Hiltpoltstein
Telekommunikation

Fränkische Schweiz: Häuslebauer seit drei Monaten ohne Telefon und Internet

Seit dem Einzug ins neue Eigenheim im November warten drei Familien in Hiltpoltstein auf Internetanschluss - Monat für Monat.
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Ein Mobiler Router soll als Ersatz dienen. Foto: Petra Malbrich
Ein Mobiler Router soll als Ersatz dienen. Foto: Petra Malbrich
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Ein Vierteljahr wohnen Kathrin Pantle und Martin Held, Jessica Kiesant mit ihrem Lebensgefährten Dominik, dessen Bruder Philipp mit Ehefrau Anja Malbrich inzwischen in ihren neuen Eigenheimen und haben noch immer keinen Telefonanschluss und somit kein Internet. Und das, obwohl dieser schon im Februar 2018 beantragt wurde und von allen der inzwischen drei dort lebenden Familien dringend beruflich gebraucht wird. Vor zwei Tagen haben Kathrin Pantle und Martin Held wieder ein Schreiben von der Telekom erhalten. In der Regel dauert es dann nur wenige Tage, bis die anderen Familien das gleiche Schreiben erreicht. Nicht mit dem ersehnten Inhalt, dass der Telefonanschluss und somit Internet endlich geschaltet sind, sondern ein Standardschreiben mit dem Hinweis, aufgrund umfangreicher Tiefbauarbeiten in ihrem Anschlussbereich würde sich alles verzögern. Als endgültiger Termin sei nun Mitte März angedacht. Dabei sind Tiefbauarbeiten überhaupt nicht mehr nötig. Den drei Paaren reicht es nun. "Wir möchten, dass die Telekom sofort umstellt und uns nicht von Monat zu Monat vertröstet", sagt Martin Held. Er hat bereits vor dem Hausbau in Hiltpoltstein gewohnt. Um die Telefonnummer auch im neuen Heim zu erhalten, zahlt er monatliche Gebühren in Höhe von 47 Euro - ohne dass etwas funktioniert.

Abends daheim arbeiten

Der Systemintegrator jedoch braucht den Anschluss beruflich. "Mein Arbeitgeber arbeitet 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche", erklärt Held, dass auch abends Arbeiten notwendig sein können. Dazu benötigt er einen Internetzugriff.

Kleine Box als Ersatz

Die kleine Box, ein mobiler Router, den alle drei Familien als Ersatz bekommen haben, nennt sich "Magenta Zuhause Schnellstart" und ermöglicht ihnen ein Datenvolumen von 30 GB. "Ich fühle mich in die Steinzeit versetzt. Bis eine Seite geladen wird, dauert es", ärgert sich Martin Held . Zudem kann er den mobilen Router nicht an sein Netzwerk anbinden. Ein Arbeiten ist damit unmöglich. Erschwert wird die berufliche Fortbildung auch bei Anja und Jessica. Anja ist Kinderkrankenschwester und pflegt schwerbehinderte Kinder im Landkreis Forchheim. Sie bildet sich derzeit weiter, um in der Familienberatung arbeiten zu können. "Das sind Online-Seminare mit Videos", betont Anja, die daran nicht teilnehmen kann, da sonst das Datenvolumen zu schnell verbraucht ist. Auch ihre Dienstpläne erhält sie online und muss auf dem selben Weg ihre Abrechnungen schicken. Ein Ding der Unmöglichkeit.

Home-Office

Kathrin ist Betriebswirtin und arbeitet an mehreren Tagen im Monat im Home-Office. "Für die Skype-Besprechungen ist die Leitung zu instabil", sagt Kathrin. Professionelles Arbeiten sei auch für sie derzeit nicht umsetzbar. Und Jessica ist Steuerfachwirtin und Bilanzbuchhalterin. Sie macht gerade den Steuerberaterlehrgang. Die Unterlagen bekommt sie online und kann diese nicht lesen. "Ich muss mich wohl ein Jahr zurückstufen lassen", beklagt Jessica den Zeitverlust. Das Studium finanziert sie zudem aus eigener Tasche. Über das mobile Internet zu lernen, hilft Anja nicht, denn Mobilfunkempfang ist dort ein Glücksspiel. Nun hat sie weder einen Telefonanschluss noch Internet noch Mobilfunkempfang. "Wenn etwas passiert, könnte ich nicht einmal einen Arzt rufen", sagt Anja. "Es ist auch eine starke Komforteinbuße", meint Martin Held. Für die Streaming-Dienste zahlen die Familien 30 Euro im Monat, ohne sie wirklich nutzen zu können. Bis eine Minute Film geladen ist, dauert es Minuten, wenn überhaupt noch Datenvolumen vorhanden ist.

Wieder vertröstet

Nun wurde die erste Familie wieder vertröstet, obwohl sich seit Weihnachten ein "Deeskalationsteam" der Sache angenommen hat, damit die Familien nicht immer bei der Telekom nachfragen müssen. "Telefon ist ein Grundrecht", meint Martin, der wie die anderen Ehepaare im "Hofmannsgarten" endlich Telefon und Internet wollen, um ihren Beruf ausüben und die Freizeit genießen zu können. Warum es diese Verzögerungen gibt, kann auch die Telekom noch nicht genau benennen. An solchen Prozessen wie die Erschließung und Bereitstellung in einem Neubaugebiet seien viele Bereiche involviert. Auch Fremdfirmen sind in der langen Prozesskette beteiligt. Wohl gab es auch da Verzögerungen. "Es sind viele Spieler beteiligt, das macht es nicht einfacher", erklärt Christian Schwolow, Pressesprecher der Telekom, der diesen Fall drei Tage lang intensiv betreut hat. Mit Hochdruck hätten die Mitarbeiter nun gearbeitet und die technischen Voraussetzungen geschaffen. Ein Techniker müsse wohl noch einmal vor Ort. "Wir haben die Kuh vom Eis. Dienstag oder Mittwoch nächster Woche haben die Bauherren Internet", verkündet Schwolow. Er verspricht, diesen Fall bis zum glücklichen Ende zu verfolgen.



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