Gräfenberg

Fränkische Schweiz: Scheunen sind vom Verfall bedroht

Akut einsturzgefährdet sind einige Scheunen in Gräfenberg. Eine Notsicherung muss deshalb durchgeführt werden. Denn die Scheunen befinden sich auf öffentlichem Grund.
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Das Scheunenviertel in Gräfenberg Foto: Petra Malbrich
Das Scheunenviertel in Gräfenberg Foto: Petra Malbrich

Es ist fünf vor zwölf im Gräfenberger Scheunenviertel. Einige Scheunen sind Notfälle und einsturzgefährdet. Die Scheunen stehen auf öffentlichem Grund.

Der Stadt gehören die akut bedrohten Scheunen. Bürgermeister Hans-Jürgen Nekolla (SPD) wollte im Stadtrat keine Missverständnisse aufkommen lassen. "Die Stadt hat die maroden Scheunen vor zwei Jahren gekauft, um sie vor dem Verfall zu retten", betonte Nekolla.

Mit Sofortmaßnahmen werden die Scheunen stabilisiert. Für ein Notsicherungskonzept (Tragwerksplanung und Denkmalpflege) wurde das Ingenieurbüro Thomas Leyh aus Höchstadt eingeschaltet. Fünf Scheunen wurden untersucht, zwei davon sind im Privatbesitz.

"Die Probleme sind bei allen Scheunen ähnlich", meinte Leyh. Es handelt sich um Fachwerkgebäude, die weniger gepflegt sind, seit sie nicht mehr benutzt werden. Die Biberschwanzziegel sind nicht überlappt, sondern mit Span hinterlegt, damit das Wasser ablaufen kann. Früher hatten die Bauern nachgedeckt, was auch nicht mehr der Fall ist.

Mitunter 100 Jahre alt

Die Decken sind mitunter 100 Jahre alt. Schäden im Traufbereich sind entstanden. Die Scheunen sind nur noch bedingt standsicher, extreme Verformungen sind sichtbar. Auch die Ausmauerungen im Fachwerk sind locker. "Die Situation ist unglücklich, da die Scheunen im öffentlichen Bereich stehen und viele Fußgänger unterwegs sind", machte Leyh den Handlungsbedarf deutlich.

Die nötigsten Sicherungsmaßnahmen wurden bereits vom Vorbesitzer durchgeführt. Doch der Zustand wurde durch eindringende Feuchtigkeit immer schlechter. Eine Scheune zu stabilisieren sei kein einfaches Unterfangen, "da man niemanden aufs Dach schicken kann", erklärte Leyh. Denn die Deckenbalken sind mürbe. Bei dem durch Feuchtigkeit geschädigten Giebelfachwerk müssen Abstützungen eingebaut werden, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten.

Einen ähnlichen Zustand weist eine ebenfalls im Besitz der Gemeinde befindliche Scheune auf. Sie zeigt ebenfalls Feuchteschäden. Die Füße am Dach gehen auseinander. Zwar habe der Vorbesitzer begonnen, die Giebel zu reparieren, aber loses Gefache müsse innen und außen mit Leisten gesichert werden. Da einzelne Ziegel fehlen, regnet es durchs Dach. Der Giebel bewegt sich extrem aufs Nachbargrundstück zu. PVC-Spließen müssen in die Ziegelstöße nachgesteckt werden. Die Scheunen sollten repariert werden, bis sich dann jemand findet, der eine sachgerechte Sanierung durchführt.

Weg hinter schiefer Wand

Die Probleme der anderen Scheunen seien überschaubar, meinte Leyh. Immerhin sind sie regensicher. Lediglich eine der wiederaufgebauten Scheunen mache gravierende Probleme. Die Wand löst sich und neigt sich stark nach innen. Das Brisante daran: Es verläuft ein Weg hinter dieser Scheune, weshalb diese stabilisiert und die Wand neu aufgebaut werden muss, um den Weg wieder befahrbar zu machen. Der Verkehr sollte bis dahin eingeschränkt sein.

"Der Handlungsbedarf ist deutlich. Es bleibt keine Wahl, als die Scheune für die nächsten Jahre zu sichern", meinte Werner Wolf (FW). Ob diese nach der Sicherung fünf bis zehn Jahre stabil seien, wollte Wolf wissen. Sollte. "Man muss immer wieder nachschauen. Es gibt viele Einflüsse, die auf den Zustand einwirken. Das Vordringliche ist nun, sie dicht zu bekommen und dass nichts herunterfallen kann", meinte Leyh.

Vor allem die erste Scheune sei in einem sehr kritischen Zustand. "Gibt es eine realistische Chance, sie endgültig zu sichern, oder ist es nur ein Hangeln?", wollte Matthias Striebich (Grüne) wissen. "Grundsätzlich ist sie sanierbar; mit mehr oder weniger Aufwand", meinte Leyh.

Ein Privatbesitzer fällt aus der Notsicherung heraus, da er eine Komplettsanierung durchführen wird.

Mit zwei Gegenstimmen wurde die Notsicherung an den städtischen Scheunen und die Bezuschussung zur Notsicherung der privaten Scheunen beschlossen. Werner Wolf wollte den zur Bezuschussung gehörigen Widerrufsvorbehalt nicht akzeptieren, da er die Stadt mit den genannten Formulierungen für auf Jahre geknebelt sieht.

Werner Wolf betonte, nicht gegen die Notsicherung zu sein, sondern ihm gehe es lediglich darum, ob die Stadt die Notsicherung mit Zuschuss durchführe oder alleine stemme. Wegen des nicht geklärten Widerrufsvorbehalts stimmten Werner Wolf und Konrad Hofmann dagegen.

Die Kosten der Notsicherung der Scheunen betragen 164.000 Euro, von denen 79.800 Euro bezuschusst werden.

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