Wichsenstein

Fränkische Schweiz: Erhardi-Brötchen sind uralter und einzigartiger Brauch

In Wichsenstein wurden die Erhardi-Brötchen gesegnet und an die Gläubigen verteilt. Die Brote sollen gegen Halsschmerzen und Augenleiden helfen. Doch es gibt ein Problem.
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Pfarrer Ludwig Mazur segnet die Erhardi-Brötchen mit Weihwasser. Foto: Thomas Weichert
Pfarrer Ludwig Mazur segnet die Erhardi-Brötchen mit Weihwasser. Foto: Thomas Weichert
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Es ist ein uralter und einzigartiger Brauch, den es nur in Wichsenstein in der Fränkischen Schweiz gibt: Am Sonntag wurden während des Festgottesdiensts beim Patronatsfest des heiligen Erhard, dem die Wichsensteiner Pfarrkirche geweiht ist, etwa 6000 Erhardi-Brötchen von Pfarrer Pater Ludwig Mazur gesegnet und an die Gottesdienstbesucher verteilt. Musikalisch umrahmt wurde die Patronatsfeier durch den Gemeinschaftschor Gößweinstein-Wichsenstein. Die kleinen, etwa Zwei-Euro-Stück großen Brötchen sind mit dem Bildnis des heiligen Erhard gestempelt, sind das ganze Jahr über haltbar und sollen beim Verzehr gegen Halsweh und Augenleiden helfen. "Man muss aber schon daran glauben", sagt Joachim Roppelt, stellvertretender Pfarrgemeinderatsvorsitzender, der das Backen der Erhardi-Brötchen wieder organisiert hatte. Jedes Jahr formen und backen zehn bis zwölf freiwillige Helfer der Pfarrei die Erhardi-Brötchen selbst. Das Rezept für den Teig ist ebenso überliefert wie der Brauch selbst und jahrhundertealt, schätzt Roppelt. Nicht einmal die Dorfältesten wussten vor vielen Jahren, wie alt dieses Brauchtum und das überlieferte Rezept ist und wer es einst in Wichsenstein eingeführt hat.

Keine schriftlichen Unterlagen

"Dazu gibt es keine schriftlichen Unterlagen, es wurde von Generation zu Generation mündlich überliefert und bis heute fortgeführt", erklärt Roppelt. Kirchen, die dem heiligen Erhard geweiht sind, gibt es mehrere. Jedoch nirgendwo anders gibt es den Brauch der Erhardi-Brötchen, der nun in Wichsenstein in Gefahr sein könnte.

Bäckerei macht zu

Denn seit 50 Jahren stellte die Moggaster Familienbäckerei Sponsel ihre Backstube zur Verfügung, in der die Wichsensteiner ihre Erhardi-Brötchen formen, stempeln und backen konnten. Der Bäckermeister hat nur den Teig nach dem alten Rezept gemacht, was einfach ist, da die Erhardi-Brötchen nur aus Mehl und Wasser bestehen. Weil die Bäckerei Sponsel ihr Geschäft nun schließt und somit auch die Backstube, suchen die Wichsensteiner eine neue Bäckerei, die ihnen ihre Backstube zum Backen zur Verfügung stellt und den Teig macht. Denn, wie Roppelt sagt, dürfe so ein alter Brauch auf keinen Fall aussterben. Er ist daher zuversichtlich, dass sich ein Bäckermeister aus der Region, am besten aus der näheren Umgebung, finden lässt. Denn schließlich soll es ja auch nächstes Jahr wieder die bei den Gläubigen sehr begehrten Erhardi-Brötchen geben.

Steinhart

Die Brötchen selbst sind steinhart. Man muss sie erst im Mund aufweichen, bis man sie kauen kann. Und ganz wichtig beim Kauen ist dann auch, dass man das Vaterunser dabei spricht, wenn sie gegen Halsschmerz und Augenleiden auch wirklich helfen sollen. Die Erhardi-Brötchen sind kostenlos, Spenden kommen dem Erhalt der Pfarrkirche St. Erhard zugute.

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