Affalterthal
Spurensuche

Fränkische Schweiz: Mittelalterliche Kirche hat keinen Namen

Das Patrozinium des 1375 erstmals erwähnten Gotteshauses in Affalterthal ist in Vergessenheit geraten. Nachfragen und Nachforschungen verlaufen im Sand.
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Die mittelalterliche Pfarrkirche von Affalterthal Foto: Reinhard Löwisch
Die mittelalterliche Pfarrkirche von Affalterthal Foto: Reinhard Löwisch

Jedes Ding hat einen Namen, um es von anderen Dingen, die genauso ausschauen oder in den Eigenschaften identisch sind, zu unterscheiden. Bei Menschen gibt es neben Vor- und Zunamen auch noch Hausnamen und Spitznamen für ein und dieselbe Person. Und auch Kirchen haben Namen, zumindest im katholischen Bereich - und katholisch waren vor der Reformation (1514) alle. Nur die Affalterthaler Kirche hat als eine der ganze wenigen in Bayern keinen Namen (mehr).

Sie hatte einen, weil sie schon 1375 erstmals erwähnt wurde. Doch im Zuge der kirchlichen Umwälzungen, Reformation, Gegenreformation und Gegen-Gegenreformation ist das Kirchenpatronat der Affalterthaler Kirche sehr gründlich aus den Akten entfernt worden.

"Besetzungen"

Zwischen 1544 - den ersten evangelischen Bestrebungen in Affalterthal - und 1636 - dem endgültigen, weil anerkannten Übertrittsjahr - kam es fast jährlich zu "Besetzungen"; einmal durch bambergische Reiter, dann kamen wieder egloffsteinische Soldaten ins Dorf, sobald die Bamberger Reiter abgezogen waren.

Die Leidtragenden waren wie üblich die kleinen Leute, die Bauern im Ort. Sie mussten nicht nur die Soldaten verpflegen und im Haus aufnehmen, sie mussten auch dem jeweiligen Herrn immer wieder (und abwechselnd) die Treue schwören, getreu dem Motto "Cuius regio, eius religio" - frei übersetzt: der Untertane soll die Religion seines Herren annehmen. Besonders arg traf es die Affalterthaler 1629. Unter dem Schutz von 30 Forchheimer Soldaten und 50 Bewaffneten aus dem Amt Leienfels besetzte der katholische Pfarrer Johann Dietz am 9. September Affalterthal. Der evangelische Pfarrer fügte sich ohne Widerspruch, sein Herr, Friedrich von Egloffstein, verweigerte die Herausgabe der Kirchenschlüssel. Daraufhin wurde die Kirche gewaltsam geöffnet und durch Pfarrer Dietz eine Heilige Messe gelesen. Als er anschließend der Gemeinde vorgestellt werden sollte, war außer zwei Personen niemand in der Kirche anwesend. Die übrigen Gemeindemitglieder gingen auf Geheiß Friedrichs von Egloffstein nach Egloffstein, wo an diesem Tage Kirchweih war. Deshalb wurden die anwesenden Soldaten in Affalterthal einquartiert in der Erwartung, dass sich die halsstarrigen Bauern dadurch am ehesten fügen würden. Nachdem sich Friedrich von Egloffstein aus dem Dorf entfernt hatte waren sie den Bambergern schutzlos ausgeliefert. Deshalb fanden sich in derselben Nacht fast sämtliche Bewohner von Affalterthal in Leienfels ein, worauf ein jeder an Eidesstatt Gehorsam und die Rückkehr zum katholischen Glauben gelobte. Die beiden, die nicht kamen, wurden gefangen genommen und nach Bamberg in den Kerker gebracht. Friedrich von Egloffstein trat daraufhin als Hauptmann in schwedische Dienste und kämpfte gegen das katholische Bamberg; mit Erfolg.

An der Pest verstorben

Nachdem der katholische Pfarrer 1634 an der Pest verstarb und Affalterthal eine Zeitlang pfarrerlos war, gelang es den Egloffsteiner Herren 1636, dem Bamberger Bischof die Anerkennung als eigene evangelische Pfarrei für Affalterthal und auch für Egloffstein selber abzutrotzen. Die schwedischen Krieger haben dabei bestimmt im Hintergrund nachgeholfen.

Der naheliegendste Versuch, das Patrozinium der Kirche herauszufinden, schlug fehl. Vom Evangelisch-Lutherischen Archiv in Nürnberg kam die lakonische Mitteilung, "da ein Heiligenkult nicht erwünscht war, war für die evangelischen Theologen auch das Thema Patrozinien suspekt. Wo diese daher nicht zur Unterscheidung mehrerer Kirchen an einem Ort gebraucht wurden, gerieten sie häufig in Vergessenheit".

Vielversprechend war die Anfrage an das Erzbischöfliche Ordinariat in Bamberg, wo alle alten katholischen Kirchakten lagern. Doch auch hier kam sehr schnell die ernüchternde Erwiderung nach einer Anfrage: "Ich gehe davon aus, dass aufgrund der lückenhaften Überlieferung im Staatsarchiv Bamberg und im Archiv des Erzbistums Bamberg eine Klärung des Patroziniums nicht möglich ist", hieß es vom Sachbearbeiter.

Letzter Strohhalm war das Pfarrarchiv in Pretzfeld, weil die Pfarrei Affalterthal im frühen Mittelalter zu Pretzfeld gehörte. Doch auch hier konnte Reinhold Glas, der das Archiv gründlich erforscht hat, keine brauchbare Quelle nennen. Und auch die Anfrage an den Kreisarchivpfleger Georg Knörlein verlief ohne Ergebnis.

So muss Affalterthal weiterhin damit leben, dass die mittelalterliche Kirche namenlos ist. Kleiner Trost: Vielleicht gelingt es ja noch, den Namen ausfindig zu machen. 2025 könnte der kleine Ort mit seinen 300 Einwohnern, der seinen Namen vom Apfelbaumtal ableitet, 650 Jahre eigene Pfarrei feiern, und im Jahre 2030 sogar 900 Jahre erste Namensnennung des Ortes.

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