Pretzfeld
Brauwesen

Fränkische Schweiz: Jeden Monat wird ein anderes Bier gebraut

Ein Braumeister in der Fränkischen Schweiz will das traditionelle Hausbrauerfassen wiederbeleben. Jeder kann mitmachen und sein eigenes Fass befüllen.
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Braumeister Mike Schmitt mit einem kleinen Holzfass Foto: Carmen Schwind
Braumeister Mike Schmitt mit einem kleinen Holzfass Foto: Carmen Schwind

"Wir wollen die alte Tradition des Hausbrauerfassens wieder aufleben lassen und Gaudi dabei haben", sagt Mike Schmitt, Braumeister und Inhaber der 2008 gegründeten und nach eigenen Angaben "kleinsten Handwerksbrauerei der Fränkischen Schweiz", der "Nikl-Bräu" in Pretzfeld. Ihm sind einerseits Traditionen wichtig, andererseits versucht er am Markt bestehen zu können. Schmitt erinnert sich an das früher geltende Hausbraurecht und das Privileg der Bauern, die Gerste an Brauereien lieferten, das Bier steuervergünstigt zu erwerben. Sie kamen dazu mit eigenen Fässern in die Brauereien, füllten den Gerstensaft ab und lagerten ihn zu Hause. "Das mit dem Braurecht und der Steuervergünstigung gibt es nicht mehr. Aber warum soll man nicht sein eigenes Bier ausreifen lassen? Und wenn man zum Abfüllen kommt, kann man was trinken, reden und Spaß haben", überlegt der Braumeister laut.

Mehrwegfässer aus Edelstahl

Die Idee war geboren, das traditionelle Hausbrauerfassen soll wieder aufleben. Derzeit füllt Schmitt sein Bier in sogenannte "Keg-Fässer" ab. Das sind Mehrwegfässer aus Edelstahl, die zum industriellen Befüllen und der keimfreien Lagerung entwickelt wurden. "Wirte wollen das. Für die Hausbräu sollen aber bayerische Holzfässer verwendet werden, die der eine oder andere sogar noch zu Hause hat", erklärt der Braumeister. Dazu benötigt er jedoch einen anderen Fassreiniger, Fassfüller und entsprechende Fässer. "Handwerksbetriebe haben es immer schwerer, sich gegen große Konzerne durchzusetzen. Und die Verdienstmöglichkeiten sind für kleine Brauereien auch nicht gut, deshalb kam mir die Idee mit dem Funding", erläutert Mike Schmitt. Zum Crowdfunding, einer Finanzierung über viele Interessierte, wird üblicherweise im Internet aufgerufen. Das Projekt der "Nikl-Bräu" ist unter https://www.startnext.com/traditionelleshausbrauerfassen zu finden. Hier erklärt Mike Schmitt das Projekt, für das er 20.000 Euro benötigt. Als Gegenleistung bietet er "Dankeschöns" an. Das sind zum Beispiel ein Fass, ein Brauseminar oder ein Tisch am Annafest in Forchheim. Die Aktion geht bis zum 10. Januar. Dann möchte der Braumeister die Anlagen kaufen und ab April soll das Hausbrauerfassen möglich sein.

Eigenes Fass mitbringen

Wer kein Fass hat, kann dann eines bei Mike Schmitt erwerben. Jeder darf Bier abfüllen, man muss nicht bei dem Projekt mitgemacht haben. "Man kann auch ein eigenes Fass mitbringen. Wir wollen jeden ersten Freitag im Monat abfüllen", erzählt Schmitt. Interessierte können kommen, ihr Fass reinigen und selbst befüllen.

Brauseminare

"Bei den Brauseminaren merke ich immer wieder, wie sehr die Besucher interessiert sind so etwas zu machen", erklärt der Braumeister. Außerdem erfahren die Abfüller, wie sie das Bier dann lagern müssen, wie es Schaum behält oder wie es süß oder trocken schmeckt - je nach persönlichem Geschmack. Zudem will er selbst ein Holzfass mit entsprechender Zapfanlage in seiner Gaststätte aufstellen, um wie früher zapfen zu können. Jeden Monat wird ein anderes Bier gebraut; mal Dunkles, mal Festbier, Zwickel oder Bockbier. Neu wird auch sein, dass die Gäste freitags zum Biertrinken ihre eigene Brotzeit mitbringen können. Samstags wird gekocht und sonntags ist geschlossen. "Die Besucher können zum Beispiel ihre Brotzeit beim örtlichen Metzger holen. Dann hat der auch was davon", meint Schmitt.

Bier mit nach München

Einer der ersten Interessierten war Patrick Hübschmann aus Niedermirsberg. Er wohnt jetzt in München und nimmt immer Bier aus der Fränkischen Schweiz mit in die Landeshauptstadt. "Die wissen da gar nicht, wie gutes Bier schmeckt", ist seine Ansicht. Vom Hausbrauerfassen ist er begeistert. "Ich finde es gut, dass der Mike die alte Tradition wieder einführt und dass er sich da solche Mühe macht", sagt Hübschmann und hat gleich Geld gegeben. Außerdem will er dann ein eigenes Fass abfüllen und mit nach München nehmen.

"Red Castle Brew" aus Gräfenberg

Michael Bellair von der "Red Castle Brew" aus Gräfenberg kann das Crowdfunding empfehlen. Er suchte Investoren für seine Ein-Mann-Brauerei und zahlt mittlerweile Dividenden in Naturalien aus. "Es begann zähfließend, aber es läuft gut und die Kunden sind zufrieden", berichtet der Brauer.

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