Gräfenberg
Stadtrat

Fränkische Schweiz: Kindergartenkinder bekommen ein Klassenzimmer

Mehr Eltern entscheiden sich dafür, ihre Kinder später einzuschulen. Das hat Auswirkungen auf die Kinderkrippe und die Grundschule in Gräfenberg.
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Im neuen Kindergarten in Gräfenberg fehlt bereits jetzt eine  Krippengruppe. Die Kindergartenkinder werden künftig ein Klassenzimmer in  der Schule bekommen. Denn dort fehlen Kinder. Foto: Petra Malbrich
Im neuen Kindergarten in Gräfenberg fehlt bereits jetzt eine Krippengruppe. Die Kindergartenkinder werden künftig ein Klassenzimmer in der Schule bekommen. Denn dort fehlen Kinder. Foto: Petra Malbrich

Soll das Kind mit sechs Jahren in die Schule oder noch ein Jahr im Kindergarten reifen? Das dürfen nach dem neuen Bundesgesetz die Eltern selbst entscheiden. Dieser zeitliche Korridor hat für die Stadt Gräfenberg weitreichende Folgen und bringt sie in Bedrängnis. "Sieben oder acht Kinder sind zurückgestellt worden", erklärte Bürgermeister Hans-Jürgen Nekolla (SPD) im Stadtrat. Umfassend betrachtet bedeutet dies, dass die Kindergartenplätze nicht frei werden und die Krippenkinder nicht nachrutschen können - und das bei voller Warteliste. Eine Krippengruppe fehlt. "Somit ist in der Schule ein ganzes Klassenzimmer leer", verdeutlichte der Bürgermeister. Diese Entwicklung war bekannt. Die Diakonie als Träger der Kindertagesstätte (Kita) und die Stadt hatten sich um eine Containerlösung bemüht. In der kurzen Zeit konnte die Containerlösung jedoch nicht umgesetzt werden. Vorarbeiten, zu denen auch eine Baugenehmigung und eine Architektenplanung nötig gewesen wären, konnten nicht realisiert werden. Zudem würden zwar Kauf und Miete eines Containers gefördert, höchstens aber mit zehn Euro pro Quadratmeter oder umgerechnet monatlich 675 Euro. Die Kosten für den Container jedoch liegen bei 6750 Euro monatlich.

Suche nach Alternativen

Die Suche nach Alternativen begann. Da aufgrund geringer Schülerzahl eine Klasse weniger zustande kommt, war die Alternative in dem leeren Klassenzimmer gefunden. Der Rektor gab das Einverständnis, das Klassenzimmer der Kita zur Verfügung zu stellen. Gespräche mit dem Landratsamt Forchheim ergaben, dass nicht die Krippenkinder, sondern die Kindergartenkinder dieses Zimmer beziehen sollten. "So sparen wir auch immens viel Geld", beteuerte Nekolla. Denn auch das zweite Gesetz, durch das die Kindergartenplätze mit 100 Euro pro Kind und Monat bezuschusst werden, lässt die Nachfrage steigen. "Jeder wird sein Kind anmelden. Die Einrichtungen werden voll sein. Wir sind deshalb gefordert, die Situation im Auge zu behalten, und haben ein Jahr Zeit, uns über eine weitere feste Einrichtung Gedanken zu machen", meinte Nekolla. Aus den Reihen der Stadträte erhielt der Bürgermeister breite Zustimmung. "Das Anliegen wird nicht zu bremsen sein", meinte Hans Derbfuß (CSU). Die Wohnungsnot nannte er als Grund, mehr Leute würden das Land aufsuchen. Deshalb müsse man sich öffnen und Betreuungsangebote bereitstellen. Alleine die gesetzliche Garantie, für jedes Kind einen Betreuungsplatz zu bieten, war für Heiko Kracker (GBL) Grund, eine weitere Einrichtung ins Auge zu fassen. Allerdings mahnte er, tief in die Glaskugel zu schauen, damit ein dritter Standort in vier Jahren nicht leer stehe. Auf jeden Fall würden intensive Gespräche mit dem Landratsamt hinsichtlich der Bedarfsprognosen geführt werden. An eine modulare Holzständerbauweise dachte der Bürgermeister für eine weitere Einrichtung, die dann je nach Bedarf erweitert werden könnte. Die Vereinbarung über eine zusätzliche Krippe samt Kindergartenlösung im freien Schulklassenzimmer befürwortete der Stadtrat einstimmig.

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