Egloffstein
Tourismus

Fränkische Schweiz: Freibäder in der Nazi-Zeit erbaut

In Pottenstein gab es zwar seit 1926 und in Streitberg seit 1931 ein Freibad. Doch die Nationalsozialisten forcierten ab 1933 den Bau neuer Freizeiteinrichtungen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Eröffnung des Waischenfelder Freibades 1934. Dazu hatte die Stadt fünf verschiedene Motive ausgewählt und davon Postkarten drucken lassen. Repro: löw
Die Eröffnung des Waischenfelder Freibades 1934. Dazu hatte die Stadt fünf verschiedene Motive ausgewählt und davon Postkarten drucken lassen. Repro: löw

Schon lange, bevor es zum Zweiten Weltkrieg kam, hatten sich die Nazis massiv in das öffentliche Wirtschaftsleben eingemischt und beeinflussten es zum Beispiel mit dem Bau von Freibädern. Ob dahinter der Wunsch nach körperlicher Ertüchtigung für den bevorstehenden Krieg stand, kann durchaus vermutet werden, auch wenn sich das Freizeitwerk "Kraft durch Freude", kurz KdF, erst im November 1933 gründete.

Drei Beispiele für die Errichtung von Nazi-gesteuerten Freibädern sind die in Waischenfeld, Egloffstein und Hollfeld. Allen gemeinsam ist: Sie wurden vom Architekten Vogel aus Nürnberg gebaut und im Sommer 1934 der Öffentlichkeit übergeben.

Offiziell durch staatliche Mittel gefördert, dienten sie auch der Nazi-Propaganda. Mit der Errichtung des "Kur- und Familienbads" in Waischenfeld bewiesen die damaligen Stadtväter Weitblick - obwohl mittlerweile alle Nazis waren -, nicht zuletzt auch wegen des zunehmenden Fremdenverkehrs in dieser Region. Mit der Schaffung dieser Freizeiteinrichtung bezogen die Waischenfelder und die anderen beiden Gemeinden eine gewisse Vorreiterstellung, da es in jener Zeit nur sehr wenige Freibäder gab.

Im Zeichen des Nationalsozialismus, der auch vor Waischenfeld nicht Halt machte, wurden vor dem Eingang ausländerfeindliche Parolen angebracht. In großen Schriftzügen wurde beispielsweise "Juden Zutritt verboten" den Gästen vor Augen geführt, schrieb der FT im Mai 1970 rückblickend. In der Mitte der Liegewiese stand eine "Friedenslinde" von 1871, an den Rändern des Freibadbeckens hingen Fahnen mit dem Hakenkreuz.

Das Freibad in Egloffstein ist am 1. Juli 1934 feierlich eröffnet worden. Der "Wiesentbote" meldete: "Nachmittags um 2 Uhr bewegte sich ein stattlicher Zug von der Hitlerlinde mitten im Ort zur Badanlage. Reicher Flaggenschmuck und bekränzte Häuser zeigten allen, dass es ein Festtag für ganz Egloffstein war."

Umsatz für den Ort

Der damalige Leiter des Egloffsteiner Verkehrsvereins lobte in seiner Ansprache die neue Anlage, wohl wissend, dass sein Freibad auch Gäste anlockt und damit für Umsatz in seinem Ort sorgt. Die Arbeiten wurden "von Erwerbslosen in 2000 Tagschichten ausgeführt".

Schon ein Jahr später war in der Presse von einer "sehr großen Anzahl von Durchgangs- und Dauergästen" zu lesen und davon, dass sehr viele Schüler der Umgebung zum Sonderpreis "20 Pfennig für den ganzen Sommer" das Bad besuchten.

Das Pegnitzer Bad wurde laut Ortchronist Heinrich Bauer schon 1933 eingeweiht, allerdings nach den Entwürfen des Ingenieurs Albert Gebauer aus Ansbach. Es war so ziemlich das größte seiner Zeit. Es verfügte über ein 50 Meter langes und 27 Meter breites Becken mit 2100 Kubikmetern Wasserinhalt und bis zu vier Metern Tiefe und "hatte alle Einrichtungen einer neuzeitlichen Anlage", schreibt Bauer in seiner Chronik. Es wurde, wie auch in Egloffstein, von einem Lager des freiwilligen Arbeitsdienstes, einem öffentlich geförderten Beschäftigungsprogramm der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung, erbaut.

Noch älter ist das Freibad in Streitberg, das schon zum 1. Juni 1931 eröffnet worden ist. Auch hier berichtete der "Wiesentbote" - damals Lokalzeitung der Region - ausführlich über die Eröffnung, die ausschließlich touristischen Zwecken diente: "Das allseits gestellte Verlangen der Sommerfrischler und Ausflügler nach zeitgemäßer Badegelegenheit, wie sie heute in den meisten größeren und kleineren Kurorten besteht, hat den seit Jahrzehnten rühmlichst bekannten Kurort Streitberg veranlasst, trotz Schwere der Zeit die Schaffung eines großen modernen Familien-Schwimmbades in Angriff zu nehmen, das durch Anlage und Einrichtung auch verwöhnten Ansprüchen des Fremdenpublikums zu entsprechen vermag."

Kanufahren in Streitberg

Das Besondere an diesem Bad: "Es dient gleichzeitig als Gelegenheit zu stimmungsvollen Kahnfahrten, für welchen Zweck ganz neu gebaute, gefällige Boote bereitstehen." Damit sprang Streitberg auf den Zug eines neuen Trends auf, der sich seit Mitte der 20er Jahre entwickelt hat: das Kanufahren auf der Wiesent.

Noch älter als das Streitberger Bad ist das "Kurbad Pottenstein", das Felsenbad, welches schon 1926 seinen Betrieb aufnahm und damit als eines der ersten Freibäder Bayerns (nur in München gab es vorher schon welche) einen regelrechten Besucherboom auslöste. In der Lokalpresse war zu lesen: "Trotz des regnerischen Sommers war der Fremdenverkehr ein sehr reger, der in der Hauptsache auf das neu erbaute Kurbad zurückzuführen ist."

In Zahlen ausgedrückt ergab es folgendes Bild: 1927 kamen 3762 (im Vorjahr 2680) Gäste mit 7631 (7254) Übernachtungen. Ein Jahr später explodierten die Zahlen regelrecht. 1928 kamen 7890 Gäste und blieben für 25 894 Übernachtungen. Die Zahlen zeigen, dass sich die Zahl der Gäste in einem Jahr verdoppelt und die Aufenthaltsdauer von zwei auf drei Tagen zugenommen hat.

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren