Ebermannstadt
Fliegerei

Fränkische Schweiz: Feuerstein-Fliegern segeln bis nach Ostpolen

Die Feuerstein-Flieger aus Ebermannstadt haben es in einem Motorsegelflug bis nach Ostpolen geschafft. 768 Flugkilometer zeichnete der Bordcomputer auf.
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Die beiden Michaels (Wisbacher und Zistler) kurz vor dem Start auf dem Feuerstein Foto: privat
Die beiden Michaels (Wisbacher und Zistler) kurz vor dem Start auf dem Feuerstein Foto: privat
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Beinahe hätten Michael Wisbacher und Micheal Zistler ihr Ziel Stalowa Wola nahe der ukrainischen Grenzen in Ostpolen im reinen Segelflug erreicht. Das zwischendurch schlechte Segelflugwetter zwang dann doch zum Einsatz des Flautenschiebers (Hilfsmotor), was die Erlebnisse über diesen nicht ganz alltäglichen und außergewöhnlichen Flug über 768 Kilometer Luftlinie für die Piloten nicht schmälerte.

"Hätte sich das Wetter an die Vorhersage gehalten, wären wir bestimmt am Ziel angekommen und hätten vielleicht sogar die 1000-Kilometer-Marke geknackt", meint Michael Zistler, der als Copilot von Michael Wisbacher auf dem hinteren Sitz des "Arcus" Platz genommen hatte. Am Ende landeten die beiden Segelflieger auf dem Flugplatz in Kielce südlich von Radom, gut 90 Kilometer vor dem Zielflugplatz in Stalowa Wola nahe der ukrainischen Grenze. Dort findet aktuell die Segelflug-Europameisterschaft statt, an der auch der Flugzeugeigner Uli Gmelin teilnimmt, der seiner Form zuvor auf dem Feuerstein beim "Frankensprint" den letzten Schliff gegeben hatte.

Acht Stunden in der Luft

Über acht Stunden dauerte der Flug im engen Cockpit des modernen Leistungsseglers, was bei dauernden Gefrierschranktemperaturen zwischen minus fünf und minus zehn Grad schon auch eine körperliche Anstrengung bedeutet. Umso hilfreicher war die Arbeitsteilung auf dem langen Auslandsflug: Der junge Sportsoldat Michael Wisbacher war für die segelflugtaktische Streckenführung und das Fliegen selbst zuständig und meisterte diese Aufgaben mit Zielstrebigkeit, Ausdauer und fliegerischem Bravour, wie Michael Zistler berichtet. Zistler ist der Leiter der Fränkischen Fliegerschule Feuerstein bei Ebermannstadt und konnte in der Navigation um die komplexe Luftraumstruktur Unterstützung geben und beim Einholen verschiedener Freigaben im Funk.

Selten in gerader Linie

Im Segelflug richtet sich der Kurs immer nach den meteorologischen Bedingungen; selten kann in gerader Linie geflogen werden, was sich gleich am Anfang des Abenteuers zeigte: Durch eine Luftmasse mit tieferen Wolken und leichtem Niederschlag führte der Kurs zunächst nach Norden in vermeintlich besseres trockeneres Wetter vorbei an Kulmbach und Hof an den Ostrand des Thüringer Waldes. Dort konnte dann endlich nach Osten abgebogen werden Richtung Chemnitz und südlich am Dresdener Luftraum vorbei weiter nach Polen. Südlich von Görlitz wurde mit der Neiße die Grenze überquert und die Besatzung durfte für eine knappe Stunde sogar gutes Segelflugwetter mit hohen Arbeitshöhen und guter Thermik genießen.

Gut sichtbar waren das Riesengebirge und die immer noch schneebedeckte Schneekoppe, bevor dann nördlich am Breslauer Luftraum vorbei das Wetter "zumachte" und erstmals das Klapptriebwerk als Flautenschieber gebraucht werden musste. Immer wieder konnten größere Distanzen im reinen Segelflug überbrückt und das Triebwerk in den Rumpf eingefahren werden. Am Ende zählte der moderne Bordcomputer 768 Streckenflugkilometer bei einem Verbrauch von elf Litern insgesamt.

Landung im Abendrot

"Das war der aufregendste Flug für mich bisher", war sich Michael Wisbacher nach der Landung im reizvollen Abendrot sicher. Äußerst freundlich und hilfsbereit wurden die beiden von ihren polnischen Flugsportfreunden begrüßt und das Flugzeug im Hangar untergebracht. Am nächsten Morgen war für Michael Zistler klar, dass die Rückreise ebenso unerwartet werden würde wie der anstrengende Segelflug selbst: Mit dem Flixbus ging es nach Warschau und von dort - übrigens jetzt bei allerbestem Segelflugwetter - mit dem Verkehrsflugzeug erst nach Paris und von dort zurück nach Nürnberg.

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