Ebermannstadt
Malerei

Fränkische Schweiz: Bilder in Klinikfluren sind Herausforderung für Betrachter

Der evangelische Stadtdekan von Nürnberg hat das Malen für sich entdeckt. In der Klinik in Ebermannstadt sind seine Bilder zu sehen - und sie sollen nicht "zu naiv" sein.
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Der Künstler Jürgen Körnlein vor einem  seiner Bilder   Foto: Elisabeth Görner
Der Künstler Jürgen Körnlein vor einem seiner Bilder Foto: Elisabeth Görner
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Jürgen Körnlein, 1961 in Bayreuth geboren und heute Stadtdekan von Nürnberg, war von seinem Aufwachsen her in einer wenig religiös-kirchlich orientierten Familie weder für die Theologie noch für die Malerei prädestiniert. Er sagt selber: "Ich habe das Malen nicht gesucht und auch Gott nicht gesucht. Gott hat mich gesucht." Aber Gott hat ihn ganz offenbar gefunden und über den Kontakt mit der evangelischen Jugendarbeit und nach eigenem Aktiv-Sein dort hat Jürgen Körnlein sich dann später für das Theologiestudium entschieden, einschließlich Promotion. Zunächst fand er jahrzehntelang Ausgleich beim Sport. Aber seit 2010 hat er - begeistert von Rembrandt, van Gogh und dem Impressionismus - das Malen für sich selbst entdeckt und verfasste schließlich auch gedichtähnliche Texte zu seinen Bildern; beides ist nicht mehr nur Ausgleich und einfache Wiedergabe seiner Eindrücke, sondern - wie man beim Betrachten seiner Kunstwerke schnell merkt - es sind zusätzliche Ausdrucksformen seiner theologisch-philosophischen Ideen, die er inzwischen bewusst auch auf diese Weise mit anderen Menschen teilen will.

Herausforderung an den Betrachter

Deshalb hat Jürgen Körnlein auch den Anspruch an sich selbst, dass seine Gemälde nicht zu "naiv" oder gar nur dekorativ-harmlos sein dürfen, sondern dass sie für den Betrachter immer auch eine Herausforderung an das Sehen und Mitdenken darstellen. Da geht es um Themen wie "Was ist der Mensch?", "Zweckfrei" ("Kein Gebet, damit du, Gott, dies oder jenes tust..."), "Zerrissen", aber auch "Ich träume gern" ("Du, Gott der Träumer, führe deine und meine Träume zusammen!"). Der Künstler malt hauptsächlich mit Acrylfarben, sehr wenige Bilder mit Pastellkreide. In der Ausstellung in der Klinik Fränkische Schweiz in Ebermannstadt sieht man nur ein einziges Beispiel für Aquarellmalerei, vereinzelt aber auch Collagen beziehungsweise collagenähnliche Werke (zerschnittene Fotos, betitelt "(Lebens-)Abschnitte", Wollfäden als "Lebensfäden" und Zeitungspapier als besonders typisch für das alltägliche Leben).

Stark ins Expressionistische

Sein Stil geht stark ins Expressionistische; von nahezu Schwarz-Weiß über dunkleres Ton-in-Ton (Nürnberger Kirchen) bis zu leuchtendem Bunt ist im Atrium und in den Fluren des Krankenhauses alles vertreten. Von klar zu erkennenden Menschenbildnissen bis zu ganz abstrakter Symbolik - aber auch die immer erklärt durch einen Text - kann der Besucher eine große Vielfalt an Eindrücken mitnehmen. Nach der Begrüßung der Gäste der Vernissage durch Chefarzt Professor Eberhard Kuon hatte der Muggendorfer Dekan Günther Werner seinen Kollegen vorgestellt, sich in seiner Rede aber auch einerseits auf das alttestamentliche Bilderverbot ("Du sollst dir kein Bildnis machen!") bezogen, andererseits auf den Menschen als Ebenbild Gottes, und hatte auf die oft kaum verkraftbare Überflutung der heutigen Gesellschaft durch Bilder hingewiesen. Umso größer sei seine Freude, dass Jürgen Körnlein in dieser "Gemengelage" mit seiner Kunst den daran Interessierten - in spürbarer Ehrfurcht - soviel Sinnvolles und Schönes darbiete.

Der Posaunenchor

Der Muggendorfer Posaunenchor bereitete mit seinen liedhaften Klängen auch dem Hörsinn Freude. Mögen die Kranken und alle in der Klinik Arbeitenden genauso viel - vor allem seelische - Kraft durch die Bilder und Texte erhalten wie die immer gern gesehenen Besucher von außerhalb! Die von der Fördergesellschaft Klinik Fränkische Schweiz mitorganisierte Ausstellung (in Zusammenarbeit mit dem evangelisch-lutherischen Dekanat Forchheim) soll erst am Sonntag, 16. Februar, beendet werden - und zwar mit einem Gottesdienst (10 Uhr) mit Stadtdekan Körnlein und der anschließenden Finissage samt Führung (11 Uhr).

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