Gräfenberg
Kommunen

Fränkische Freibäder kämpfen ums Überleben

Die Gräfenberger halten ihr Bad am Leben. Leicht ist es nicht, der Sanierungsstau vieler fränkischer Einrichtungen ist zu hoch. Im Kampf gegen das Bädersterben setzen Bürger auf Selbsthilfe. Und hoffen auf Geld vom Staat.
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Blicken trotz aller Schwierigkeiten optimistisch in die Zukunft des Gräfenberger Bades: Bürgermeister Jürgen Nekolla (rechts) und Bademeister Peter Kraus.  Fotos: Matthias Hoch
Blicken trotz aller Schwierigkeiten optimistisch in die Zukunft des Gräfenberger Bades: Bürgermeister Jürgen Nekolla (rechts) und Bademeister Peter Kraus. Fotos: Matthias Hoch
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Peter Kraus wird plötzlich ernst. "Wenn unser Bad wieder schließen müsste, würde hier etwas wegbrechen", sagt der 57-Jährige. Sogleich hellt sich seine Miene aber auf: "Das Bad läuft, wir sind auf einem guten Weg." Seit drei Jahren arbeitet der geborene Fürther als Bademeister im Schmuckstück des Städtchens Gräfenberg (Landkreis Forchheim). "Jeder kennt hier jeden, es ist wie eine Familie", sagt Kraus, während er seinen Blick über die 50-Meter-Bahn schweifen lässt. Trotz massiver Probleme in den vergangenen Jahren sieht es zumindest für diese Saison wieder gut aus:

Am 11. Mai will der Bademeister die Türen für "seine Gäste" öffnen.

Die Gräfenberger schauten schon einmal einen Sommer lang in die Röhre. 2016 war das. Das Gesundheitsamt hatte das 1938 gebaute Bad wegen technischer Mängel geschlossen. Deren Beseitigung wurde des Geldes wegen jahrelang aufgeschoben. Als das Bad schloss, konnte auch die Stadtverwaltung nicht mehr anders und musste das teure Langzeitprojekt "Schwimmbad" angehen. Mit Erfolg: Jürgen Nekolla, seit 2014 Chef im Rathaus, hat es geschafft, unter großen Mühen etwa 200 000 Euro aus dem städtischen Haushalt zu kratzen.

Hoher Sanierungsstau

Klamme Rathauskassen, chronisches Draufzahlgeschäft, zu wenig Unterstützung: Seit Jahren kämpfen Kommunen in ganz Deutschland um den Erhalt ihrer Badeanstalten. Laut einer Erhebung aus dem Jahr 2018 waren alleine in Franken 156 Bäder teils dringend sanierungsbedürftig, davon stufte die Staatsregierung 23 sogar als "von Schließung bedroht" ein. Die meisten sind in die Jahre gekommen, dringende Sanierungen vielerorts auf langer Bank liegen geblieben. Schätzungen zufolge beläuft sich der Sanierungsstau bayernweit auf mehr als eine Milliarde Euro.

Um Bedarfe in Bayern zu erkennen, ist 2018 Jahr eine Arbeitsgruppe entstanden, bestehend aus verschiedenen Ministerien und kommunalen Spitzenverbänden. Die hat ihre Arbeit beendet, im Moment wird der Abschlussbericht erarbeitet. Für den aktuellen Doppelhaushalt sind im Rahmen eines Sonderprogramms zur Sanierungs-Förderung 40 Millionen Euro vorgesehen. Die genaue Höhe und welche Bäder zum Zug kommen werden, könne man erst im Sommer sagen, wenn der Landtag den Haushalt genehmigt hat, teilt das Bauministerium auf Anfrage mit.

Erwartungsvoll werden Kommunen wie Ludwigsstadt, Hiltpoltstein und Triefenstein (siehe unten), deren Bäder auf der Kippe stehen, in den kommenden Wochen nach München blicken. Johann Kronauer vom bayerischen Städtetag wirkt weniger optimistisch. "Wir sehen die Mittelausstattung skeptisch", sagt er. "Das Geld reicht nicht aus. Wir brauchen eine substanzielle Förderung, um flächendeckend sanieren zu können." Zumal in diesem Jahr voraussichtlich noch kein Cent der angedachten 20 Millionen Euro fließen wird. "Die Kommunen leisten einen wertvollen Beitrag, um ihre Bäder zu erhalten. Der Staat ist gefordert, sie zu unterstützen", sagt Kronauer.

