Ebermannstadt

Fränkische Schweiz: Skulpturen von Schlaganfallbetroffenen

Im Garten des Klinikums in Ebermannstadt ist eine besondere Skulpturen-Ausstellung eröffnet worden. Es sind Werke von Schlaganfallbetroffenen.
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Dieter Bornkessel erklärt den Engel.  Foto: Carmen Schwind
Dieter Bornkessel erklärt den Engel. Foto: Carmen Schwind
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"Ich hätte vor ein paar Jahren nicht gedacht, dass ich hier stehe und Leuten was erkläre. Da hat mir die künstlerische Arbeit sehr geholfen, soweit zu kommen", sagte Dieter Bornkessel bei der Eröffnung der Skulpturen-Ausstellung im Garten des Klinikums Forchheim-Fränkische Schweiz in Ebermannstadt. Die Werke aus Sandstein wurden von der Selbsthilfegruppe der Schlaganfallbetroffenen in Stadt und Landkreis Bamberg erstellt. Ansprechpartner hier ist Dieter Bornkessel, der auch Betroffener ist. Er lernte den Beruf des Fliesenlegers und hatte 1993 eine Gehirnblutung. "1999 habe ich dann einen Workshop bei Künstlern in Knetzgau besucht", erzählte Bornkessel und sagte weiter, dass die Künstler sein Talent entdeckten und ihn förderten. In der Selbsthilfegruppe gibt es seitdem montags von 10 bis 16 Uhr in der Ottostraße in Bamberg ein Treffen, bei dem Menschen, die einen Schlaganfall hatten, und ihre Angehörigen aus Sandstein Skulpturen erstellen.

Nach drei Stunden "platt"

"Wir sind nach drei Stunden eigentlich immer platt. Danach unterhalten wir uns und tauschen uns aus", berichtete Bornkessel weiter. Er zeigte den Besuchern, die zur Eröffnung gekommen waren, die Werke, die auf einem Skulpturenweg im Garten des Klinikums aufgestellt sind. Gleich am Eingang sieht man Kunigunde und Heinrich. "Die wurden von einem Ehepaar geschaffen. Der Mann hatte einen Schlaganfall und machte das Grobe, seine Frau arbeitete dann die Feinheiten heraus", erklärte Bornkessel. Viele Schlaganfallbetroffene müssten erst lernen, Hilfe anzunehmen. "Alle Werke sind Teamwork, deshalb steht auch kein Name eines Künstlers dabei", sagte er weiter. Forchheims Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) fragte nach, ob es auch hier so gewesen sei, dass im Stein eine Figur gesteckt habe, die herauswollte. Das konnte Bornkessel auch gleich bestätigen: "Richtig, in jedem Stein ist eine Figur drin, und wir holen sie raus." So entstand auch die "Frau mit Haube". Die Haube war einfach eine Anomalie im Stein. Weiter erläuterte Bornkessel, dass er einen Stein aufgeschlagen hatte, in dem eine Muschel steckte. Diese arbeitete er dann in das Haar einer weiblichen Skulptur ein.

Vom Engel begeistert

Begeistert waren die Besucher besonders von einem Engel. "Die Figuren kommen hier im Garten viel besser zur Geltung als in der Werkstatt", meinte Armin König. Er hat an einigen der Werke mitgearbeitet. Vor fünf Jahren hatte er einen Schlaganfall und ist seit drei Jahren Mitglied in der Gruppe. "Wir unterstützen uns gegenseitig. Ich kann nur mit einem Arm klopfen, denn ich bin halbseitig gelähmt", erzählte er. König hat hier eine Beschäftigung, die ihm große Freude bereitet und seine Motorik fördert. Am Teich zeigte Dieter Bornkessel noch eine Nixe, einen Delfin, der wieder ins Wasser will, und einen Pinguin, der nicht ins Wasser darf. Die vielen Besucher der Eröffnung des Skulpturenwegs waren ebenso wie Marliese Muckelbauer, Vorsitzende der Selbsthilfegruppe der Schlaganfallbetroffenen, Klinikum-Standortleiterin Ulla König und Klinikum-Geschäftsführer Sven Oelkers begeistert von den Werken. Die Skulpturen können auch käuflich erworben werden.

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