Gräfenberg

Fränkische Schweiz: Turmuhren und Ammoniten in einem Buch vereinigt

So unterschiedlich die Faszination für Uhren und Ammoniten dem Anschein nach auch ist - es gibt nun ein Buch über zwei Gräfenberger Schätze: Georg Rammensees Turmuhren und Werner Steinbrechers Ammoniten.
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Die Zeitmessung ist Thema im Turmuhrenmuseum. Foto: Petra Malbrich
Die Zeitmessung ist Thema im Turmuhrenmuseum. Foto: Petra Malbrich
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Was haben Turmuhren und Ammoniten gemeinsam? Die Zeit und das Alleinstellungsmerkmal, zu den Gräfenberger Besonderheiten zu gehören. "Gräfenberger Schätze - Turmuhrenfabrikation und Fossilienreichtum" lautet deshalb der Titel des Buchs von Wolfram und Otto Degen und Georg Rammensee, das am Freitag im historischen Rathaus in Gräfenberg vorgestellt wird. "Die ganze Erdgeschichte steckt in einem Stein", sagt Werner Steinbrecher. Er ist der Besitzer des Steinbruchs Bärnreuther-Deuerlein in Gräfenberg und ist mit dem Ammonitensammler-Bazillus befallen. Er hegt das leidenschaftliche Interesse an der Entstehungsgeschichte der Ammoniten, die über 150 Millionen Jahre reicht. Zeitlich noch weiter zurück geht Georg Rammensee, Nachkomme der Turmuhrendynastie Rammensee in Gräfenberg. "Die Zeitmessung gab es, bevor der Mensch war. Glaubt man der Bibel, hat Gott die Welt in sieben Tagen erschaffen. Dann erst den Menschen. Das war auch Zeitmessung", meint Rammensee. Auch er ist von einem Sammlervirus befallen, doch dieses betrifft die Turmuhren. "Ich bin gelernter Maschinenbauer, deshalb haben mich Maschinen schon immer fasziniert", begründet Georg Rammensee den Beginn seiner Sammlung und das daraus entstandene Museum. "Damit kann ich Zeitgeschichte aus fünf Jahrhunderten übermitteln", sagt Rammensee. Er erzählt die Geschichte seiner Familie und der Zeitmessung so spannend wie einen Krimi. "Eigentlich wollte ich mir keine Uhr mehr kaufen", erzählt Georg Rammensee seinem Freund Werner Steinbrecher und sucht auf dem Smartphone nach einem Bild seiner neuesten Errungenschaft: eine Uhr von Johann Georg Pfaffenberger aus dem Jahr 1888 aus Gubitzmoos. "Von diesen Uhren gibt es nicht viele. Das Britische Nationalmuseum hat eine. Und der kleine Rammensee ebenfalls", erklärt Georg Rammensee seinen Scheunenfund. Mit der Bekanntheit seines Museums hat sich einiges geändert. Vor 30 Jahren noch hatte er das Land nach Uhren abgeklappert. Nun bekommt er Uhren. Alle 62 Uhren im Museum hat er selbst abgebaut, ins Museum getragen, mithilfe seiner Familie restauriert und wieder zusammengebaut. Auch Uhren aus der Rammensee-Fabrik konnte er ins Museum holen. Das Museum und wohl noch mehr das Buch, gewidmet seinen drei Kindern, sind eine Hommage an die Turmuhrendynastie Rammensee und zugleich ein intensiver Streifzug durch das Museum, den Aufbau der Uhren und der Bedeutung der Zeit. Diese umfasst auch die Ammoniten. Dass sie im Turmuhrenmuseum sind, ist erklärt. "Eine Wand war frei", erklärt Rammensee, der seinen Freund Werner fragte, ob er nicht seine Ammoniten ausstellen wolle. Diese sind nun eine Dauerleihgabe und eine der anderen Schätze, die es in Gräfenberg zu finden gibt. Dabei war es Werner Steinbrecher selbst, dem die Ammoniten zu Anfang völlig egal waren. "Die Ammoniten hatten mich nie interessiert. Ich habe sie verschenkt", erklärt er. Bis ihn der Bazillus ergriffen hat. "Von da an sammelte ich die Steine, ging in den Keller und klopfte, präparierte diese, irrte auf Fossilienmessen umher", berichtet Steinbrecher. Und er tauchte auch wissenschaftlich in die Materie ein.

Goldgrube vor der Haustür

Gräfenberg ist für Ammoniten berühmt. Die Goldgrube liegt vor der Haustür. Es ist Steinbrechers täglicher Arbeitsplatz. Vor etwa 30 Jahren fand er einen besonderen Ammoniten: den später so genannten Gräfenbergites. Aufgrund Verwerfungen gab es nur in diesem Steinbruch eine Malm-Alphazone. Die Werkschicht ist die Malm-Betazone, in der abgebaut wird. Dann tauchte diese Malm-Alphazone auf und beförderte die besonderen Ammoniten zutage.

Nicht nach dem Finder benannt

Grundsätzlich wird eine neue Gattung nach seinem Finder benannt. Das wollte Werner Steinbrecher nicht. Die Besonderheit sollte den Namen der Stadt tragen. Das setzte Steinbrecher durch. Sein Gräfenbergites ist weltweit bekannt, wie überhaupt die Gräfenberger Ammoniten. Vor wenigen Jahren war der 68-jährige Gräfenberger in Kanada zum Skifahren und kam an einem Ammonitenladen vorbei. Was entdeckte er? "Gräfenberger Ammoniten", erzählt Steinbrecher. In dieser Klarheit kommen sie eben nur in Gräfenberg vor.

Die Autoren

Mit den beiden Autoren Wolfram und Otto Degen verbindet die beiden Sammler eine Seelenverwandtschaft. Wolfram Degen aus Höchstadt an der Aisch war ein Besucher des Turmuhrenmuseums, den interessierte, ob Georg Rammensees Wissen bekannt sei. Er hielt dann jede Uhr schriftlich fest und stieß bei dem Rundgang auf die Ammoniten - die Steine sind eine Leidenschaft seines Vaters Otto, der diesen Part im Buch übernahm. Doch wer sollte das Buch finanzieren? "Ich konnte es nicht", sagt Georg Rammensee und fand mit seinem Freund Werner Steinbrecher, Udo Richter, Gründer der Firma N-AIP und Kunzmann-Druck diejenigen, die das vorliegende Werk entstehen ließen.

Am Freitag, 24. Januar, wird es im historischen Rathaus in Gräfenberg um 19.30 Uhr vorgestellt. Einlass ist um 19 Uhr. Das Buch ist im regionalen Buchhandel oder über E-Mail an georg.rammensee@gmx.de oder info@kunzmann-werbeartikel.de erhältlich.

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