Gößweinstein
Tourismus

Fränkische Schweiz: Vereine fördern Fremdenverkehr

Bevor die Kommunen erkannten, dass mit den Ausflüglern und Urlaubern in der Fränkischen Schweiz viel Geld zu verdienen ist, waren Vereine Ideengeber und Träger von Verbesserungen der Infrastruktur.
Artikel drucken Artikel einbetten
In der Schüttersmühle bei Pottenstein wurde 1901 der Fränkische-Schweiz-Verein gegründet. Repro: Reinhard Löwisch
In der Schüttersmühle bei Pottenstein wurde 1901 der Fränkische-Schweiz-Verein gegründet. Repro: Reinhard Löwisch

Private Vereine waren in der Fränkischen Schweiz viele Jahre lang Träger des Tourismus - lange bevor die Gemeinden erkannten, dass man mit den Gästen Geld verdienen und durch entsprechende Infrastrukturmaßnahmen quasi nebenbei auch die Lebensqualität der einheimischen Bevölkerung enorm steigern konnte.

"Anregung, Förderung und Durchführung aller der Hebung des Fremdenverkehrs dienlichen Unternehmungen und Einrichtungen" - mit diesen Worten umschrieben 1904 die Gründungsmitglieder des "Nordbayerischen Verkehrsvereins" ihre Ziele. 103 Vertreter der Stadtmagistrate, der Mineralbäder und der Fremdenverkehrsvereine waren bei der Gründung zugegen.

Geschäftsstelle im Hauptbahnhof Nürnberg

Wenige Jahre später war der Verein schon einer der größten seiner Art in Deutschland, unterhielt eine Geschäftsstelle im Nürnberger Hauptbahnhof, gab eine "Nordbayerische Verkehrs- und Touristenzeitung" heraus und eine "Sommerwohnungsliste" mit Ferienunterkünften. Schon drei Jahre vorher, am 28. September 1901, war der Fränkische-Schweiz-Verein (FSV) gegründet worden. Vereinsziele waren Erhalt der Natur, die Pflege des Brauchtums, die Hebung des Fremdenverkehrs durch Schaffung von Wanderwegen und Aussichtsplätzen und die kulturelle Erforschung der Region.

Klammer für alle Vereine

Und es gab noch ein weiteres internes Vereinsziel: Zu jener Zeit waren schon einige örtliche Vereine mit ähnlichem Anspruch aktiv. Mit dem FSV als Regionsverein wollte man eine Klammer schaffen für diese Vereine, wie jener "Heimat- und Verschönerungsverein" aus Waischenfeld, der schon 1885 bei der Vereinsgründung die wirtschaftlichen Interessen im Tourismus im Sinn hatte. Von den ersten Mitgliedsbeiträgen kaufte der Verein damals schmiedeeiserne Bänke und 15 Wanderwegweiser für bestehende Feldwege im Buchberg.

Schon seit 1835 gibt es eine "Verschönerungskommission" in Muggendorf, die das alleinige Ziel verfolgte, den Aufenthalt für Gäste so angenehm wie möglich zu gestalten. In einem Bericht heißt es: "Mit den Anlagen an dem sogenannten Klosterberge ist bereits der Anfang gemacht worden. In der Rosenmüllershöhle wird statt der Leiter eine bequeme hölzerne Treppe angebracht werden, welche für jedermann leicht zu besteigen ist. Bei der Oswalds-Höhle sollen mehrere Spaziergänge angelegt und ein Sommerhaus mit einer Kegelbahn errichtet werden. In der genannten Höhle selbst wurden bereits an 100 Eimer gutes Sommerbier gelagert und auf diese Weise aufs Beste dafür gesorgt, daß jeder Höhlenbesucher sich durch einen frischen Labetrunk stärken kann."

Der ewige Konkurrent

Der Verschönerungsverein Gößweinstein wurde 1865 gegründet, ebenfalls mit dem Ziel, den jungen Tourismus zu fördern. Man tat das zu jener Zeit besonders eindrucksvoll mit der Herausgabe eines eigenen Reiseführers für die gesamte Fränkische Schweiz, der sogar auf sechs Seiten Werbung für Pottenstein, den ewigen Konkurrenten in Sachen Fremdenverkehr, betrieb. Es wird vermutet, dass die frühe Vereinsgründung mit der Einrichtung von Kurbädern in Gößweinstein in Verbindung steht. Laut Ortschronist Ludwig Helldörfer baute Andreas Belzer bereits 1863 eine Badeanstalt in Gößweinstein mit drei Badstuben, was in den Folgejahren einen regelrechten Gäste-Boom auslöste und bis 1905 ein erfolgreiches "Kurhotel Faust" entstehen ließ.

Mit der Eisenbahn

Der Verschönerungsverein Gräfenberg wurde 1886 gegründet. Es ist sicher kein Zufall, dass seine Entstehung gerade in das Jahr fällt, in dem die Eisenbahnstrecke von Erlangen nach Gräfenberg kurz vor ihrer Vollendung stand.

Damit ergab sich für breite Bevölkerungsschichten im Raum Nürnberg/ Fürth/ Erlangen erstmals die Möglichkeit, Ausflüge nach Gräfenberg und seinem reizvollen Hinterland zu unternehmen und noch am Abend des gleichen Tages wieder heimzukommen - die Entstehung des Tagestourismus. Durch die Zukunftsperspektiven motiviert, wurden Überlegungen angestellt, "was zu unternehmen sei, um den Touristen den Aufenthalt im Städtchen so angenehm wie möglich zu machen und ihnen die Schönheiten der Natur besser vor Augen führen zu können. Daraus ergab sich ein Zusammenschluss Gleichgesonnener, der schließlich zur Gründung des Verschönerungsvereins führte", heißt es in der Vereinschronik.

1891 gründete sich in Hollfeld ein Verschönerungsverein, 1901 in Betzenstein und Pottenstein, 1902 in Ebermannstadt und Egloffstein.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren