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Gößweinstein
Bildung

Fränkische Schweiz: Historiker gibt Schülern tiefe geschichtliche Einblicke

Geschichtsunterricht ganz nah wird durch das Kooperationsprojekt "Erster Weltkrieg in der Fränkischen Schweiz" mit dem VdK in Gößweinstein ermöglicht.
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Andrea Kohl dankt Manfred Franze.  Foto: Georg Lang
Andrea Kohl dankt Manfred Franze. Foto: Georg Lang
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"Man hätte eine Stecknadel während des Vortrags fallen hören", zeigte sich Andrea Kohl, Rektorin der Grund- und Mittelschule Gößweinstein, beeindruckt. Ihren Schülern der Mittelschule zollte sie damit auch große Anerkennung für die Aufmerksamkeit, mit der sie Manfred Franze lauschten. In seinem Buch "Der Erste Weltkrieg - Gesellschaft und Alltag in Forchheim, Ebermannstadt und in der Fränkischen Schweiz" schildert der Historiker sehr anschaulich und eindringlich die Lebensverhältnisse sowohl der Soldaten an der Front als auch ihrer Angehörigen in der Heimat. Das Kooperationsprojekt zwischen Franze, der Mittelschule Gößweinstein und dem VdK-Ortsverband Gößweinstein mit dem Titel "Erster Weltkrieg in der Fränkischen Schweiz" wurde zum Geschichtsunterricht ganz nah.

Ermordung des Thronfolgers

Mit den geschichtlichen Hintergründen wie der Ermordung des österreichischen Thronfolgers Erzherzog Ferdinand und seiner Frau Sophie am 28. Juni 1914 in Sarajevo und den vorhandenen Bündnissen von Serbien mit Russland und Österreich mit Deutschland führte Franze in das Thema ein. Hierzu gehörte auch der Aufruf von Staat und Kirche, die Ehre des deutschen Volkes zu verteidigen, als Deutschland in der Folge sowohl Russland als auch Frankreich im August 1914 den Krieg erklärte.

Feldpostbriefe

Durch die Aufarbeitung von Feldpostbriefen durch Franze wird ein sehr persönlicher Einblick in die tatsächlichen Sorgen und Nöte von Menschen in der Fränkischen Schweiz gewährt. Einer dieser Menschen war der Schreiner Kaspar Detzel aus Ebermannstadt, anhand dessen Briefe die Geschehnisse von seiner Einberufung bis zu seinem Tod bei der Schlacht an der Somme im Jahr 1916 eindrucksvoll nachvollzogen werden können. Aber auch die durch den Krieg in der Heimat in der Fränkischen Schweiz entstandene Not wird greifbar, wenn Manfred Franze darlegt, wie mit verharmlosend blumigen Worten für den Verzehr von Kriegsbrot geworben wird, welche drakonischen Strafen es für den Verstoß gegen die Vorschriften für die Verwendung von Mehl gab, oder dass durch die Rationierung Lebensmittel nur für Marken erhältlich waren und wie Hamsterer aus den Städten gerade an den Wochenenden die ländlichen Gebiete und Dörfer regelrecht ausplünderten. Hierzu gehören auch die ergreifenden Schicksale von Kriegswitwen, die ihre Kinder ins Waisenhaus geben müssen, weil sie selbst nicht mehr in der Lage sind, sie zu ernähren.

Der Geschichtskenner Franze spannte den Bogen dabei bis zur Revolution, den ersten demokratischen Wahlen mit Einführung des Frauenwahlrechts und der Gründung des Freistaats Bayern durch Kurt Eisner. Er stellte hierzu fest, dass viele Politiker auf einer Briefmarke abgebildet wurden, der Gründer des Freistaats Bayern bisher aber noch nicht. Daher habe er für sich eine eigene Briefmarke mit dem Konterfei von Kurt Eisner entworfen. Abschließend zeigte Franze auf, dass sich das Schicksal von Kaspar Detzel im Ersten Weltkrieg millionenfach wiederholte. Noch viel schlimmer wütete der Zweite Weltkrieg. Hierzu schilderte der Historiker auch, wie seine Großeltern die beiden Kriege erleiden mussten, ihre beiden Söhne im Zweiten Weltkrieg verloren und aus ihrem selbst gebauten Haus im Riesengebirge vertrieben wurden, um sich schließlich hier eine neue Existenz aufzubauen.

Klassen vorbereitet

Die Lehrer Mirjam Meyer-Kaiser, Kim Fischer, Reiner Braungardt, Günther Höfer und Roland Dannhardt hatten ihre Klassen der Jahrgangsstufen 7 bis 10 auf das Thema vorbereitet. Bei ihren Eltern und Großeltern hatten die Schüler erkundet, wer aus ihren Familien im Ersten Weltkrieg gelebt hatte. Günter Höfer wies in seinen Einleitungsworten darauf hin, dass sich die heutige Generation glücklich schätzen könne, in dieser Zeit und an diesem Ort leben zu dürfen.

Rektorin Andrea Kohl gab zu, dass sie zunächst etwas zurückhaltend war, als VdK-Ortsvorsitzender Georg Lang mit dem Thema auf sie zu kam. Als sie aber hörte, dass der Referent Manfred Franze sei, war sie überzeugt, dass die Veranstaltung gelingen werde. "Denn auch ich war einmal jung", meinte sie zu ihren Schülern, "und da habe ich Herrn Dr. Franze als mitreißenden Geschichtslehrer erlebt".

Auch die Schüler konnten dies am Ende bestätigen. "Ich fand den Vortrag sehr lehrreich und konnte viele neue Informationen erfahren", resümierte Leonie, Klasse 7M. Dem konnte sich ihr Klassenkamerad Fabian nur anschließen: "Besonders gut fand ich, dass das Leben an der Front am Beispiel von Kaspar Detzel beschrieben wurde. Das war anschaulich."

Bewegendes Buch

Eingangs nannte Georg Lang seine Beweggründe, diese Veranstaltung anzustoßen. Zunächst sei er selbst von dem Buch bewegt gewesen, weil es wirklich die Verhältnisse im eigenen unmittelbaren Umfeld schildere. Gerade weil seit nunmehr über 70 Jahren in Deutschland kein Krieg mehr stattfand, "ist es wichtig, die Schrecken immer wieder vor Augen zu führen, damit gerade auch die junge Generation für den Frieden sensibilisiert wird". Heute trete der VdK auch für den sozialen Frieden und die Rechte der Benachteiligten ein. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der VdK gegründet, um den Kriegsversehrten, Witwen und Waisen zu ihrem Recht zu verhelfen. Letztlich stimmten alle Beteiligten Manfred Franze zu, dass der nun mehr als sieben Jahrzehnte dauernde Frieden der Erkenntnis zu verdanken sei, dass Europa in der Europäischen Union zusammenarbeite. Gerade in der heutigen Zeit sei es deshalb für den Frieden wichtig, sich für dieses Europa einzusetzen.

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