Fördertöpfe stehen nicht nur in München bereit. Mit 300 Millionen Euro fördert der Bund aktuell Kommunen, darunter sind die Bäder im mittelfränkischen Allersberg und Bischofsgrün bei Bayreuth. Gräfenberg geht wieder leer aus. Also Status quo: Wie in vielen anderen Bädern halten Fördervereine und couragierte Gäste den Betrieb am Leben, kaufen Liegen, helfen an der Kasse aus. Steht eine größere Investition an, geht es an die Existenz.

Im Wallenfelser Bad (Landkreis Kronach) besteht ebenfalls gravierender Sanierungsbedarf. "Wenn wir nicht investieren, wird es in den nächsten Jahren schwer werden", sagt Frank Jakob von der Stadtverwaltung. Wallenfels ist eine Konsolidierungsgemeinde, was sie dazu verpflichtet, ihre Mittel für Pflichtausgaben zu verwenden. "Das macht es uns schwer, in freiwillige Aufgaben zu investieren", so Jakob. Damit fällt das Freibad vom Tisch. Einzige Chance? "Wir bewerben uns weiter für alle möglichen Förderungen", meint er.

Luxus: Freibad ist Draufzahlgeschäft

Es gibt kaum ein öffentliches Freibad, das für die Kommune kein Minusgeschäft ist. Auch wenn es gut besucht ist. Die Gemeinden leisten sich in der Regel gerne diesen Luxus, wenn sie es können. Dank ihrer neuen Wasseraufbereitungsanlage haben sich die Gräfenberger etwas Zeit verschafft. Doch für wie lange? "Falls wir die nötige Sanierung unseres alten Beckens nicht mehr aufschieben können, sieht es schlecht aus", sagt Bürgermeister Nekolla. Deshalb formuliert er seine Forderung klar: "Man darf Gemeinden nicht im Stich lassen, die sich in der Vergangenheit leichtsinnigerweise ein Schwimmbad angeschafft haben." Ohne staatliche Hilfen fürchtet er, baden zu gehen.

Die ungewisse Zukunft des Waldbads in Triefenstein

Wenn es um Freibäder geht, spielen immer auch Emotionen mit. Im unterfränkischen Triefenstein in der Nähe von Lohr am Main ist das nicht anders. Das dortige Waldbad aus den 80er Jahren ist seit Jahren dringend sanierungsbedürftig und deshalb von der Schließung bedroht. Was der deshalb ins Leben gerufene Förderverein "Pro Waldbad" bislang erfolgreich zu verhindern vermochte. Florian Hoh, Geschäftsführer im Triefensteiner Rathaus, ist voll des Lobes über diese Bürgerinitiative.

Ohne deren Engagement wäre das Freibad längst geschlossen. Die Mitglieder des Fördervereins richten jedes Jahr in viel Eigeninitiative im Freibad her, was sich im Verlauf der Zeit abnutzte. Da wird gestrichen, fehlende Fliesen werden ersetzt. Auf diese Weise konnte das jährliche Defizit in den letzten Jahren auf 180 000 Euro gedrückt und damit halbiert werden. Für die kleine Gemeinde gerade noch zu stemmen. "Wir verfügen im Schnitt über ein jährliches Investitionsvolumen zwischen 1,5 und zwei Millionen Euro", so Hoh. Angesichts kommunaler Pflichtaufgaben wie Kanal- und Straßenbau bleibt da für freiwillige Leistungen wie ein Freibad nicht viel.

Für die Sanierung des Bades würden allein schon an Planungskosten einige hunderttausend Euro fällig, und da habe man noch keinen Cent in die unmittelbare Sanierung gesteckt. Weshalb der Verwaltungsleiter eher skeptisch in die Zukunft blickt, wenn es um das Waldbad geht. "Es gibt Förderprogramme des Bundes und auch des Freistaats. Der kritische Punkt ist bislang stets der Eigenanteil der Gemeinde." Deshalb suchen die 130 Mitglieder des Fördervereins um Vorstand Klaus Scheller das Waldbad so weit herzurichten, dass der Betrieb aufrechterhalten werden kann.

Ehrenamtliche Helfer sitzen an der Kasse, sorgen für die Reinigung, übernehmen Badeaufsicht. Irgendwann ist natürlich eine Generalsanierung fällig. Weshalb die Verantwortlichen in Triefenstein davon ausgeht, dass das Waldbad langfristig wohl nicht gehalten werden kann. Zu teuer. Trotz der 45 000 Besucher im letzten Jahr und trotz allen Engagements vieler Bürger.

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