Obertrubach

Fränkische Schweiz: Pfarrer Werner Wolf wurde zur Seele eines ganzen Dorfes

Wie kaum ein anderer Seelsorger prägte Pfarrer Werner Wolf das Leben in Obertrubach. Ende Oktober geht er in den Ruhestand.
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Pfarrer Werner Wolf vor der Kirche in Obertrubach Foto: Franz Galster
Pfarrer Werner Wolf vor der Kirche in Obertrubach Foto: Franz Galster

Es war im Sonntagsgottesdienst in der Pfarrkirche St. Laurentius Obertrubach nur eine kurze Mitteilung von Pfarrer Werner Wolf, mit der eine Epoche endet. Er wird am 30. Oktober Obertrubach verlassen und in den Ruhestand gehen. Wie kaum ein anderer Seelsorger prägte er das Leben im Ort mit und stand mitten in der Gesellschaft. Im Juli 1945 im vorwiegend evangelisch geprägten Uffenheim geboren, absolvierte er nach der Schule eine kaufmännische Lehre. Nach vier Jahren als Buchhalter wurde ihm bewusst, dass Zahlen allein nicht sein Leben ausfüllen. Mit 21 Jahren ging er auf das humanistische Gymnasium in Vockenfeld bei Waldsassen. Nach dem Abitur folgten fünf Jahre Studium an der damals philosophisch-theologischen Hochschule in Bamberg und zwei Semester Theologie an der Uni in Würzburg. 1977 erhielt Wolf die Priesterweihe im Dom zu Bamberg. Nach Kaplanstellen in Scheßlitz und Coburg übernahm er 1984 seine erste und letzte Pfarrstelle in Obertrubach. Zehn Jahre wollte er bleiben, 35 sind es geworden. Seinen Eltern ermöglichte er im späten Alter, ihre letzten Tage bei ihm als einziges Kind den Lebensabend zu verbringen. Seelsorger und Praktiker im täglichen Leben, das waren Stärken, die seiner Gemeinde zugutekamen. Der Bau eines Kindergartens und eines Schwesternhauses, der Neubau des Pfarrhauses und der Umbau des alten Pfarrhauses als viel genutzte Begegnungsstätte in direkter Nachbarschaft zur Pfarrkirche bilden heute mit der 1993 renovierten Pfarrkirche ein lebendiges Ensemble in der Ortsmitte. Das Millennium 1999/2000 läuteten neue Bronzeglocken ein, die alten Stahlglocken bekamen einen Ehrenplatz hinter der Kirche, schließlich hatten sie viel Freud und Leid verkündet. "Wir mussten auch viele Schulden verkraften, das wollte ich keinem Nachfolger hinterlassen", sagt Pfarrer Wolf. Die Begegnungsstätte ist Zentrum für viele Veranstaltungen, für Erwachsenenbildung und Jugendarbeit, für Chorarbeit oder auch Treff für die Senioren zum Plauderstündchen. "Der Herrgott wird mich nicht fragen, was ich alles baute, sondern wie ich als Hirte wirkte, die Seelsorge ist wichtig", betont Wolf. Aber er schuf Einrichtungen, die diesem Ziel dienten. Und ohne die Unterstützung der Kirchenverwaltung und Filialkirchen wären die Bauvorhaben alle nicht möglich gewesen, das weiß er. Dazu zählen auch renovierte Filialkirchen in Untertrubach, Geschwand und Bärnfels. Im September feiert Obertrubach noch sein letztes Bauwerk, die Erweiterung der kirchlichen Kindertagesstätte St. Marien um eine Kindergruppe. Die Kinder bedeuteten immer einen Schwerpunkt, fast alle kannte er mit Namen. Mit drei Bürgermeistern - nämlich Hans Albert, Willi Müller und Markus Grüner - arbeitete Pfarrer Wolf in Obertrubach harmonisch zusammen.

Musikalisches Potenzial

Als er nach Obertrubach kam, erkannte er schnell das musikalische Potenzial im Ort. 1987 gründete er die Jugendblaskapelle St. Laurentius, heute eine Institution. 1986 bis 2016 wirkte er als Regisseur der Theatergruppe. Der Erlös, so Wolf, kam immer karitativen Zwecken in der Dritten Welt zugute, an anderer Stelle milderte man soziale Härtefälle in der Gemeinde. Das alles war nur möglich mit der Begegnungsstätte, wo sich Senioren seit Jahren auch zum monatlichen Treff einfinden. "Ich wollte immer ein Pfarrer zum Anfassen sein, der mit seinen Gläubigen lebt und ihre Probleme sieht, ich war immer da", betont Wolf. Er kann viele Zahlen aufweisen. Nicht leicht bei einer Pfarrei mit 48 Orten, darunter einige Mühlen auf einer Fläche von 80 Quadratkilometern in den Landkreisen Forchheim und Bayreuth und den evangelischen Nachbargemeinden Affalterthal, Egloffstein, Hiltpoltstein und Betzenstein.

Ökumene

Ökumene prägte ihn von Kindesbeinen an. In Obertrubach hat er sich entschieden zu einer engen Partnerschaft mit der Kirchengemeinde Betzenstein. Ein gemeinsamer ökumenischer Gottesdienst mit einer Kreuzsegung vor Kurzem zeigte wieder einmal, die Ökumene lebt, ein tiefes Anliegen von Pfarrer Werner Wolf.

Datenschutz

Eine weit verzweigte Kirchengemeinde bedeutete für den Seelsorger immer eine Herausforderung bei den Krankenbesuchen. Wöchentlich besuchte er die Kranken auch in den Krankenhäusern von Forchheim, Ebermannstadt, Bayreuth, Pegnitz oder Erlangen. Dort erschwert es seit einiger Zeit der gesetzliche Datenschutz, seine Patienten überhaupt ausfindig zu machen. Auskünfte an der Pforte waren nicht mehr erlaubt. "Viel Freud und Leid teilte ich in der Pfarrei, taufte rund 900 Kinder und trug 860 Gemeindemitglieder zu Grabe", erzählt Werner Wolf. "Aus dem Menschen genommen, für Menschen bestellt", sein Primizspruch begleitete Pfarrer Wolf ein Leben lang. Mit Beginn September wird der neue große Seelsorgebereich Fränkische Schweiz eingeführt. Laut Stellenplan der Erzdiözese Bamberg ist kein neuer Seelsorger für Obertrubach vorgesehen. Wer und wie Obertrubach künftig pastoral versorgt wird, wird sich zeigen. Dass Obertrubach mit einer so hervorragenden Infrastruktur unbesetzt bleibt, mag sich noch niemand vorstellen.

"Bei meiner Installation in Obertrubach wollte ich nach vielen Umzügen wieder ein Stück Heimat finden", erinnert sich Pfarrer Wolf. Er wurde zur Seele des Dorfes. Ein Jahr beschäftigte ihn der jetzige Schritt aufzuhören. Das Alter fordert seinen Tribut. In Memmelsdorf (Kreis Bamberg) fand er einen geeigneten Ruhesitz. Die Kulturstadt Bamberg ist nicht weit. Er möchte lesen, wandern, einfach Dinge tun, zu denen er bisher wenig Zeit hatte. Wolf weiß, es ist ein großer Schritt im Leben, aber gebraucht wird er immer wieder werden - als ein Seelsorger mit ganzem Herzen.

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