Ermreuth
Denkmalschutz

Fränkische Schweiz: Hebräische Inschrift entdeckt über Tür entdeckt

Seit Jahren renoviert Hermann Stengel das Schwarzhaupthaus in Ermreuth. Nun wurde am Tag des offenen Denkmals über der Eingangstür ein Spruch in hebräischer Schrift gefunden.
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Der Eingang des Schwarzhaupthauses in Ermreuth Foto: Petra Malbrich
Der Eingang des Schwarzhaupthauses in Ermreuth Foto: Petra Malbrich
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Für den Betrachter sehen die hebräischen Schriftzeichen aus wie ein Muster in dem Holzbalken. "Als Laie habe ich nichts gesehen", sagt Hermann Stengel, der seit Monaten damit beschäftigt ist, das Schwarzhaupthaus zu renovieren.

Den Putz hatte er abgekratzt und Nägel entfernt, als er am Tag des offenen Denkmals von Georg Brütting, dem Kreisheimatpfleger des Landkreis Forchheim, auf eine hebräische Inschrift aufmerksam gemacht wurde. An dem Tag waren auch der Forchheimer Historiker Rolf Kießling und Ralf Rossmeissl vom Denkmalamt vor Ort. Die Freude über diesen überraschenden Fund war groß.

"Ich habe mich gefreut, da vom ursprünglichen Haus wenig übrig geblieben ist", sagt Stengel. Noch vor Ort übersetzte Ralf Rossmeissel die Inschrift grob und schickte dann per E-ail eine detailierte Übersetzung mit Erklärung. Den Schriftzug samt Übersetzung ließ Stengel dann auch der Wissenschaftlerin und Museumsleiterin Rajaa Nadler (Synagoge Ermreuth) zukommen. "Es ist das Erbauungsdatum des Hauses mit dem Spruch ,Auf ein gutes Gelingen, es soll dir wohl gelingen'", zitiert Nadler Rossmeissels Übersetzung.

Erbaut 1768

Erbaut wurde das Schwarzhaupthaus 1768 von einem Mosche, zu deutsch Moses. "Ein Moses Gröninger soll ja die eine Hälfte gebaut haben", erklärt Rossmeissel in seinen Ausführungen. Mosche steht in der ersten Zeile des Holzbalkens. In der zweiten Zeile lässt sich das Erbauungsdatum erkennen. Wer das alles entschlüsseln und lesen kann, erhält dann den Ausspruch "1768, es soll dir wohl gelingen."

Das berühmte Schwarzhaupthaus in Ermreuth, zumindest die eine Hälfte, wurde 1768 von einem Moses Gönninger erbaut, dem für den Bau ein gutes Gelingen gewünscht wurde. Die andere Hälfte des ungleichen Doppelhauses mit 160 Quadratmetern Grundfläche baute Jacob Joel Levi. Das Bauernhaus hatte die Hausnummern 26 a und 26 b. Beide Hälften gehörten 1884 der jüdischen Witwe Babetta Rosenberger, die es nach ihrem Tod 1899 an ihre Nichte Rosa Schwarzhaupt, geborene Wiesenfelder, vererbte. Das Haus trägt seither die Nummer 26 und den Namen der letzten Besitzer: Schwarzhaupt.

Zeit bis 1939

Bis 1939 lebte dort die Familie Schwarzhaupt. Das waren Wilhelm Schwarzhaupt, dessen Söhne Max und Adolf und dessen Ehefrau Alma, eine geborene Zeilberger. Das Ehepaar hatte nur ein einziges Kind, die ebenfalls Rosa hieß. "Rosa wurde in Ermreuth in Englisch unterrichtet und wurde bereits 1937, mit 16 Jahren, nach Amerika geschickt", erzählt Nadler. Die Familie verdiente ihr Geld als Bauern, Händler, Haus- und Grundstücksmakler und als Heiratsvermittler - bis zur Inflation nach dem Ersten Weltkrieg. Dass sie ihre Tochter in Sicherheit bringen konnten, lag an den Verwandten in Übersee. "Die Schwägerin und ihre Kinder lebten dort. Von den Verwandten hatten sie viel Unterstützung bekommen und sie holten auch Rosa zu sich", erzählt Nadler. So bürgten die Verwandten auch zwei Jahre später, als der Rest der Familie im Februar 1939 aus Deutschland floh. "Sie sind über Nürnberg-Hauptbahnhof nach Frankfurt am Main und von dort aus nach Amerika", erzählt Nadler.

Selbst vom Leben der Schwarzhaupttochter Rosa in Amerika sind Stichpunkte bekannt. "Rosa hat Essy Bravmann geheiratet", sagt Nadler. Die Nachbarn der Synagoge hatten Kontakt und so konnte Nadler die früheren Besitzer des Schwarzhaupthauses selbst anschreiben. Von Essy Bravmann hatte sie ein einziges Mal Antwort erhalten mit den datenbezogenen Informationen über Rosa Schwarzhaupt. Rosa und Essy hatten zwei Töchter. Sandra, 1945 geboren, und Kenny, der 1952 auf die Welt kam. Er hat einen Sohn Benjamin, der 1983 geboren wurde.

Auch Tauchbad entdeckt

Das gute Gelingen, wie über der Tür zu lesen ist, gilt nun dem neuen Besitzer - ein schöner Wunsch für das geschichtsträchtige Haus. Die Geschichte will Hermann Stengel wieder sichtbar machen. So fand er bei den Renovierungsarbeiten auch ein Tauchbad und gräbt tiefer. "Ich möchte die damals wichtigen Lebensgewohnheiten aufzeigen", sagt Stengel. Das ist ein Grund für die Sanierung, die nun den Holzbalken samt hebräischer Inschrift zum Vorschein brachte.

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