Hiltpoltstein
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Fränkische Schweiz: Felsenkeller wecken Erinnerungen an Einmarsch der Amerikaner

Felsenkeller mit dicken, feuchten Mauern in Hiltpoltstein waren Schutzräume im Zweiten Weltkrieg. 38 solcher Keller gibt es noch.
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Gretl Steger sperrt den Keller auf. Foto: Petra Malbrich
Gretl Steger sperrt den Keller auf. Foto: Petra Malbrich
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In dem von Bäumen umsäumten Felsenkeller, der mit vielen Pflanzen bewachsen ist, lagert die Familie Steger heute ihre Getränke. Schön gekühlt bleiben sie dort. Doch hinter den dicken Felsenmauern wird noch anderes bewahrt: die Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg, als die Amerikaner in Hiltpoltstein einzogen und die Keller für die Bürger die einzigen Schutzräume waren. Die Panzer und Gerätschaften der Amerikaner waren schon von Betzenstein aus zu hören. Es dröhnte, vibrierte, und nicht nur dieser Lärm machte den Frauen und Kindern Angst. Die Sirenen heulten, die Bürger sollten ihre Schutzräume aufsuchen. Das waren die dickwandigen, feuchten Felsenkeller, in denen sonst Rüben und Kartoffeln gelagert wurden. Was würden die Amerikaner tun? Petra Vetter schildert die Sorge der Frauen damals. Werden sie schießen, plündern oder gar vergewaltigen? Trotzdem mussten die Frauen in Sorge um alte Leute und Kinder einen kühlen Kopf bewahren. Mit den nötigsten Vorräten bepackt nahmen die Frauen ihre Kinder an die Hand und versteckten sich in ihren Kellern, oft tagelang. "Man wusste nicht, wie nahe die Amerikaner schon an Hiltpoltstein sind", erklärt Petra Vetter. 38 dieser Felsenkeller gibt es noch in Hiltpoltstein. Diese Keller waren in die Felswände geschlagen worden und weisen einen Rundbogen auf. Eine Meisterleistung nennt Petra Vetter diese Arbeit der Vorfahren. Die Großeltern der Kriegsgeneration hatten diese Keller mit Pickeln in die Felsen geschlagen. Oft wurde eine Scheune drübergebaut. Der Felsenkeller musste also einiges aushalten.

Unter der Erde

Teils wurden die Keller aber auch tief unter der Erde gegraben. Der Einstieg war dann mitten auf einer Wiese, jedoch nicht einsehbar. Der Keller der Familie Steger in der Nähe des Friedhofs wurde in einen Hügel gebaut und hatte oben eine Lüftung. Drei Hektar Landwirtschaft umfasste die Fläche um den Keller herum. Er war zugewuchert und die Eingangstür nur schwer erkennbar. Als die Amis kamen, brachte Magdalena Steger ihre beiden Töchter und den jüngsten, damals dreijährigen Sohn Philipp in diesen Schutzraum. Die anderen drei Brüder mussten an der Front kämpfen. So wie Familie Steger handelten auch andere Hiltpoltsteiner Bürger. Der heute 76-jährige Philipp Steger kann sich noch an die Angst erinnern, die sie in dem Keller hatten. Die dröhnenden Geräusche der Panzer drangen durch die dicken Mauern. "Wir mussten still sein", erinnert sich Philipp Steger. Nicht einfach für eine Mutter, die die Angst und stummen Fragen ihrer Kinder an den Augen ablesen kann. Eng aneinander gekauert saß die Familie auf dem harten Steinboden in dem finsteren Keller. Fast wie lebendig begraben. Ein Eimer für die Notdurft stand an einer Kellerwand.

Von Soldaten entdeckt

Dann hatten die amerikanischen Soldaten den Keller der Stegers doch entdeckt. "Plötzlich pochte es immer wieder. Die amerikanischen Soldaten hatten die Tür gefunden", erinnert sich Steger. "Wir trauten uns nicht, uns zu mucksen", sagt Steger. Irgendwann hörte das Klopfen auf. Ob die Amerikaner wegwaren, wussten die Stegers nicht. Sie lauschten. Nachts, im Schutz der Dunkelheit, huschten die Stegers in ihr Haus, um zu schlafen. Tagsüber ging es wieder in den Keller.

Auf Nahrungssuche

Zu essen hatten sie dabei: Wurst aus der eigenen Landwirtschaft. Aber es wurde auch Brot gebraucht und Milch für die kleinen Kinder. Die Mütter konnten nicht einfach im Keller sitzen bleiben. Sie mussten diese Zuflucht verlassen, mussten die Ziegen melken oder Brot holen. "Um einen Laib Brot zu holen, musste man in die Schlehenmühle laufen", erinnert sich Petra Vetter an die Erzählungen ihrer Mutter. Sie fand in dem Keller des Onkels Zuflucht. Auch dort dasselbe Bild wie in anderen Kellern. War die Mutter nach außen gegangen, um Vorräte zu holen, waren die Kinder oft stundenlang alleine in dem dunklen Mauerwerk. Zu den Ängsten kam die Sorge um die Mutter. Vor allem aber war es wichtig, außerhalb des dunklen Raums Neuigkeiten zu erfahren. In einer Felsennische bei der Burg lagen Eier in einem Bottich eingelegt. Diese "Soleier" waren in Essig-Salzwasser gelegt, oft 50 Stück. "Um über den Winter zu kommen", weiß Petra Vetter. Diese Keller zu erhalten, liegt Petra Vetter am Herzen. "Es war für die Menschen ein geschützter Ort", meint Vetter. Aus diesem Grund wurden die Felsenkeller vergangenes Jahr weihnachtlich gestaltet. "Ein Licht in die Keller bringen" war das Thema. Licht, sinnbildlich für den Schutz und die Hoffnung, die diese Keller den Menschen brachten.

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