Waischenfeld
Mittelalterfest

Fränkische Schweiz: Falken statt Ritter sind die Schau

Anstatt des sonst üblichen Ritterturniers war eine Falknerschau die Hauptattraktion des Ritterfestes in Waischenfeld in der Fränkischen Schweiz.
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Anstatt des sonst üblichen Ritterturniers durch die Gruppe  Montessa war diesmal die Falknershow die Hauptattraktion des Ritterfestes.   Foto: Thomas Weichert
Anstatt des sonst üblichen Ritterturniers durch die Gruppe Montessa war diesmal die Falknershow die Hauptattraktion des Ritterfestes. Foto: Thomas Weichert
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Strahlender Sonnenschein und hochsommerliche Temperaturen bescherten dem Ritterfest auf Burg Waischenfeld am Wochenende einen großen Besucheransturm. Veranstalter und Burgpächter Roland Häfner zeigte sich ebenso wie die 50 Händler mit dem Besuch sehr zufrieden, ebenso die 30 Lagergruppen. Neu war die Bielriet-Falknerei aus dem schwäbischen Cröffelbach, die mit ihrer Flugshow das altbekannte Ritterturnier als einer der Höhepunkte ablöste. Einige Besucher vermissten zwar das Ritterturnier, allerdings müsse man den Gästen auch einmal etwas Neues bieten, sagt Häfner. Erstmals waren deshalb die Falknerinnen Ute Kugler mit ihrem Wüstenbussard und Susanne und Anna Schade mit ihrem Rot- und Schwarzmilan von der Falknerei Bielriet im Landkreis Schwäbisch Hall Hauptattraktion. "Letztes Jahr waren wir als Gäste schon hier und es hat uns so gut gefallen, dass wir heuer nun mit den Tieren unserer Falknerei wiedergekommen sind", erklärt sagt Kugler. Auch aus dem Schwäbischen, und zwar aus Ulm, stammt Adrian Grocholl, der heute im Kanton St. Gallen in der Schweiz lebt, wohin er vor 15 Jahren ausgewandert ist. Ihn verbindet eine enge Freundschaft zu den Mitgliedern der Breitenlesauer Mittelaltergruppe Skollvolk, die Wikinger darstellen. Denn einst fand er über das Internet seine Liebe zu einer Bayreutherin, die dieser Gruppe angehört. So lernte der Wahl-Schweizer die "Wikinger" aus der Fränkischen Schweiz kennen, die heute wie eine Familie für ihn geworden sind. Sein Faible gilt den Waffen, mit denen die Wikinger damals kämpften. Beim Ritterfest in Waischenfeld ist er zum dritten Mal dabei. "Um meine Freunde wiederzusehen, lohnt sich der weite Weg auf jeden Fall immer", sagt Grocholl, der dem Veranstalter eine hervorragende Organisation bescheinigt.

Sie kocht für die "Wikinger"

Für die Wikinger kocht Melanie Schuster aus Breitenlesau über der offenen Flamme Wildgulasch mit Semmelknödeln. Schon zum fünften Mal dabei war Josef Eschenweck aus Kulmain im Fichtelgebirge mit seinen selbst gebastelten Zauberburgen. Aleia Gochenour ist gebürtige Amerikanerin und lebt in der Nähe von Coburg. Bereits das zweite Mal kam sie als Burgfräulein aus dem zwölften Jahrhundert verkleidet zum Ritterfest nach Waischenfeld und brachte erstmals ihren Cousin Philipp Becker aus Creußen mit, der sein phantasievolles Gewand selbst zusammengestellt hat. "Ich finde es authentisch hier und es wird viel geboten, vor allem für meine fünfjährige Tochter", sagt Aleia Gochenour. Ihre Leidenschaft, sich mittelalterlich zu gewanden, fing schon in ihrer Kindheit an, als sie mit ihrer Mutter Mittelaltermärkte besuchte. "

