft sich

Der 70-Jährige schickt ihr seine Bankverbindung. Und erhält am 8. und am 9. August Mitteilungen, die ihn stutzig machen. Maria Freitas behauptet, sie habe das Geld für die Möbel bei der Royal Bank of Canada eingezahlt; aber es werde erst überwiesen, wenn die 350 Euro für die Speditionskosten überwiesen seien. Von da an verschärft sich der Ton zwischen den beiden Parteien. "Wir haben die Betrugsabsichten an unseren Rechtsanwalt weitergegeben und gleichzeitig die Polizei informiert", schreibt der Unternehmensberater an die dubiose Maria Freitas.

Gleichzeitig sichert er sich bei seiner Bank ab, dass kein Missbrauch mit der Kontonummer getrieben wird. Armin Datz, der Stellvertretende Marktbereichsleiter bei den Vereinigten Raiffeisenkassen Gräfenberg-Forchheim rät, die E-Mails "einfach zu ignorieren ..." Wie Armin Datz dem FT sagte, sei ihm diese betrügerische Masche auf dem Kleinanzeigen-Markt bislang zwei Mal untergekommen. "Grundsätzlich kann nichts passieren, es sei denn Kunden fallen auf die weitere Mails rein." Weil Armin Datz die Tour dieses Betrugsversuchs schon kannte, sagte er dem um Rat fragenden Forchheimer Kunden sinngemäß: Als nächstes wird man Ihnen wahrscheinlich mit Interpol drohen.


Klage und Festnahme angedroht

"Und genau so kam es", erzählt der 70-Jährige. Nachdem sich Maria Freitas in zwei Mails über das Wie, Warum und Wohin der Überweisung von 350 Euro ausgelassen hatte und im Ton noch moderat geblieben war ("Ich warte bald darauf, von dir zu lesen"), setzte sie am 9. August alles auf eine Karte: Er sei "verpflichtet", die "Abholgebühr" zu zahlen. Andernfalls werde sie "Klage ergreifen und dies wird zu Ihrer Festnahme führen". Die Mail endet mit der Drohung: "Wir haben alle notwendigen Informationen, um Sie zu verhaften, wenn Sie nicht auf diese E-Mail innerhalb der nächsten zwei Stunden antworten."

Beigefügt ist der Mail ein Bild, das einen Mann an einem Schreibtisch zeigt. Bildunterschrift: "Secretary General Jürgen Stock interpol@anticrime-agent.com". Angst habe er im Laufe des Mail-Verkehrs mit der dreisten "Maria Freitas" zu keinem Zeitpunkt gehabt, sagt der Unternehmensberater. Aber es habe Momente gegeben, wo er nachts wach gelegen und sich gedacht habe: "Was für ein Verbrechervolk ist da unterwegs." Weil er nicht glaubt, dass die Forchheimer Polizei in solchen Fällen irgendeine Handhabe hat, hat sich der 70-Jährige bislang nicht bei der Polizeiinspektion gemeldet.


Bei Betrugsverdacht die Polizei informieren

Das sei ein Fehler, meint Thomas Weidner, der Leiter der Forchheimer Ermittlungsgruppe. "Es kann natürlich sein, dass wir nichts ermitteln werden", sagt Weidner. Dennoch sei es in solchen Fällen "immer sinnvoll, wenn Betroffene wenigstens mal Kontakt zur Polizei aufnehmen". Denn für die Polizeiarbeit sei es ja auch notwendig, "von bestimmten Verbrechensphänomene überhaupt erst zu erfahren". Drohmails und der Versuch, Opfer auf diesem Weg "massiv unter Druck zu setzen", seien der Polizei natürlich geläufig. Aber, sagt Leiter der Ermittlungsgruppe, die von dem Unternehmensberater geschilderte "Masche" sei ihm "völlig neu".


238 Anzeigen in einem Jahr

Was das Thema Internet-Kriminalität betrifft, hatte der Forchheimer Polizeichef Jürgen Knauer jüngst die Forchheimer Stadträte aufgeklärt. In seinem Sicherheitsbericht zu diesem Thema war von 238 Anzeigen im Jahr 2016 die Rede. Sie beziehen sich auf Fälle, wo das Internet als Medium genutzt werde, um illegal zu handeln, aber auch um Bedrohungen oder Beleidigungen auszusprechen.

Dass die Polizei Forchheim 2016 "lediglich" 19 Fälle von Computerkriminalität registrieren konnte, hänge damit zusammen, dass sich "der Tatort im Regelfall nicht an dem Ort befindet, an welchen sich die negativen Folgen der Straftat entfalten".
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