Aufseß
Jagdwesesn

Fränkische Schweiz: Hier werden Sauhunde ausgebildet

Eine Sauhund-Ausbildung ist im Schwarzwildübungsgatter für Jagdhunde in Aufseß (Kreis Bayreuth) möglich. Die Behörden haben ein Auge drauf.
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Hund "Anni" zeigt, was er kann.  Foto: Carmen Schwind
Hund "Anni" zeigt, was er kann. Foto: Carmen Schwind
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Normalerweise wird der Begriff Sauhund als Schimpfwort oder beim Kartenspiel verwendet. "Bei der Jagd ist ein Sauhund ein Jagdgebrauchshund, der bei der Schwarzwildjagd eingesetzt wird", erklärt Adolf Reinel, Vorsitzender des Jägervereins Bayreuth. Nun mögen sich bei dem einen oder anderen schreckliche Bilder im Kopf auftun von Sauhatzen aus dem Mittelalter, bei denen große schwere Jagdhunde die Wildschweine packen mussten und es oft schwere und mitunter tödliche Verletzungen an Mensch, Pferd und Hund gab. Darüber können Reinel und Gattermeister Rainer Kolb, der auch Veterinärmediziner ist, nur den Kopf schütteln. "Wir bilden Hunde aus, damit sie den Umgang mit dem Schwarzwild lernen und nicht verletzt oder getötet werden. Sie lernen, das Schwarzwild aufzuspüren, in Bewegung zu bringen und aus dem Versteck zu treiben", erläutert Reinel. Er ergänzt, dass das zum Selbstschutz des Hundes sei und der Tierschutz immer an oberster Stelle stehe. Und auch die Wildschweine würden durch den richtigen Einsatz von Jagdhunden nicht gequält.

Mitten im Wald

Ausgebildet werden die Hunde im Schwarzwildübungsgatter für Jagdhunde bei Aufseß. Dabei handelt es sich um eine gemeinnützige Tochtergesellschaft des Jägervereins Bayreuth. Mitten im Wald entstand 2014 dieses etwa 4,2 Hektar große "Saugatter" mit zwei Abteilungen und fünf Sauen. Es hat eine Doppeleinzäunung und Unterstellmöglichkeiten für die Wildschweine. Das Ruhegatter ist zur Erholung der Wildschweine, hier darf kein Hund hinein. Die zweite Abteilung ist das Arbeitsgatter. "Hier darf immer nur ein Hund für fünf Minuten Training hinein. Und maximal sechs Hunde am Tag", erklärt Tierarzt Rainer Kolb. Er berichtet von Speicheltests an den Wildschweinen nach den Trainingseinheiten: "Wir haben anhand des Cortisolspiegels im Speichel herausgefunden, dass diese Einheiten positiven Stress, also Eustress, hervorrufen." Meute-Hunde werden nicht ins Gatter gelassen. Der Hundebesitzer muss seinen Jagdschein und den Impfpass des Jagdgebrauchshundes vorweisen. "Zeigt ein Hund Selbstgefährdung an Sauen oder ist unkontrollierbar aggressiv, wird die Arbeit sofort abgebrochen. Und wir sagen dem Besitzer auch, wenn sein Hund nicht für die Schwarzwildjagd geeignet ist", erklärt Reinel. Er verrät, dass für traurige Jäger dann ein Schnäpschen bereitstehe. Bisher wurden etwa 1600 Hunde ausgebildet. Die Wildschweine kamen als Frischlinge von einem Saugatter in Thüringen nach Aufseß und wurden langsam eingewöhnt.

Neugierige Blicke

Kommt man am Gatter an, wird der Besucher von den Wildschweinen schon mal neugierig begutachtet. "Wir haben hier ein Fünf-Sterne-Hotel für unser Schwarzwild", meint Gattermeister Rainer Kolb, der die Tiere hegt und pflegt. Er erzählt, dass viele Ämter ein Auge auf das Saugatter haben: "Es wird regelmäßig kontrolliert und wir bekommen immer ein Lob. Das gibt uns natürlich auch Sicherheit." Keiler "Horsti" sieht mit seinem "Gewaff", den Eckzähnen im Ober- und Unterkiefer, sehr beeindruckend aus. Die Bachen, die weiblichen Wildschweine, haben sogenannte "Haken". "Wildschweine sind sehr schlau und physikalisch perfekt: Hier kommen Masse, Energie und Geschwindigkeit zusammen", erläutert Reinel.

Das Gatter umrunden

Dann zeigt er mit seinem Jagdhund " Anni", wie so ein Training abläuft: Jäger und Hund umrunden langsam das Gatter, damit der Hund schon Witterung aufnehmen kann. Dann betreten sie den Arbeitsbereich. "Hier haben wir auch ein Welpengatter. Junge Hunde dürfen nicht rein, können sich aber schon mal an den Geruch gewöhnen", erklärt Reinel. Im Arbeitsgatter zeigt "Anni" dann, wie man die Wildschweine anbellt und zurückweicht, wenn diese reagieren. Danach rennt sie freudig zum Herrchen und lässt sich loben. Die Wildschweine dagegen fressen unbeeindruckt weiter. "Angie", die größte Bache, schaut noch, während "Moni", die kleinste, sich zurückzieht. Nach der Übungseinheit laufen Jäger und Hund außen am Gatter entlang zurück zum Eingang. Neugierig begleiten die Wildschweine im Inneren des Gatters die Gäste. "Die bekommen dann vorne im Ruhegatter noch eine Belohnung", sagt Kolb. Neben einer Portion Fressen streicht Kolb noch Buchenholzteer an einige Bäume. "Das lieben die Sauen. Da reiben sie sich dran. Das ist Sauen-Wellness", kommentiert Reinel.

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