Aus Weißenohe

Stefanie Schneider und Petra Podolsky aus Weißenohe sind eingefleischte Klosterbiertrinkerinnen. Beim Ritterfest probieren sie aber auch gerne einmal das Göttergetränk Met. Stefanie Schneider ist die Vorsitzende des 1453 gegründeten Schützenvereins Gräfenberg. Sie schießt nicht nur mit Großkaliberwaffen, sondern gerne auch einmal mit Pfeil und Bogen. "Dafür ist das Ritterfest geradezu ideal", meint Schneider, die mit ihrer Freundin Petra schon seit Jahren zum Ritterfest nach Waischenfeld kommt. "In unseren Augen ist es eines der schönsten Mittelalterfeste in ganz Franken", bekennt die Gräfenberger Schützenmeisterin, die sich auch mittelalterlich verkleidet hat. Besonders das Ambiente mit der Burg finden die beiden Damen toll.

Mit Töpferwaren

Die Töpferin Angela Börnicke aus Adelsdorf kommt mit ihren Töpferwaren und Ehemann Hans-Jörg schon seit zehn Jahren zum Ritterfest. Vor 30 Jahren hat die aus Leipzig stammende gelernte Physiklaborantin umgesattelt und sich mit ihrer Scheibentöpferei selbstständig gemacht. "Ich wollte schon immer einem kreativen Beruf nachgehen", sagt Börnicke, die das Töpfern einst bei ihrer Freundin in deren Keramikwerkstatt in Leipzig erlernte. Ihr Stand mit den Töpferwaren ist immer gut besucht. David und Nicole Hofmann waren mit ihren beiden Jungs Yves und Sebastian sehr phantasievoll verkleidet aus Rupprechtstegen zum Ritterfest angereist. Alles fing vor ein paar Jahren an, als ihr ältester Sohn von Rittergeschichten fasziniert war. 2015 waren die Hofmanns dann erstmals zu einem Mittelaltermarkt in Aub bei Ochsenfurt gefahren. Nicole Hofmann hat sich dort einen ersten Mittelalterrock und ein Felchen gekauft. Innerhalb eines Jahres war dann die ganze Familie mittelalterlich gewandet. "Nach Waischenfeld kommen viele Gewandete und man findet auch viele Gleichgesinnte zum Fachsimpeln", sagt Nicole Hofmann. Auch die Waren, die zum Verkauf angeboten werden, findet sie sehr authentisch.

Der "Sarwürker"

Holger Bär aus Kasendorf ist "Sarwürker" und stellt Kettenhemden, Kettenhandschuhe und Kettenhauben her. Als sein Sohn vor zehn Jahren einen Ritterhandschuh haben wollte, hat Bär ihm kurzerhand selbst einen gemacht. Das war der Beginn für seine Leidenschaft, bei der man sich sehr konzentrieren muss. Da seine Frau auf den Mittelaltermärkten mit ihren selbst gemachten Seifen handelt, hat er dabei nun auch etwas zu tun, indem er den Gästen zeigt, wie zeitintensiv es ist, die frühere Schutzkleidung der Ritter herzustellen. Verkaufen will er seine fertigen Produkte allerdings nicht. "Das könnte keiner bezahlen", sagt Bär.

Aus Greiz

Seit zehn Jahren kommt auch die Eisfee Karin Heydel aus Greiz mit ihrem kleinen Stand, an dem es Softeis, Zuckerwatte oder Quarkbällchen gibt, zum Ritterfest nach Waischenfeld. "Der Markt hat sich im Laufe der Jahre gemacht und ich finde ihn sehr familiär, auch weil sich die Händler inzwischen alle kennen", sagt Heydel, die mit ihren Stand in ganz Deutschland auf Mittelalterfesten unterwegs ist. Für mittelalterliche Klänge sorgten die Spielleute "Viesematente" auf der Bühne, auf der auch die Fechtvorführungen und die Feuershow der Gruppe Flammentanz am Samstagabend auf großes Interesse stießen. Sehr beliebt waren auch das Axtwerfen, Bogenschießen oder andere mittelalterliche Spiele. Für Unterhaltung sorgten auch "Schabernackrakeel" mit seiner Gaukelei, das Puppentheater und der Märchenerzähler sowie das Tavernenspiel.

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